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Leute & Leben

Heimlicher Helfer: Freiburger begleitet Fremde telefonisch nach Hause

Nachts alleine nach Hause zu laufen macht derzeit vielen Angst. Abhilfe schafft das Heimwegtelefon. Donnerstags, freitags und samstags kann man dort anrufen. Freiwillige begleiten einen dann telefonisch nach Hause. Einer davon ist Lars Burmeister. Der 29-jährige Freiburger wurde selbst mal überfallen. Als Pizzabote in Kiel. Mit Pistole und Messer. Jetzt will er anderen helfen, ruhig zu bleiben.

 
 

Seit April ist Lars Burmeister Teil des Berliner Heimwegtelefonteams. Zwei bis drei Mal im Monat setzt er sich nun abends vor den Rechner und nimmt Anrufe entgegen. Aus ganz Deutschland. „Im Sommer ist es donnerstagabends ziemlich still“, sagt Burmeister. Dafür laufe es derzeit Freitag- und Samstagnacht auf Hochtouren.

Seine rund 20 Anrufer bisher waren ausschließlich Frauen: Sie kamen aus der Disko oder von der Arbeit, berichtet der Studienberater. Nimmt er einen Anruf entgegen, checkt er zuerst die Lage: „Ich schaue mir auf Google Maps an, wo sie ist und wo sie hin will“, sagt Burmeister. Passiere etwas, rufe er die Polizei. Das war bisher nicht nötig: „Es schreckt einfach ab, wenn jemand telefoniert“, sagt Burmeister. Der Täter sehe ja, dass jemand das Handy am Ohr hat. Zudem beruhige ein Telefonat den Anrufer.

Seine Anruferinnen sind meist gut gelaunt, erzählt der Helfer. Nur einmal sei es kritisch gewesen. Da hatte er eine Frau am Apparat, die am Waldrand unterwegs war und sich verfolgt fühlte. Drei Männer liefen ihr hinterher, erzählte sie. „Wenn was ist, kann ich sofort die Polizei rufen“, antwortete Burmeister. Und geleitete sie sicher nach Hause.

Die Unsicherheit in Freiburg merkt Burmeister auch selbst. Auf dem Heimweg wechselten Frauen im Dunkeln hin und wieder die Seite, wenn er ihnen entgegenkommt. Jemanden auf dem Heimweg anzurufen findet Burmeister normal. Er habe das schon früher gemacht. Wegen der Sicherheit. Und, um ein bisschen zu quatschen.

 

Heimwegtelefon

Das Heimwegtelefon ist unter der Festnetznummer 030/120 74 182 zu erreichen. Rund 40 ehrenamtliche Mitarbeiter machen mit, die Nummer ist Donnerstag (20 bis 24 Uhr) sowie Freitag, Samstag und vor Feiertagen (22 und 4 Uhr) geschaltet. Pro Nacht rufen 15 bis 20 Hilfesuchende an, sagt Gründerin Frances Berger.

Einen Übergriff habe es während einer Begleitung bisher nicht gegeben. Die Polizei sei dennoch schon gerufen worden: Als ein durchgefrorener Rollstuhlfahrer von Bussen nicht mitgenommen wurde oder als ein Helfer Bedenken hatte, dass die Anruferin sich etwas antut. “Aber am Ende war alles in bester Ordnung”, sagt Berger.

 

 

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