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Mitmachen Ehrensache – mehr als nur ein Schein

Das zehnjährige Bestehen der Aktion „Mitmachen Ehrensache“ in Baden-Württemberg zeigt, dass Ehrenamt mehr als nur Scheine sammeln ist. Mehr als 7.000 Jugendliche beteiligten sich bisher jedes Jahr an diesem Projekt – Tendenz steigend. Einen Tag lang arbeiteten sie dabei für einen guten Zweck. Die Aktion findet jährlich am 5. Dezember, dem "Internationalen Tag des Ehrenamts" statt. Schirmherr ist der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Carmen Leimann berichtet über den Aktionstag.

 
 

Mit der Aktion „Mitmachen Ehrensache" soll  unterstrichen werden, was die Statistik längst gezeigt hat: Jugendliche bilden die Gruppe mit „dem größten Engagementpotenzial der Gesamtbevölkerung". Das ergab die Freiwilligensurvey des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von 2004 bis 2009. Des Weiteren sei jeder dritte Bundesbürger, der älter als 14 Jahre ist, ehrenamtlich engagiert. Da 49 Prozent der Jugendlichen noch für eine Freiwilligentätigkeit zu gewinnen seien, sind Jugendliche die Zielgruppe des Projekts „Mitmachen Ehrensache". Aktionstag ist der Internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember. Da dieser dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, wir d am 03.12 gearbeitet.  Dabei arbeiten Schüler und Jugendliche einen Tag und stiften ihren Lohn einem wohltätigen Zweck. Der Arbeitsplatz ist dabei frei wählbar. 7 860 Schülerinnen und Schüler aus 477 Schulen beteiligten sich im Jahr 2009 landesweit an diesem Projekt. Durch ihren Einsatz konnten allein im Alb-Donau-Kreis 16 574 € erarbeitet werden, welche an 16 Jugendprojekte verteilt wurden. 22 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg beteiligten sich 2009 an der Aktion und erbrachten damit einen wunderbaren Erfolg.

 

2010 geht die Aktion „Mitmachen Ehrensache" in die zehnte Runde und feiert damit auch Jubiläum. Förderer sind unter anderem die „Robert Bosch Stiftung" und der „Europäische Sozialfond". Unterstützt wird die Aktion auch von den Medien wie der Jugendzeitung „yaez", dem SWR-Jugendradiosender „DasDing" und der „Jungendpresse Baden-Württemberg", aber auch vom „Landesschülerbeirat Baden-Württemberg" (LSBR). Hauptsponsor von „Mitmachen Ehrensache" ist die „Debitel AG".

 

„Der 3. Dezember ist also im Alb-Donau-Kreis wie im ganzen Land Aktionstag  und auf der Homepage des Projekts heißt es: „Am 5. Dezember heißt es nicht nur Gutes Tun und Spaß haben - wir möchten darüber hinaus zeigen, dass Jugendliche durchaus bereit sind, bürgerschaftliches Engagement zu leisten.". Das klingt toll, aber erklären sich Jugendliche tatsächlich bereit, freiwillig zu arbeiten, obwohl sie ihren Lohn nie wieder sehen? Der Soziologe Joachim Winkler aus Wismar sagt im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung" am 8. Mai 2009 ja: „Die freiwillige Tätigkeit erzeugt Zufriedenheit, etwas für sich und andere getan zu haben. Sie bietet häufig auch öffentliche Anerkennung. Schaut man soziologisch hinter die Kulissen, verfügen die Ehrenamtlichen über ein Ethos gesellschaftlicher Partizipation. Es entspricht ihrem Naturell, ehrenamtlich tätig zu sein." Seiner Meinung nach sind die Motive dafür unterschiedlich: Der Wille zu gestalten, kommunizieren, helfen oder der Wunsch, der Gesellschaft zu dienen, aber auch Überredungskünste anderer Ehrenamtlicher, vor allem aber der Spaß seien ausschlaggebend. Aber nicht nur das: Die so genannten „social skills", zu Deutsch Sozialkompetenzen, die man im Ehrenamt erwirbt, sind auch im späteren Berufsleben von Bedeutung. Auswahlverfahren und Bewerbungstests, aber auch die Probezeit, wenn der Fuß einmal in der Tür ist, sind einige Beispiel dafür, wo es auf Teamfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und Hilfsbereitschaft auch außerhalb der Schule ankommt.

 

Wichtiger als alles andere ist jedoch das Gefühl, dass einen nach einem erfolgreichen Arbeitstag im Ehrenamt überkommt, das Winkler so auf den Punkt bringt: „Die freiwillige Tätigkeit erzeugt Zufriedenheit, etwas für sich und andere getan zu haben.". Dieses beflügelnde Hochgefühl, „wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein offnes Tor in einer Mauer, für die Sonne aufgemacht. Wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß, wie ein Blatt an toten Zweigen, ein Ich-mag-dich-trotzdem-Kuss" - so kann nicht nur „Versöhnung" in einem bekannten Kirchenlied beschrieben werden, sondern so fühlt sich auch das Erfolgserlebnis nach einem gelungenen Arbeitstag oder Projekt an. Es ist die Antriebsfeder und gleichzeitig das Spaßgefühl. Allein dieses Gefühl zu erleben, macht mitmachen bei „Mitmachen Ehrensache", aber vor allem im Ehrenamt vor Ort lohnenswert. Aber Vorsicht, Suchtgefahr!

 
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