Drucken

Leute & Leben

Ein Stich fürs Leben

Tattoos sind angesagt und werden vermutlich den Trendfaktor nie verlieren. Wenn man die Entscheidung getroffen hat, sich tätowieren zu lassen, stellen sich Fragen: Welche Tätowierungen sind ein absolutes NoGo? Und was passiert, wenn man den Körperschmuck loswerden will? Die f79-Reporterinnen Laura Altenkämper und Amanda Glöckner haben zu diesem Thema Tattoo-Berater Frank Leukel befragt. Zudem haben sie sich mit dem Freiburger Dermatologen Roland Weisser unterhalten, der mit einer neuartigen Technik in seiner Praxis Tattoos entfernt. Außerdem sprachen die beiden mit Linda, die selber tätowiert ist, und mit Eltern, die ihre Bedenken gegen die „Körperbemalung“ äußerten.

 
 

Man hört das Summen der Nadel, die sich langsam durch die Haut bohrt. Auf dem Stuhl sitzt eine Person mit schmerzverzerrtem Gesicht. Langsam ist ein Motiv auf dem Rücken zu erkennen. Nach zwei Stunden legt der Tätowierer die Nadel zufrieden beiseite. Der Kunde betrachtet begeistert seinen neuen Körperschmuck im Spiegel. Alltag im Tattoostudio.


„Es tut zwar weh, aber den Schmerz hat man hinterher schnell vergessen, wenn man das Ergebnis sieht“, sagt die 19-jährige Linda, die selbst zwei Tattoos hat. Für ein gutes Motiv ist ihrer Meinung nach entscheidend, dass es individuell ist und zur Person passt. Außerdem sollte das Tattoo laut Linda eine persönliche Bedeutung haben. Sie trägt ihr Lebensmotto „Memento mori“ (Latein: „Bedenke, dass du sterben musst“) auf dem Unterschenkel und eine Sonne zwischen den Schulterblättern, die sie an einen verstorbenen Freund erinnert.


Frank Leukel, Berater im Tattoostudio Bronx in Freiburg, meint, dass man sich das Motiv und die dazu passende Stelle gut überlegen muss, bevor die Farbpigmente für immer in der Haut sitzen. Für Portraits eigne sich etwa am besten der Oberarm oder die Brust. „Jugendlichen rate ich dringend davon ab, sich den Namen des Freundes oder der Freundin stechen zu lassen“, so Leukel weiter, „auch der neue Star am Pophimmel ist kein geeignetes Motiv.“


Zwei Eltern, deren Namen nicht genannt werden sollen, zeigen weitere NoGos auf: Politisch oder sexuell anstößige Tätowierungen gehören ihrer Meinung nach nicht auf die Haut.


Die meisten Tattoos lassen sich zwar entfernen, jedoch zeigt Roland Weisser, der mittels Tattoo Erase seine Patienten von ihren „Fehlentscheidungen“ befreit, nicht immer Gefallen daran: „Ich bin froh um jedes Tattoo, das nicht entfernt werden soll. Oft kommt man sich vor wie ein Scheidungsanwalt.“ Er wendet als einziger Hautarzt in Deutschland eine neuartige Methode ohne Laser an. Dabei werden die Farbpigmente unter örtlicher Betäubung durch eine Hautreizung und nachfolgende spezielle Wundbehandlung wieder aus der Haut gelöst und mit dem Schorf abgestoßen. Um das Tattoo entfernen zu lassen, sollten die Gründe dafür überzeugend sein. Das kann der Störfaktor im Beruf, ein abgelaufener Trend oder auch mal die nicht gelungene Überraschung für einen Partner sein.


„Vor allem Jugendliche
orientieren sich bei der Motivwahl oft an anderen“, so der Berater Leukel, „im Gegensatz dazu tendieren Erwachsene eher zu etwas Sinnvollem mit Bedeutung.“ Auch die Eltern würden die Einverständniserklärung eher unterschreiben, wenn das Wunschtattoo ihrer Kinder einen guten Grund hat.


Obwohl man nach dem 18. Geburtstag selbst entscheiden kann, ob man sich tätowieren lässt, sollte man diese Entscheidung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Schließlich ist ein Tattoo eine Entscheidung fürs Leben.

In fünf Schritten zum Tattoo


1. Unter 16 Jahren musst du gar nicht erst darüber nachdenken, dir ein Tattoo stechen zu lassen, da es erst ab diesem Alter erlaubt ist. Dann aber auch nur mit Einverständniserklärung der Eltern, die du bei deinem ersten Besuch im Studio mitbringen musst.
2. Überdenke dein Wunschmotiv genau, es sollte zu dir passen und zeitlos sein, schließlich musst du es auch noch in zehn Jahren schön finden.
3. Schau dich nach einem professionellen Tattoostudio um. Sauberkeit, gute Beratung und Hygiene sind wichtige Anhaltspunkte.
4. Lass dich dort beraten, etwa ob dein Motiv angemessen ist. Außerdem sollte die Stelle zu deinem Tattoo passen – so kann ein kleines Motiv auf dem Arm verloren wirken. Wenn du später einen Beruf ausüben möchtest, bei dem ein Tattoo unangebracht ist, sollte es zudem gut zu verstecken sein.
5. Nach dem Stechen bekommst du für zwei bis drei Stunden eine luftdichte Folie auf dein Tattoo. Nun musst du die Wunde regelmäßig mit Wund- und Heilsalbe einkremen. Für kurze Zeit gilt: keine Sauna, kein Solarium, kein Schwimmbad und keine direkte Sonneneinstrahlung. Wenn du dies nicht beachtest, können Entzündungen entstehen.

 
 

Kalender

April 2018:

Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30
 

Schlagwörter