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Leute & Leben

Herzen retten: Elias und das kleine Wunder

Der Freiburger Verein „Kinderherzen retten“ ermöglicht herzkranken Kindern aus armen Ländern eine lebensrettende Operation in Freiburg. Einer der kleinen Patienten ist Elias aus El Salvador. Eine ehrenamtliche Helferin begleitet ihn bei seinem Abenteuer.

 
 

Elias ist acht Monate alt. Seine dunklen Augen huschen unruhig umher. Ängstlich schmiegt er sich an seine Mutter, die ihn mit müdem Blick betrachtet. Als Shifra Ardelt (45) das Zimmer der Uniklinik Freiburg betritt, stiehlt sich ein kleines Lächeln auf das Gesicht von Elias’ Mutter. „Hey ihr beiden, ich hab’ Kekse mitgebracht!“, ruft Ardelt fröhlich. Dann nimmt sie den kleinen Elias auf den Arm. Seit seiner Geburt leidet er an einem komplexen Herzfehler.


Angeborene Herzfehler zählen zu den häufigsten Fehlbildungen im Säuglingsalter. Jedes hundertste Baby ist davon betroffen. Wenn es nicht umgehend behandelt wird, endet die Krankheit oft tödlich. Eine medizinische Versorgung angeborener Herzerkrankungen ist in vielen armen Ländern nicht möglich. So auch in Elias' Heimat, dem zentralamerikanischen El Salvador. Um Kindern wie Elias die lebensrettende Operation zu ermöglichen, haben 2002 Freiburger Ärzte das Projekt „Kinderherzen retten“ ins Leben gerufen. Seitdem konnten mehr als 190 Kinder erfolgreich behandelt werden, berichtet Brigitte Stiller, Chefärztin der pädiatrischen Kardiologie an der Uniklinik Freiburg.


Bei ihrer Ankunft in Freiburg werden die Mütter und jungen Patienten in Gastfamilien aufgenommen. Etwa 15 Ehrenamtliche sind für den Verein im Einsatz. Eine davon ist Shifra Ardelt, die sich seit zwei Jahren bei dem Projekt einbringt. „Wenn die Kinder hier ankommen, sind sie oft sehr aufgeregt. Alles ist so neu und modern, ganz anders als bei ihnen zu Hause“, erzählt Ardelt. Sie spielt mit den Patienten und unternimmt Ausflüge. „Viele haben zum Beispiel noch nie ein Auto gesehen oder wissen nicht, was eine Ampel ist.“ Warum sie sich freiwillig engagiert? „Es ist ein tolles Gefühl, für andere da zu sein und sie unterstützen zu können.“ Außerdem bekomme sie dadurch viel von der Situation im jeweiligen Land mit: „Es ist unglaublich, wie arm manche Menschen sind. Viele der Patienten leben in Lehmhütten, haben weder Strom noch fließendes Wasser.“


Solche Probleme kennt Rafael
Ayala gut. Der Herzchirurg an der Uniklinik Freiburg ist vor einem Jahr aus El Salvador nach Deutschland gekommen, wo er sich für „Kinderherzen retten“ engagiert. Durch seinen Geburtsort ist er mit vielen Patienten des Vereins und deren Eltern sehr verbunden: „Es tut ihnen gut, wenn sie jemanden treffen, der ihre Sprache spricht und aus ihrer Heimat kommt. Es schenkt ihnen ein wenig Sicherheit.“ Später möchte Ayala wieder zurück nach El Salvador, um dort seine eigene Praxis zu eröffnen.


„Kinderherzen retten“ bekommt täglich hunderte
Anfragen, beispielsweise aus Afghanistan, Syrien oder El Salvador. Diese werden sorgfältig geprüft, betonen die Verantwortlichen. „Leider müssen viele Absagen erteilt werden“, sagt Stiller. Sieben bis zehn Kindern pro Jahr kann der Verein helfen.
Bis zur Behandlung kommen viele Fragen auf: Wer begleitet das Kind nach Deutschland? Wo wird es wohnen? Was passiert überhaupt vor Ort? Oftmals werden zwei Kinder aus einem Land ausgewählt, damit die Eltern – fast immer Mütter, die andere Kinder und Familienmitglieder alleine zu Hause zurücklassen müssen, auf ihrer emotionalen Reise einen Gleichgesinnten haben.


So ist es auch bei Elias
. Mit seiner Mutter kam er vor drei Wochen nach Deutschland. Normalerweise hätte das bedeutet, dass er bald wieder nach El Salvador zurückkehren kann. Doch bei der Operation sind einige Komplikationen aufgetreten. „Wann genau wir jetzt nach Hause fahren dürfen, wissen wir nicht. Wahrscheinlich erst in einem Monat“, sagt Elias' Mutter Beatriz. Nichtsdestotrotz ist sie „Kinderherzen retten“ unendlich dankbar. „Ich habe auf ein Wunder gehofft und es ist eingetreten. Das ist alles was zählt.“

Im Netz

www.kinderherzen-retten.de

 
 

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