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„Svenjas Reise“ – ein f79-Blog / Folge 4: Die Hunde sind ein Problem
Jetzt bin ich schon einen Monat in Punta Arenas und ob man es glaubt oder nicht- Das Frieren wird besser. Es könnte daran liegen, dass ich es mittlerweile gelernt habe, Orte ohne Heizung zu meiden und meine Skisocken lieben gelernt habe. Vielleicht ist es auch einfach nur der simple Grund, dass es selbst am Ende der Welt einmal Frühling wird. Momentan bewegen sich die Temperaturen nur noch über dem Nullpunkt. Das Maximum sind so sieben Grad, doch das ist Okay. Die Luft sticht nicht mehr in die Nase beim verlassen des Hauses und ich kann sogar Mütze und Handschuhe zu Hause lassen. Das Problem der nassen Füße hat sich auch erledigt, da der Schnee weg ist – Yippieyeah.

Die Menschen aus Punta Arenas nennen dieses Wetter warm und mein Gastpapa trägt im Haus nur T- Shirts. Regelmäßig werden mir beim Essen Eiswürfel für mein Wasser angeboten – Kein Scherz! Und Lalo trinkt sein Wasser am Essenstisch nur aus einem Glas, welches aus dem Eisfach kommt und bis zur Hälfte mit Eis gefüllt ist.

Über das „warme“ Wetter freuen sich auch die vielen Straßenhunde, die ihren dicken Pelz jetzt in den ersten zaghaften Sonnenstrahlen wärmen können. Wilde Hunde gibt es hier sehr viele, allein auf meinem Schulweg gehe ich täglich an fünf Stück (einer davon ist oben im Bild zu sehen: So liegt er da den ganzen Tag) vorbei und mittlerweile erkenne ich sie wieder. Anfangs dachte ich „Oh, die armen Hunde wurden ausgesetzt und sind jetzt ganz alleine.“ Ganz Unrecht hatte ich da nicht, doch ausgesetzt wurden nur einige. Über die Jahre haben sie sich allerdings sehr fleißig vermehrt und so wurden viele von ihnen auf der Straße geboren und sind kein anderes Leben gewohnt. Der viele Abfall am Straßenrand und Hie und da ein totes Tier oder ein verschiedener Artgenosse machen das Leben möglich. Doch: Die Hunde sind ein Problem, es sind einfach zu viele. Die Menschen in Punta Arenas forderten die Stadt auf, etwas gegen die vielen Straßenhunde zu unternehmen und so fing die Stadt an, die Hunde umzubringen. Jetzt meldeten sich die Tierschützer zu Wort und demonstrierten und so wurden keine Hunde mehr umgebracht. Ein Problem, ein Konflikt, aber keine Lösung.
So leben also die vielen Hunde auf der Straße und manchmal hätte ich ein kleines Fellknäul, dass sich vor der Tür des Supermarkts zusammengekauert hat, am liebsten mit nach Hause genommen. Nein, am liebsten hätte ich sie alle mit nach Hause genommen, doch leider sind diese Hunde nicht unbedingt immer Schoßhündchen. Hunde sind Rudeltiere und nachts in einer dunklen Straße von einem Rudel Hunde bedroht zu werden ist eine Erfahrung, die ich nicht machen möchte.

Wer sich Bilder von Punta Arenas im Internet ansieht, stellt fest, dass die Dächer alle unterschiedliche Farben haben. Doch nicht nur die Dächer, auch die Häuser selbst sind bunt. Grüne, blaue, gelbe Häuser, aber auch rosa oder eine gewagte gelb - Blau - Mischung habe ich schon gesehen. Etwas weiteres ungewöhnliches ist das Material, aus dem sie gearbeitet sind. Ich hätte Stein erwartet, so als guter, solider Schutz gegen Kälte und Wind, doch die Häuser sind aus Plastik. Nicht komplett aus Plastik, nur die Fassade. Was in den Wänden ist, wissen die Chilenen, die ich gefragt habe, auch nicht, doch es ist weder Holz noch Stein, wohl eine Art Holzimitat. Die Häuserpreise in Punta Arenas sind die höchsten in ganz Chile und so sind nur die Häuser der ganz Reichen sind aus Stein. Die Plastikhäuser sind hier etwas ganz normales und in keinster Weise ungewöhnlich, und dass das fremd für mich ist, konnte meine Familie gar nicht verstehen.
In Chile gibt es keine Arbeitslosenversicherung. Wer keine Arbeit hat, hat keine Arbeit. Deshalb gibt es hier viel mehr kleine Jobs als in Deutschland, denn ein bisschen Geld ist immer noch besser als gar kein Geld und so wird dir beim Einkaufen alles von einer Arbeitskraft eingetütet, es gibt sehr viele Beratende Verkäufer und an jedem Ladeneingang in der Mall steht eine Person, die dir Klebestreifen um die Tütenhenkel klebt, damit darin keine Produkte verschwinden können, ohne vorher bezahlt worden zu sein.
Auch fällt auf, dass die Chilenen gerne Nummern ziehen. Man kann sich nicht einfach an eine Kasse anstellen, um zu bezahlen. Man muss eine Nummer ziehen und warten, bis man dran ist. Warum auch immer. Dieses Nummernsystem gibt es auch in der Apotheke. Überhaupt sieht die Apotheke eher aus wie ein Drogeriemarkt, denn dort kann man eigentlich alles kaufen: Shampoo, Schokolade, Trinken, Bodylotion, Babyklamotten... und, ja, auch Medikamente.

Letztes Wochenende war eine Galaveranstaltung der Schule mit Glamour, Glitzer und jeder Menge Haarspray. Dafür brauchte ich natürlich ein Ballkleid- juchee. Also auf in die Stadt und Kleider shoppen. Am liebsten wäre ich einfach ungeschminkt und in meiner Hippiehose hingegangen, doch dafür wäre ich glaube ich gesteinigt worden. Also - Kleid, Täschchen, Lächeln und bloß nicht zu stark einatmen. Die Mädchen hier blühen richtig auf auf diesem Ball und es ist nicht unüblich, sich für diesen Anlass von einem Frisör die Haare stylen zu lassen. Doch das brauchte ich nun wirklich nicht. „Meine Haare sind hier eh schon besonders genug“, dachte ich und so habe ich mich mit einer Freundin in der Stadt getroffen, während meine Gastschwester regungslos auf einem Frisörstuhl sitzen musste. Und ich glaube, es ist nicht schwer zu erraten, wer mehr Spaß hatte. Was die Haare angeht, so hatte ich richtig gemutmaßt. Ich war der einzige Mensch auf dieser Party dessen Haare nicht Kohlrabenschwarz waren und war in keiner Sekunde unbeobachtet. Ein Vorteil dieses unverkennbaren Körpermerkmals: in der Disco konnte ich nicht verloren gehen. Egal wie voll es war, meine Haare stachen aus der Masse heraus. Ein Suchscheinwerfer hätte den selben Effekt gehabt.
Momentan hat unsere Schule eine Geburtstagswoche. Nein, Nicht ein Festtag, die nehmen gleich eine ganze Woche. Vormittags Unterricht, nachmittags feiern. Die Schule wurde in drei „Alianzas“ unterteilt: Azul (blau) , Rocho (Rot) und Amarilla (Gelb). Meine Klasse war im gelben Team und so mussten alle nachmittags gelb gekleidet erscheinen und alle waren im Gelb- Wahn. Ich habe keinen gelben Pulli, auch keine gelbe Hose, aber sie meinten, das ist Okay. Wegen meinen Haaren.
Die Teams sind in allen möglichen Disziplinen gegeneinander angetreten: Tanzen, Völkerball, Eierlauf, Staffeln, Sackhüpfen, „Pyjama- Fußball“. Diese Art von Fußball ist sehr lustig anzuschauen, da die Spieler nur zugelassen sind, wenn sie Schlafanzug und Hausschuhe tragen und die Hallenböden sind sehr rutschig, so ist die größte Herausforderung, koordiniert zu rennen - und zu bremsen.
Wer gewonnen hat, weiß ich noch nicht, da es morgen (Anm. der Redaktion: bzw. zum Zeitpunkt als der Artikel bei uns eingetroffen ist) noch mehr Wettkämpfe gibt aber ich fiebre natürlich mit meinem Team. Amarilla, Amarillaaa!
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