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Leute & Leben

Giftige Mode: Expertin warnt, Freiburger kaufen

Wo wird unsere Kleidung produziert? Welche Risiken gibt es beim Kleidungskauf? Ist Fairtrade-Kleidung eine Alternative? Diesen Fragen sind die f79-Autorinnen Ylva Jasky und Sophia Hohlbaum nachgegangen. Sie haben Maike Brabenec vom Freiburger Institut für Umweltchemie befragt und sich in der Freiburger Innenstadt bei Passanten umgehört: Worauf achten die Freiburger beim Klamottenkaufn und wo shoppen sie?

 
 

Expertin: Mit der Nase kaufen

Viele Textilhersteller produzieren ihre Kleidung in Bangladesch, Pakistan und anderen Entwicklungsländern. Die oft unterbezahlten Arbeiterinnen sind meist minderjährig und arbeiten in Fabriken unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen. „Die Farbstoffe, mit denen die Textilien eingefärbt oder behandelt werden, enthalten nachweislich oft nachhaltig schädliche Chemikalien wie Azofarbstoffe, Weichmacher, Schwermetalle und Pestizide“, erklärt Umweltex-pertin Maike Brabenec (großes Bild). „Dies hat auch direkte Auswirkungen auf die Umwelt“, sagt sie. Die Textilarbeiter, unsere Gesundheit, Fauna und Flora leiden unter den Chemikalien, die Natur könne diese schlecht bis gar nicht abbauen.

Beim Menschen führen die Färbemittel unter anderem zu Hautausschlägen, Hirn- und Nervenschädigungen, Immunstörungen bis hin zu Krebs und Chlorakne. Brabenec rät, „mit der Nase“ einzukaufen, da viele der Chemikalien stark und oft unangenehm riechen. Neu gekaufte Kleidung sollte man vor dem ersten Tragen auf jeden Fall waschen, da die Giftstoffe sonst mit dem Schweiß aufgenommen werden und somit in den Körper gelangen. Deshalb sei besonders große Achtsamkeit bei Sportkleidung geboten, da in dieser oft schädliche Chemikalien nachgewiesen werden.

Seit 2011 ist Greenpeace mit der „Detox“-Kampagne aktiv, testet Kleidung und Gewässer auf Giftstoffe. Große Modefirmen wie Zara, Adidas und viele andere unterschrieben die Auflagen, in Zukunft giftfrei zu produzieren. Jedoch zeigen die Nachprüfungen nur wenig Erfolge. Vertrauenswürdiger seien Fairtrade-Siegel und Biozertifikatrichtlinien, dort werde streng auf eine nachhaltige und giftfreie Herstellung geprüft, sagt Brabenec. „Man muss dranbleiben, aktiv werden und das Einkaufsverhalten ändern“, fordert die Umweltexpertin. „Je mehr Verbraucher Bescheid wissen, umso größer auch die Nachfrage nach umweltfreundlicher Produktion.“

 

Umfrage: Höchstens Unterwäsche

Sophia und Ylva haben auf der Kaiser-Joseph- Straße in Freiburg Passanten nach ihrer Meinung zu Fairtrade-Kleidung und Mode gefragt. Die f79-Autorinnen zeigten dazu Fotos von Fairtade-Klamotten – und bekamen erstaunliche Antworten.

 

 

 

Diane Vanessa (24), aus Freiburg
„Ich kaufe meine Kleidung bei H&M, New Yorker, Tally Weijl und Co. Über die Herkunft der Mode weiß ich nicht Bescheid, die Fairtrade-Kleidung spricht mich optisch auf jeden Fall an.“

 

 

 

 

 

 

Paul Langenbacher (15), aus Freiburg
„Ich kaufe meine Kleidung hauptsächlich im Internet und bei H&M. Über die Arbeitsbedingungen vieler Marken weiß ich Bescheid, denke beim Kauf aber nicht darüber nach. Wenn das Aussehen stimmt, würde ich mehr Geld für ‚faire Kleidung‘ ausgeben.“

 

 

 

 

 

Gh. Gharon M.D. (47), aus Freiburg
„Ich wünschte, ich könnte beim Kauf von beispielsweise H&M-Kleidung an die armen Menschen denken. Deshalb kaufe ich hauptsächlich teurere Marken und gebe mehr Geld für Kleidung aus, bei deren Produktion die Arbeiter gut behandelt werden.“

 

 

 

 

 

 

Ursula Böhme (65), aus Bad Ems
„Meine Kleidung stammt größtenteils von Marken, die ihre Mode in Europa produzieren, wie Marc Cain. Die Fairtrade-Kleidung wirkt auf mich ältlich, ich würde relativ mehr Geld für ‚faire Mode‘ ausgeben.“

 

 

 

 

Meike Voßmeier (29), aus Bielefeld
„Ich kaufe meine Kleidung nur in Fairtrade- und Secondhand-Läden. Das Thema Kleidungsproduktion beschäftigt mich sehr. Bei H&M kaufe ich höchstens Unterwäsche.“

 
 

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