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Studie: Ganztagsschulen kommen langsam voran

Das Konzept ist weltweit verbreitet. Doch in Deutschland sind Ganztagsschulen weiterhin Mangelware. Viele Eltern würden ihr Kind gerne auf eine solche Schule schicken, können das aber nicht, zeigt die Jako-o-Studie zum Thema. Die Macher der Untersuchung stellen die Frage: Was ist eine gute Ganztagsschule? Sie schauen ins Ausland und listen Pros und Contras auf.

 
 

Länger in der Schule bleiben? Für Schüler klingt das schlimm. Doch Eltern sehen das anders: 72 Prozent der Erziehungspflichtigen in Deutschland würden ihr Kind gerne an einer Ganztagsschule einschreiben. Das zeigt die 4. Jako-o Studie. Nur 47 Prozent der Befragten finden demnach jedoch einen Platz für ihr Kind. Auch wenn andere Länder da besser dastehen, die Tendenz in Deutschland steigt: Im Jahr 2002 waren nur zehn Prozent der Schüler auf Ganztagsschulen, informiert das Kultusministerium.

Ganztagsschulen sind im Ausland vielerorts Standard: Singapur, Estland oder Kanada machen es vor, betont das Institut. Die Ergebnisse von dort seien ermutigend. In Kanada dauert der Schultag beispielsweise von 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr. "Kinder lernen nicht nur im Unterricht, sondern vor allem im Gespräch oder Spiel miteinander", informieren die Verantwortlichen der Studie. Kanada investiere beispielsweise acht Prozent des Brutto-Sozialprodukts (BIP) in Bildung. Hier in Deutschland seien es nur drei Prozent.

Singapur ist laut Jako-o Institut „seit Jahren einer der Spitzenreiter in den drei PISA-Disziplinen Naturwissenschaften, Mathematik oder Leseverständnis. Der Schultag geht dort von 7.30 Uhr bis 15 oder 16 Uhr. Beispiel sei auch Estland. „Gleiche Bildungserfahrung für alle“, lautet der wichtigste Grundsatz der estnischen Bildungspolitik. Die Kinder dürfen „unabhängig von ihrem sozioökonomischen Background“ lernen. Der Schultag beginnt in der Regel um 8 Uhr und dauert bis 15 Uhr. Der Aufwand kostet: 15 Prozent des BIP werden in dem baltischen Staat jährlich in das Bildungssystem investiert. 12 Prozent mehr als in Deutschland.

Hierzulande gibt es derzeit drei Formen der Ganztagsschule: An einer „Gebundenen“ sind alle Schüler verpflichtet, an den ganztägigen Aktivitäten der Schule teilzunehmen. An „offenen“ Ganztagsschulen können Kinder auf Wunsch an den ganztägigen Angeboten teilnehmen. Zuletzt gibt es die „teilgebundene“ Schule, eine Mischform der ersten beiden Modelle.

Für die Studie hat das Jako-o-Institut zwei Spezialistinnen interviewt. „Was ist eine gute Ganztagsschule?“, lautete die Frage. „Es geht um den Rhythmus zwischen Arbeit und Unterricht“, sagt Eva Reiter, Landesvorsitzende Hamburg des Ganztagsschulverbandes. Sie fordert „eine kinderfreundliche Rhythmisierung, eine verbesserte räumliche und personelle Ausstattung sowie die Einbindung des Stadtteils in das Ganztagskonzept“. Reiter macht sich jedoch keine Illusionen: „Natürlich ist es auch eine Frage des Geldes.“ Laut OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat Deutschland bei den Bildungsausgaben im Verhältnis zu den übrigen Staaten ein erhebliches Defizit. 

„Eine gute Verknüpfung von Unterricht und Wahlpflichtfächern“ ist wichtig, betont Svenja Hohnke, stellvertretende Schulleiterin der Ganztagsgrundschule Sternschanze in Hamburg. In ihrer Schule seien „Vormittag und Nachmittag nicht aufgeteilt nach Pflicht und Spaß“. Stattdessen sei der gesamte Schultag rhythmisiert. Hohnke sieht das wie Eva Reiter: „Guter Ganztag braucht Geld, Platz und Personal.“  

Die Ganztagschule für alle könne Familie und Beruf für die Eltern näher zusammenbringen: „Sie soll Eltern ermöglichen, beides besser vereinbaren zu können“ sagt Svenja Hohnke. Den größten Gewinn hätten jedoch die Schüler: „Kinder profitieren besonders im Bereich Sozialkompetenz. Sie sind den ganzen Tag mit vielen anderen Kindern zusammen und müssen lernen, damit klar zu kommen – etwa sich an Regeln zu halten und Konflikte selber zu klären.“ 

Deutschland begünstigt seit 2001 den Ausbau von Ganztagsschulen. Zwei Milliarden Euro werden bis 2021 investiert, um mehr Ganztagsschulen zu wagen. „In den Koalitionsverhandlungen wurde das Jahr 2025 als Termin genannt“, zeigt die vierte Auslage der Jako-o-Studie. „Besonders profitieren könnten sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche“, heißt es. Zugleich gehe es darum, Eltern bei der Erziehungsarbeit zu unterstützen, betonen die Macher der Studie.

 

 

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