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Leute & Leben

Aids ist nicht Schwul

Schwulen-Pest. Homo-Seuche. Gegen solche Vorurteile setzt die Hamburger Schüler-Stiftung Jugend gegen AIDS auf Provokation: Mit Sprüchen wie „Du knallst die Pussys haufenweise, sie stöhnt und du stirbst leise“, versucht sie sehr drastisch, auf das schwierige Thema HIV aufmerksam zu machen. Seit 2009 lässt die Organisation, die ausschließlich von Jugendlichen geleitet wird, sich jedes Jahr zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember etwas Neues einfallen.Ihre bislang erfolgreichste und sogar preisgekrönte Kampagne war 2011 „Gott sei Dank, Kondome schützen“: In Hamburg wurde eine Marienstatue aufgestellt, die in ihren eigenen Tränen unterging. Jeder Gefällt-mir-Klick auf Facebook ließ Maria eine Träne vergießen. Mit dieser Aktion wollte Jugend gegen AIDS eine Diskussion über das Kondomverbot der katholischen Kirche lostreten. Bis heute hat AIDS mehr als 25 Millionen Menschen getötet, allein 2011 starben 1,7 Millionen daran. Homo- wie Heterosexuelle. Für das f79-Partnermagazin h20 sprachen Melissa und Caroline mit dem Vorstand von Jugend gegen AIDS (JGA) über das Thema.

 
 
h20: Wie ist Jugend gegen Aids (JGA)entstanden?
Vorstand: Daniel // 2008 durch eine Schülerinitiative.Viele SchülerInnen-Vertreter hatten gemerkt, dass zum Welt-Aids-Tag in den Schulen nichts gemacht wurde und Aids auch kein Thema war.Wir haben deshalb eine Schleifenverkaufsaktion gestartet, die über 3000 € einbrachte, die wir dann der Michael Stich Stiftung spendeten. Das Jahr darauf haben wir dann die ganze Aktion noch einmal größer mit mehr Schulen gestartet.Unterstützt von der SchülerInnenkammer Hamburg haben wir 20.000 € gesammelt. Das Geld sollte wieder an die Michael Stich Stiftung gehen. Diese schlug uns aber vor, aufgrund der hohen Summe und des tollen Einsatzes, selber einen Verein zu gründen. So waren die 20.000 € das Startkapital von JGA.
h20: Was macht ihr bei Jugend gegen Aids?
Vorstand: Fridjof //JGA ist ein SchülerInnen-Verein,das bedeutet, dass nur Schüler und Studenten im Verein ehrenamtlich aktiv sind. In der Woche vor dem Welt-Aids-Tag veranstalten wir in vielen Schulen und Einkaufszentren eineAktionswoche, jedes Jahr unter einem anderen Motto, wo Spenden gesammelt werden.Nebenbei laufen das ganze Jahr über verschiedene Projekte, dabei ist die Prävention ein großes Thema.
h20: Was ist eurer Meinung nach wichtig an Jugend gegen Aids?
Vorstand: Fridjof // Dass nur Jugendliche aktiv sind. JGA ist der einzige Verein mit diesem Thema, der ausschließlich von Jugendlichen geleitet wird. Wir fördern nicht nur Aids-Prävention, sondern auch das Engagement der Jugendlichen. Wir bringen das Thema Aids, welches nicht gerne angesprochen wird, wieder in die junge Gesellschaft.Daniel // Wir nehmen das Thema anders wahr, uns geht es nicht nur um den Virus, sondern wir wollen die Jugendlichen zum Nachdenken bringen, ihnen die Ängste und Vorurteile nehmen.
h20: Arbeitet ihr noch mit anderen Organisationen zusammen?
Vorstand: Fridjof // Obwohl es in Deutschland genug zu tun gibt, arbeiten wir mit der afrikanischen Organisation „Steps for Children“ zusammen und helfen dort Kindern, die ihre Eltern durch Aids verloren haben.
h20: Warum engagiert ihr euch gerade bei Jugend gegen Aids, was war der ausschlaggebende Punkt?
Vorstand: Lukas // Bei JGA kann man seine Kreativität ausleben, man kann Verantwortung übernehmen und die Aktionen aktiv mitgestalten. Man lernt viele neue Menschen mit vielen verschiedenen Meinungen und Charakteren kennen.Fridjof // Bei JGA ist es nicht wichtig, wie alt du bist oder wo du herkommst, du kannst dich immer engagieren und dich für eine aufgeklärtere,tolerantere Gesellschaft einsetzen.Daniel // Es ist toll, viele verschiedene Menschen kennenzulernen. Es ist immer wieder eine Herausforderung, alle Meinungen unter einen Hut zu bekommen, es motiviert aber umso mehr, die Freude und Begeisterung inden Gesichtern der Jugendlichen zu sehen.
h20: Hattet ihr schon einmal durch JGA Kontakt zu HIV-infizierten Menschen?
Vorstand: Daniel // Ja, es bleibt nicht aus, dass man HIV-infizierte Menschen kennenlernt, wenn man sich mit dem Thema so befasst. Es ist immer eine Erfahrung, einen infizierten MenschenMenschen kennenzulernen und mit ihm über seinenAlltag zu reden. Mein Appell an euch: Es sind Menschen wie wir - behandelt sie auch so!
h20: Warum sollten mehr Jugendliche bei Jugend gegen Aids mitmachen, was ist euer Ziel?
Vorstand: Lukas // Man sieht schnell eigenen Erfolg, durch Mitbestimmung und Mitgestaltung.Wir sind offen für jede Meinung und Ansicht und haben Flair. Der Spaß kommt bei uns natürlich nicht zu kurz und je mehr Leute wir sind, umso spaßiger werden die erreichten Ziele.
h20: Was ist 2013 geplant?
Vorstand: Daniel // Dieses Jahr wird das beste, oberhammertollste Jahr in der Geschichte von JGA. Wir haben die Chance, mit mehr Aktiven noch intensiver auf das Thema HIV/Aids und auch auf uns durch tolle Aktionen aufmerksam zu machen. Ich freue mich riesig auf das kommende Jahr.
h20: Wollt ihr den Jugendlichen noch etwas mitteilen?
Vorstand: Daniel // Macht euch Gedanken darüber, was ihr mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr riskiert. Ihr gefährdet euer und das Leben anderer, eure Zukunft, die Zukunft eurer Kinder. Respektiert, toleriert und akzeptiert Unterschiedlichkeiten von uns allen. SCHÜTZT EUCH!!!
 

INFOs zu AIDS

Lukas,Friedjof,Daniel

Als Anfang der 80er Jahre in den USA reihenweise Homosexuelle an einer mysteriösen Krankheit erkrankten, wurde die Krankheit schnell als Schwulen-Pest abgestempelt, aber auch verharmlost. Heute weiß man: Keine Ansteckungsgefahr besteht bei Küssen, Kuscheln, Umarmen, Hände schütteln, zusammen aus einem Glas trinken, das Bad teilen. Alles kein Problem. Auch durch Husten oder Insektenstiche droht keine Gefahr. Übertragen werden die tödlichen HIV-Viren durch: Blut, ungeschützten Geschlechtsverkehr (auch oral und anal), Sperma, Vaginalsekret, Muttermilch, mehrfache Benutzung einer Spritze.

 

Dank Kondome Schützen

Preisgekrönte Kampagne und bislang einzigartiges Mahnmal: JGA ließ in Hamburg 2011 eine Statue der heiligen Maria in einer Glassäule ausstellen. Im katholischen Glauben steht die Maria für Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Werte, die nach Ansicht des Vereins im Gegensatz zur Ablehnung von Kondomen als Schutzmaßnahme vor HIV/ AIDS stehen. Für jeden „Klick“ auf den Facebook „Gefällt mir“- Button der JGA Seite vergoss die Marienstatue eine Träne.

Die Kreation aller Kampa gnen von Jugend gegen Aids stammt aus der Agentur deepblue networks AG

 

Jugend gegen Aids


 

Jugend gegen Aids: Da bei sein ist alles ... www.jugend-gegen-aids.de/home, kontakt@jugend-gegen-aids.de

spezielle Fragen: lukas.papageorgiou@jugendgegen-aids.de, katja.reimann@jugend-gegen-aids.de

Aktuelles Projekt: Peer Mit dem Projekt „Positive Schule“ geht Jugend gegen Aids an die Schulen. Noch in diesem Jahr werden SchülerInnen ausgebildet, um Altersgenossen auf Augenhöhe aufzuklären.
Das Pilotprojekt startet zuerst mit Jugendlichen aus Hamburg, Berlin und Husum. Später werden die Jungs und Mädels auch im ganzen Land unterwegs sein und Wissen über HIV/ AIDS, Verhütung und Sexualität an die Schulen bringen.


Wenn Ihr Lust habt, auch ein „Peer“ zu werden, dann meldet euch einfach bei: kontakt@jugendgegen-aids.de oder direkt bei Martin Wandrey, der das Projekt koordiniert: martin. wandrey@jugendgegen- aids.de

 
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