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Job & Karriere

Ansteckende Glücklichkeit // FSJler wissen: Behinderten Menschen geht es nicht unbedingt schlecht

Im grünen Gürtel der Green-City Freiburg, genauer im Marcher Stadtteil Neuershausen, steht eine Werkstätte der Caritas. Hier arbeiten gut 130 Menschen mit geistigen Behinderungen aller Art. Sie schrauben, sägen, bohren, verpacken, falten, sortieren – kurzum: Sie erledigen allerhand kleiner Arbeitsschritte, die für die Herstellung von Endprodukten größerer Firmen benötigt werden. Betreut werden sie dabei von so genannten Arbeitserziehern, die wiederum von jungen Menschen unterstützt werden, die hier ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen. Zwei davon sind Eva Meißner und Florian Erdmann. Die beiden 19-Jährigen sind über den Internationalen Bund (IB) zur Caritas gekommen und stehen den hier arbeitenden Menschen seit September mit Rat und Tat zur Seite.

 
 

Wer die Werkstätte in Neuhausen betritt, muss sich auf zwei Dinge gefasst machen: Zum einen herrscht hier Arbeitsatmosphäre. Was ja irgendwie auch wenig überraschend ist. Zum anderen aber kann es passieren, dass einer der Arbeiter aufsteht und einen zur Begrüßung umarmt. Herzlich.


„Ich hatte zuerst Bammel vor dieser Nähe“, gesteht Eva, die über ein schulisches Sozialpraktikum zu der Einrichtung gekommen ist, „das war aber auch eine Hemmschwelle, die ich überwinden wollte.“ Vorher hatte die Eichstetterin nie Kontakt mit geistig behinderten Menschen. „Im Praktikum habe ich aber gemerkt, dass ich meine Grenzen ziehen kann und dass das auch kein Problem ist. Außerdem ist es ja nichts anderes als eine direkte Art der Wertschätzung, die man durch solche Gesten vermittelt bekommt, was ja etwas sehr Schönes ist.“ Eva arbeitet mit ihrer Gruppe im Bereich der Montage, das heißt sie betreut die Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeiten, motiviert, koordiniert und übernimmt auch logistische Aufgaben wie etwa die Lagerung, An- und Ablieferung der Produktionsteile.


„Aber wir sind auch Ansprechpartner für den Alltag – das hier ist auch ganz viel menschliche Arbeit“, unterstreicht Florian. Er ist in einer so genannten Fördergruppe tätig. Dort verbringen Menschen mit schwereren Behinderungen ihren Tagesablauf. Sie werden nur sehr begrenzt in die Produktionsabläufe eingebunden. Florians Arbeit ist auch viel im Bereich der Pflege angesiedelt. Auch der Hochdorfer kam über ein Praktikum zur Caritas. „Ich hatte zuvor noch nie mit behinderten Menschen zu tun, war neugierig, wollte diese Menschen kennen lernen“, beschreibt er seine Motivation. Im Förderbereich hat er dazu ausgiebig Gelegenheit. „Hier kommt man noch näher an die Leute ran“, berichtet der 19-Jährige. Sein Bild von behinderten Menschen habe sich dadurch verändert: „Es gibt hier so verschiedene Leute, manche sind sehr sensibel, manche verstehen Ironie – wenn ich heute einen behinderten Menschen sehe, sehe ich nicht sein Handicap, sondern versuche die Person zu erkennen, die dahinter steckt.“


Ginge es nach Florian, müssten viel mehr Menschen sich mit dem Thema Behinderung einmal auseinandersetzen: „Die meisten denken ja, dass es diesen Leuten schlecht geht und dass sie den ganzen Tag traurig sind. Wenn man aber hier in die Gruppe kommt und sieht, wie viel Power die haben und wie glücklich die sind – das steckt wirklich an.“


Wenn das Freiwillige Soziale Jahr endet, gehen die beiden Helfer wohl unterschiedliche Wege. Florian möchte etwas ganz anderes machen und Immobilienwirtschaft studieren. Eva wird dem sozialen Bereich aber treu bleiben: „Ich habe mein Feld gefunden und möchte Heil- oder Sonderschulpädagogik studieren.“ Ihre Mitarbeiter werden es ihr mit ansteckender guter Laune danken.



INFO:


FSJ mit dem Internationalen Bund

Ansprechpartner:

IB-Freiwilligendienste
Mülhauserstr.9
79110 Freiburg
0761/45986-210

Bewerbungsfristen: gibt es keine, Beginn in der Regel im Herbst und Frühjahr

Internet: freiwilligendienste-freiburg@internationaler-bund.de




 
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