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Leute & Leben

Die Freiburger "Big-Bang-Theory"-WG

Das Star-Wars Intro „The Imperial March“ wird eingespielt. Hier kommen sie, die Informatiker. Sie sind Klugscheißer, bei Schulsportveranstaltungen immer hinten dran und tragen Fanshirts – so das Klischee. Teils bestätigen das auch die Freiburger Simon, Oliver, Christoph und die 1,0-Abi-Zwillinge Sebastian und Philipp. Nach ihrem Informatik-Abitur wohnen sie zusammen in einer WG in Karlsruhe und haben einen knackigen Durchschnitt von 1,2. Aber statt Star-Wars-, oder Tetris-Melodien hören sie lieber Trailerpark und KIZ.

 
 

Eine 100 Quadratmeter große Altbauwohnung, ohne Türen, was für Männer aber nicht weiter schlimm sei. Nur gegenseitiges Hacken ist verboten – ein bisschen Privatsphäre ist dann doch erwünscht. Freiburg hatte nicht genügend Wohnraum für Superbrains, so dass die Fünf nach Karlsruhe weichen mussten. Die 19- bis 20-jährigen Jungs haben 2015 auf dem Technischen Gymnasium mit dem Profil Informatik ihr Abitur abgeschlossen. Jetzt studieren sie auf dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – na klar – Informatik. Sie waren unabhängig voneinander auf Wohnungssuche, bis Simon ein Angebot für die jetzige Wohnung gefunden hatte. Fünf Nerds, eine WG, alle gute Freunde und zusammen auf einer Universität. Erinnert doch stark an die ProSieben-Kultserie „The Big Bang Theory“.

Die Einrichtung der Wohnung
gleicht der eines großen schwedischen Möbelhauses. Lediglich kleine Merkmale weisen auf den Zimmerbesitzer hin. Simon hat einen riesigen Tisch, der größer ist als Christophs Bett. Sebastians wichtigste Einrichtungsgegenstände sind die Akustik- und E-Gitarren samt Verstärker für die Band mit seinem Bruder. Dieser hat den „wirklich sehenswerten Ausblick zum Nachbarshaus“ – wozu die Jungs sich nicht weiter äußern wollen. Oliver – ungewollt aufgrund seiner Haarfarbe als Penny gehandelt – hat als einziger einen Balkon und stapelweise Bücher über Algebra & Co im Regal. Er studiert neben Informatik zusätzlich Mathematik. Für ihn sah es bei der WG-Einweihungsparty schlecht aus: Wer etwas mit Mathe erwähnte, musste ein Schnäpsle trinken. Das klassische Sofa aus The Big-Bang-Theory befindet sich im Zimmer von Christoph. Auf seiner Kommode steht eine obligatorische Drei-Liter-Bacardiflasche.

 

Big Bang: Sheldon und Amy in der Originalserie von ProSieben.

 

Einen geregelten Ernährungsplan haben die Jungs, im Gegensatz zu Sheldon, nicht. Am Mittag geht es in die Mensa, abends gibt es oft Yufka auf dem gemeinsamen Sofa. Simons Tick sei es, zehn Mal am Tag Müsli zu futtern. Doch es folgt Abwechslung: „Sebastian und Philipp sind unsere Meisterköche. Sie bringen mittlerweile wöchentlich frische Rezepte mit, die sie bei Mama abgeschaut haben“, so Christoph. Im Gegensatz zu ihren Kommilitonen befindet sich bei ihrem Kühlschrank kein Club-Mate. Neben Butter und Fertigpizzen gibt es Schorle, Schnaps und Bier.
Das ist wichtig.

Die Informatikersprache besteht nur aus Einsen und Nullen, so dass die Badner erst bei einem Gläsle Weißwii auch für Minderintelligente verständlich werden. Ähnlich wie bei Kultfigur Rajesh Koothrappali aus der ProSieben-Serie. Der Inder kann erst nach einem Schluck Alkohol mit dem weiblichen Gegenüber sprechen. Die fünf Freiburger haben ebenfalls Frauenprobleme. Bei der Informatikfachschaft der KIT liegt der Mädelsanteil bei gerade mal zwölf Prozent. Das würde sich auch im Alltag wiederspiegeln, meint Sebastian. „ Kennt ihr diesen KIT-Moment, wenn nur vor dem Herrenklo eine Schlange ist?“

Der Alltag der Jungs ist mehr oder weniger geregelt. Morgens um acht Uhr haben sie vier Tage die Woche Mathevorlesungen. „Badplan haben wir keinen, aber die Frühaufsteher haben Verständnis für die Langaufsteher. Irgendwann ist jedoch der Warmwasserboiler leer, dann muss kalt geduscht werden“, sagt Oliver und lacht. Einen Putzdienst gibt es – theoretisch. Am Wochenende fährt der Großteil der WG zurück nach Freiburg, um mit der eigenen Band zu proben und aufzutreten, oder die Freundin zu treffen. Ja, die Nerds machen es gleich der Serie. Nach mehreren Staffeln gibt es auch hier eine Bernadette und Amy Farrah Fowler – die Lebenspartnerinnen der Bewohner aus The Big Bang Theory.


Tatsächlich liegen im Kleiderschrank, der so aufgeräumt aussieht, wie von Sheldon persönlich, Fan-Shirts von Trailerpark. Bei Schulwettkämpfen waren die Informatiker mit ihrer Klasse tatsächlich fast immer Letzter. Klischee somit bestätigt. Etwas unsportlich, ordentlich, aber hochintelligent und super witzig. Wie auf ProSieben, nur ohne Nachbarin Penny – wobei dafür im Januar der Bassist der Faller-Band ins Haus zieht.

 
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