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Job & Karriere

Ausbildung: Schüler haben Qual der Wahl

Betriebe in Südbaden suchen händeringend nach geeigneten Kandidaten für freie Ausbildungsplätze - unter anderem Nachwuchsköche sind gefragt. Das belegen erneut aktuelle Zahlen der regionalen Agentur für Arbeit. Die Ansprüche der Suchenden steigen. Die Stimmung bei den Unternehmern ist getrübt. IHK-Präsident Steffen Auer prophezeit „Riesenprobleme“.

 
 

4278 Jugendliche haben im vergangenen Jahr über die Freiburger Agentur für Arbeit einen betrieblichen Ausbildungsplatz gesucht. Knapp 62 Prozent entschieden sich für eine Duale Ausbildung. 64 jugendliche Suchende waren Ende Oktober noch unversorgt. Dabei hat jeder davon rechnerisch die Wahl zwischen mehr als sieben freien Stellen: „Insgesamt 493 Ausbildungsplätze sind unbesetzt“, sagte Christian Ramm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Freiburg, bei einer Pressekonferenz Ende Oktober. Ein Negativrekord. Spitzenreiter sind Ausbildungen als Kaufmann im Einzelhandel (67 unbesetzte Stellen), als Koch (56) und als Restaurantfachmann (54).


„Bei einigen Betrieben setzt Resignation ein“, sagte Ramm. Manche Unternehmer seien mittlerweile so weit, dass sie Stellen schon gar nicht mehr ausschreiben. Denn sie glaubten, sowieso keine geeigneten Bewerber zu bekommen. Das belegt die sinkende Zahl an ausgeschriebenen Ausbildungsstellen: 3757 wurden für den Ausbildungsmarkt 2014/2015 gemeldet, 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr.


Einer der Hauptgründe ist für Ramm, dass weiterführende Schulen für viele attraktiver seien als eine Duale Ausbildung. Um für die Attraktivität dieses Berufswegs zu werben, sei seine Agentur vermehrt in Schulen gegangen. Ramm rät Unternehmern dringend, ihre Ausbildungsplätze anzubieten. Nicht immer seien die Potenziale der Bewerber auf den ersten Blick erkennbar.

Im Ortenaukreis kennt man diese Probleme. „Berufe mit Aufstiegschancen werden attraktiver“, sagt Elisabeth Giesen, Geschäfts-
führerin im operativen Bereich der Agentur für Arbeit Offenburg. Auch die Work-Life-Balance spiele zusehends für die Jugend eine Rolle. So entschied sich mancher beispielsweise wegen der Arbeitszeiten gegen eine Ausbildung als Bäcker. Für Ausbildungsberufe wie Koch, Friseur oder Industriekaufmann gebe es deutlich mehr Stellen als Bewerber.

Nicht nur das Hotel- und Gaststättengewerbe kämpft um Nachwuchs, berichtete Steffen Auer, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein. Auch kaufmännische Berufe seien in einer schwierigen Lage. Der Handel müsse sich nun Gedanken machen, wie er attraktiver werden könne, so Auer. Er prophezeit für die kommenden Jahre „Riesenprobleme“.

Können Flüchtlinge helfen, die vielen freien Lehrstellen zu besetzen? „Ich sehe da keine kurzfristige Entwicklung, was kann die IHK tun?“, fragte Auer. Er sieht die Unternehmen in der Verantwortung. Auch Johannes Ullrich, Präsident der Handwerkskammer Freiburg, schlägt in diese Kerbe: Von Unternehmerseite aus müsse deutlich mehr gemacht werden.

Die Agenturen für Arbeit in Freiburg und Offenburg haben derweil ein Projekt gestartet: Seit September bereiten sie 24 Flüchtlinge auf eine Ausbildung vor. Acht Flüchtlinge sind von Freiburger Seite aus bereits in die Ausbildung vermittelt worden.

Im Netz

Eine Ausbildung oder ein Studium finden über die Agentur für Arbeit

 
 

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