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Leute & Leben

Innerdeutsche Völkerverständigung - einmal quer durch Deutschland

Mann und Frau, zwei verschiedene Bundesländer und über 600 Kilometer Entfernung. Obwohl man die gleiche Sprache spricht, kann man sich überhaupt nicht verstehen. Über zwei unterschiedliche Dialekte, die für den anderen wie eine fremde Sprache klingen.

 
 

"Schatz, kannst du mir mal den Butter geben?" - "Das heißt DIE Butter!" Dass zwischen Bayern und Preußen schon immer gewissen Differenzen bestanden, ist ja bekannt. Allerdings nicht nur, was die Mentalität und die Größe der Biergläser angeht - man muss es einfach mal so sagen, wie es ist: Wenn es um die bayrische Maß geht, machen "die aus dem Norden" große Augen.
Interessanter wirds, wenn in einer Beziehung nicht nur zwei Welten zwischen Frau und Mann aufeinanderprallen, sondern auch noch zwei völlig verschiedene Kulturkreise mit zwei völlig verschiedenen Dialekten.
Thomas Mann hat das bei den Budenbrooks auch schon festgestellt. - Die Beziehung zwischen Alois Permandeder und Tony Budenbrook scheiterte erfolgreich. „Geh' zum Deifi, Saulud'r dreckats!" versteht man eben nicht deutschlandweit.

Wollen wir aber mal den Teufel nicht an die Wand malen. Ist der Rheinländer mit der Oberbayerin zu Gange, kann das durchaus zur nationalen Völkerverständigung beitragen:
Ein typischer Morgen des Päärchens beginnt mit einem guten-Morgen-Kuss des "Spatzerls". Möchte man dannach seiner Traumfrau bzw. seinem Traummann das Frühstück anrichten, müssen erst einmal die passenden Gebäckstücke her. Spätestens beim Bäcker kann man jedoch seine Herkunft nicht mehr verschweigen. Denn undenkbar wäre es, im Rhurgebiet "vier Semmeln" zu bestellen. Überhaupt, wenn sind das "Brötchen". Und diese sind auch nicht rund, sondern haben länglich zu sein. Schmecken tun sie aber gleich.
Zum Mittagessen gibt es "Broiler", die anderswo "Brathendl" heißen, nachmittags werden dann "Teilchen" gereicht. "Berliner" bzw. "Krapfen".
Wenn der Schatz des Herzens aber permanent mit Fremdwörter um sich wirft, die doch "keine Sau kennt", führt das zu Streit. "Damischer Depp, blöder" ist dann noch eine der netteren Bezeichnungen, die die Dame von sich gibt. Kein Wunder, wenn daraufhin der Mann "rummoppert" und seine "Holde" als "Flachpfeife" degradiert.

Im Grunde genommen kann man ja froh sein, wenn man sich überhaupt versteht. Denn bei grammatikalischen Finessen, wie "demm Schantall singe Jürdel sing Schnall" "Ich weiß, dat ich nix kennen tu." oder "Einet Tages mach ich ma en Fitsch" versteht man nicht immer gleich aufs Wort.
Daher nichts gegen die Sicherung des Dialekts, doch manchmal ist es doch ganz gut, dass die meisten Menschen nicht im allertiefsten Dialekt sprechen.

 
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