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Leute & Leben

„Ein bisschen Spaß“ oder „Gruppenzwang“? - Meinungen zum Alkoholkonsum Jugendlicher

„Generation Wodka – wie unser Nachwuchs sich die Zukunft mit Alkohol vernebelt“ – so lautet der Titel eines 2011 erschienenen Buches, in dem es um die heutige Jugend und ihre Trinkgewohnheiten geht. Tatsächlich ist der Alkoholkonsum unter Jugendlichen in den vergangenen Jahren stark rückläufig: Wie auf der Seite der Drogenbeauftragten der Bundesregierung nachzulesen ist, greifen nur noch etwa 13 Prozent – also ungefähr jeder Achte – der 12- bis 17-Jährigen regelmäßig zur Flasche. 2004 waren es noch über 21 Prozent, also jeder Fünfte. Die f79-Reporterinnen Melanie Hirt und Sophie Friebe haben sowohl jugendliche Trinker als auch erwachsene Jugendbetreuer und auch Oberkommissar Bernd Binninger, der als Jugendsachbearbeiter bei der Freiburger Polizei arbeitet, zu dem Thema befragt.

 
 

Karl Meyer*, Malterdingen, 15 Jahre, Schüler:
„Ich trinke einmal im Monat, weil es mir Spaß macht und es mir schmeckt. Außerdem trinke ich, wenn ich es angeboten bekomme – es wäre ja unhöflich, wenn ich es ablehnen würde. Meine Eltern wissen zwar, dass ich trinke, gut finden sie es aber nicht. Aber sie sagen, dass es okay ist – solange ich keine Drogen nehme. In der Regel trinke ich Bier, doch zwischendurch greife ich auch schon mal zum Wodka. Einmal war ich ziemlich betrunken und hatte einen Fahrradunfall. Aber deswegen darüber nachgedacht, mit dem Trinken aufzuhören, habe ich noch nicht. Ein bisschen Spaß im Leben muss doch sein!“

Sylvia Müller*, Herbolzheim, 15 Jahre, Schülerin:
„Ich trinke des Öfteren, weil mir Alkohol schmeckt. Meine Eltern wissen darüber Bescheid, aber es ist ihnen egal. Mein Lieblingsdrink ist Wodka mit Papayasaft, aber ich probiere auch gerne neue Variationen aus. Vor einiger Zeit hatte ich, unter Alkoholeinfluss, mit meinem Roller einen Verkehrsunfall. Aber davon lass ich mich nicht abschrecken.“

Max Schulze*, Herbolzheim, 14 Jahre, Schüler:
„Ich habe noch nie daran gedacht, weniger zu trinken oder ganz damit aufzuhören. Mir ist ja auch noch nie etwas unter Alkoholeinfluss passiert, obwohl ich wöchentlich trinke. Meine Eltern wissen darüber Bescheid, dass ich Alkohol trinke und meinen dazu, dass ich nicht zu viel trinken soll.“

 


Melanie Oelschläger, Herbolzheim, 34, Sozialpädagogin:

„Mir fällt auf, dass manche Jugendliche schon in jungen Jahren sehr harten Alkohol konsumieren. Das registriere ich immer wieder, etwa bei der Fastnachtsparty, die an der Schule, wo ich arbeite, jedes Jahr veranstaltet wird. Manche Schüler und Ex-Schüler sind bereits davor schon angetrunken, sodass sie Ärger machen oder auffällig werden. Wenn der Alkoholkonsum maßlos wird oder auch schon, wenn er zum Verbessern der persönlichen Laune benutzt wird, ist er definitiv ein Problem. Unter diesen Umständen herrscht durchaus Suchtpotenzial. Viele, die Alkohol trinken, werden als „cool“ dargestellt. Dadurch ist es für manche schwierig, sich dem Konsum zu entziehen – es herrscht eben ein gewisser Gruppenzwang.“

 


Bernd Binninger, Freiburg, 51 Jahre, Polizeioberkommissar und Jugendsachbearbeiter beim Polizeirevier Freiburg-Nord:
„In den letzten Jahren ist der Alkoholkonsum schon rückläufig. Es gibt insgesamt weniger minderjährige Trinker, dafür sind manche von denen echte Hardcore-Säufer – und die treten heftig in Erscheinung. Wir von der Polizei werden häufig im Rahmen von Straftaten auf Alkoholisierung aufmerksam, aber auch bei Jugendschutzkontrollen, ordnungsstörenden Trinkgelagen und medizinischen Notfällen. Gerade an Fastnacht kommt es häufiger zu Vorfällen, bei denen Alkohol im Spiel ist. Da kann es auch schon mal vorkommen, dass Jugendliche ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Für die minderjährigen Trinker hat das Konsumieren von Alkohol zumindest strafrechtlich keine Konsequenzen. Sie werden lediglich von der Polizei zu ihren Eltern gebracht. Wenn die mit dem Trinkverhalten ihrer Kinder überfordert scheinen, schalten wir aber auch das Jugendamt ein. Jedoch werden diejenigen, die den Minderjährigen Alkohol ausschenken oder besorgen, zu einem Bußgeld verdonnert. Je nach Art des Vorfalls kann dies schon mal bis zu 4000 Euro hoch werden.“

*Namen geändert

 
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