Drucken

Leute & Leben

An Gott glauben: Thema? oder Tabu?

Rückblende ins Jahr 2012: Ein Funke genügte damals. Der Protest gegen das so genannte Mohammed-Video endete in Randalen, Chaos und Gewalt auf den Straßen. In Wut, Blut, Tod. Der Glaube ist in vielen Ländern, vor allem im arabischen Raum, eine ernste Sache und für manche sogar immer noch eine Frage von Leben und Tod. Und hier? Spielt Religion in unserem Land überhaupt noch eine Rolle? In Ostdeutschland glauben Jugendliche sogut wie gar nicht mehr an Gott. Im Westen steht zumindest ca. jeweils ein Drittel der katholischen oder evangelischen Kirche positiv gegenüber. Aber: Unter Teenagern mit sogenanntem Migrationshintergrund wird der Glaube immer wichtiger.* Die Reporterinnen Maresa, Merve und Lalissa vom f79-Partnermagazin h20 haben sich auf den Weg gemacht, um mit muslimischen und christlichen Jugendlichen, einer Jugend-Hocar und einem Vikar über ihren Glauben zu sprechen. Erstaunlich, wie viele Gemeinsamkeiten zu Tage traten.

 
 

 

Islamische Gemeinde Veddel:


h20 // Wie lange gehören Sie dem Islam an?
Sahra Yüksek (39 Jahre alt) // Seit meiner Geburt gehört der Islam zu meiner Persönlichkeit, ich *Shell-Jugendstudie 2010 bin so von meinen Eltern und meiner Familie aufgezogen worden. Mit 17 Jahren habe ich angefangen, als Jugend-Hocar in der Türkei Jugendliche zu unterrichten. Ich bin nun seit
22 Jahren Hocar und liebe meinen Beruf.

Was macht eine Jugend-Hocar?
Eine Jugend-Hocar ist eine Gelehrte oder ein Gelehrter. Die Frauen unterrichten die Mädchen und die männlichen Hocar die Jungs in islamischer Religion und wie sie intensiver an Gott glauben, indem sie ihnen die Bedeutung vom Koran beibringen.

Wo unterrichtet eine Jugend-Hocar die Jugendlichen?
In der Moschee. Dabei ist es wichtig, dass die Mädchen und Jungen in der Moschee in getrennten Räumen beten. Zum Beten müssen die Mädchen ein Kopftuch tragen.

Was bedeutet Ihnen Ihr Glaube?
Sahra Y. // Mein Glaube bedeutet mir Freiheit, diemich durch schwierige und gute Zeiten führt.
Serrin B. (15-jährige Muslimin) // Der Glaubezeigt mir, wie ich richtig leben soll und bewahrtmich vor falschen Entscheidungen.Wie viele Jugendliche sind in Ihrer Gemeinde?
Sahra Y. // In unserer Gemeinde sind ca.150bis 200 Mitglieder, davon sind 75 Jugendliche.Die Gemeindezahl wächst jedes Jahr um5 %. Dadurch, dass mehr Angebote da sind und die Jugendlichen freiwillig in die Moschee gehen dürfen - im Gegensatz zu früher.


Wie fühlen Sie sich als Muslimin in Hamburg?
Sahra Y. // Ich fühle mich ganz normal, in Deutschland habe ich viele Chancen bekommen, meine Religion auszuleben.

Wie reagieren andere Menschen auf deine / Ihre Religion und aufs Kopftuch?
Serrin B. // Im ersten Augenblick, wenn mich fremde Menschen sehen, schauen sie weg oder ignorieren mich, aber nach einiger Zeit merken sie dass ich eine ganz gewöhnliche, nette Person bin.
Sahra Y. // Im ersten Moment sind sie mir gegenüber skeptisch oder gar unfreundlich. Wenn man aber auf die Menschen zugeht, öffnen sie sich meistens, indem sie freundlicher werden.


Wie stehst du zu dem Mohammed-Video „Die Unschuld der Muslime“, das für so viel Unruhe sorgte?

Serrin B. // Die haben unseren Propheten beleidigt und beschmutzt, aber ich weiß, dass das alles nicht wahr ist und derjenige, der den Film gedreht hat, kein reines Herz hat.


Warum bist du nicht so wütend wie ein Teil der Muslime?

Serrin B. // Das Video dient eigentlich nur der Provokation, weil unser Prophet Mohammed schlecht dargestellt wird. Die Muslime sollten sich nicht davon so beeinflussen lassen, wie z.B. in einigen arabischen Ländern, wo sie angefangen haben, zu randalieren.
So sollte man das Problem nicht lösen, weil der Filmemacher so eine Reaktion provozieren wollte.

Ortswechsel:
Christengemeinde Elim


20 // Wie lange gehörst du / gehören Sie zur christlichen Religion?
Alberta Boateng (19-jährige Christin) // Ich bin in einem christlichen Haus groß geworden und wurde auch so erzogen, das heißt, ich habe
das schon von Kind an mitbekommen und habe mich jetzt auch schon in den Jahren darin verfestigt. Ich habe sogar eine Teenie-Gruppe
zwei Jahre lang bis zur Konfirmation betreut.

Martin Koontz (24 Jahre), Vikar (werdender Pastor) // Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, aber seit ich 13 bin, beschäftige ich mich intensiver mit meinem Glauben. Das hat in meiner Schulzeit angefangen, da bin ich einem christlichen Schülerkreis und den Pfadfindern beigetreten.


Wie haben die Mitschüler auf Ihre „Entwicklung“ reagiert?
Martin K. // Ich wurde zwar ab und zu geärgert oder auch mal Jesus auf den Fluren der Schule genannt, aber das hat mir nichts ausgemacht,
weil ich zu meinem Glauben stand und meine Freunde meinen Glauben alle okay fanden.


Was bedeutet Ihnen / dir dein Glaube?

Alberta B. // Für mich ist mein Glaube ein festes Fundament für mein Leben, das heißt, ich richte mein Leben nach meinem Glauben. Mein Glaube bedeute für mich, frei zu sein und mein Leben mit Gott zu leben.
Martin K. // Mein Glaube bedeutet mir sehr viel, weil ich nicht mehr ohne Gott leben möchte.


Wie viele Jugendliche sind in Ihrer Gemeinde?
Martin K. // Wir haben ca. 200 Jugendliche und 1000 erwachsene Gottesdienstbesucher.
Die Gemeinde hat sich erweitert. Ich selbst arbeite in der Kinderkirche bei den 6- bis12- Jährigen und da sind wir dieses Jahr von 90 Kindern auf 120 Kinder gewachsen.


 
Kommentar(e) (0)
 

Kalender

August 2017:

Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31
 

Schlagwörter