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Job & Karriere

Handwerk: Inklusion an der Werkbank

In der Gewerbe Akademie der Handwerkskammer Freiburg haben 72 Schüler die Berufe des Handwerks kennengelernt: Im Berufsorientierungs-Projekt „JET – JobErkundungsTage“ haben sie unter Anleitung an eigenen Werkstücken gearbeitet. Zum ersten Mal sind auch körperbehinderte Schüler dabei. „Für mich persönlich eine Herzensangelegenheit, für die Kammer fester Bestandteil der täglichen Arbeit“, sagte Kammerpräsident Johannes Ullrich bei einem Besuch der Werkstätten.

 
 

In der Schreinerwerkstatt der Gewerbe Akademie arbeitet Lea-Marie konzentriert mit der Säge an einem Stuhlbein. Sie sitzt im Rollstuhl. Nebensache. Das Holz ist auf Sitzhöhe fixiert. Beim Berufsorientierungsprojekt „JET – JobErkundungsTage“ sind erstmals Schüler mit Behinderungen dabei. Nicht bei allen ist das so offensichtlich wie bei Lea-Marie. Unter den 72 Teilnehmern sind eine Gruppe der Freien Christlichen Schule Freiburg, zehn körperlich behinderte Schüler der Esther-Weber-Schule in Emmendingen-Wasser und ein geistig behinderter Schüler des Evangelischen Montessori-Schulhauses Freiburg. Die drei Schulen haben das inklusive Konzept im Schulprofil verankert.


Der inklusive Ansatz hat auf das Projekt kaum Auswirkungen. „Wir machen hier keine anderen JobErkundungsTage“, stellt Heiner Gaß von der Fördergesellschaft Handwerk klar. Er ist Projektleiter JET am Standort Freiburg. „Das Konzept ist dasselbe, die Aufgaben sind dieselben“, sagt Gaß. In jeder Gruppe sind Schüler aus verschiedenen Schulen – wie sonst auch. Nur die Durchgänge und Wege in den Werkstätten sind etwas breiter als sonst. „Hier kann es schon mal enger zugehen, da muss manchmal erst Platz für einen Rollstuhl geschaffen werden“, erläutert Jutta Bauchinger-Rominger, Inklusionsberaterin der Handwerkskammer Freiburg.


Das Ziel der zweiwöchigen Berufsorientierung ist klar: „Wir wollen gemeinsam mit den Jugendlichen herausfinden, welche Berufe ihnen liegen – aber auch, an welchen Ecken es schwierig wird“, sagt Bauchinger-Rominger. „Und wenn ein Beruf nicht machbar ist, können wir oft Berufe aufzeigen, die ähnlich sind.“ Renner ergänzt: „Pauschale Aussagen wie ‚Der Beruf geht nicht‘ sind falsch. Es lohnt sich immer, nach Möglichkeiten zu suchen.“ Aber auch die Selbsterkenntnis, dass eben etwas auch nicht geht, sei wichtig und gut für die Persönlichkeitsentwicklung.

 

„Wir möchten aber auch den Blick der Betriebe darauf lenken, dass körperlich beeinträchtigte Mitarbeiter nicht nur im Büro Platz finden können“, erklärt Bauchinger-Rominger. „Am besten beschreibt es der Slogan ‚Einstellung zählt‘“, sagt Kammergeschäftsführer Wolfram Seitz-Schüle. Die Strategie basiere auf drei Säulen: Betriebe sensibilisieren, Betriebe beraten, mit regionalen Akteuren kooperieren.


Um das zu unterstreichen, sind auch Christian Ramm, Chef der Agentur für Arbeit Freiburg, und Kammerpräsident Johannes Ullrich in die Werkstätten gekommen. „Wir arbeiten bei dem Thema Hand in Hand“, erklärt Ramm. Ullrich macht deutlich: „Inklusion ist fester Bestandteil unserer Kammerarbeit.“ Mit der inklusiven Berufsorientierung von JET ist ein Anfang gemacht. Ein vielversprechender, darin sind
sich alle Beteiligten einig.

 

Mehr Informationen unter: www.hwk-freiburg.de/inklusion // www.hwk-freiburg.de/jet

 

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