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Leute & Leben

Gefährliche K.O.-Tropfen: Die Geschichte einer furchtbaren Nacht

Ein kurzer Augenblick kann reichen: Wer sein Glas in der Disko oder auf einer Party unbeobachtet stehen lässt, riskiert, dass ihm jemand K.O.-Tropfen reinmischt. Die Erfahrung hat auch m80-Autorin Mona* gemacht. Ein Fremder hatte der heute 29-Jährigen die geschmacksneutralen Tropfen untergemischt. Als sie in seinem Hotelzimmer aufwachte, begann die schlimmste Nacht ihres Lebens.

 
 

Immer wieder habe ich Warnungen über K.O.-Tropfen gehört. Aber ich war mir sicher, dass mir so etwas nie passieren wird.

Bis ich eines Septemberabends mit einer Kollegin in eine Disko gehen wollte. Ich war 25 Jahre alt und vier Wochen zuvor in die Stadt gezogen. Hier hatte ich eine Stelle als Verkäuferin. Leider sagte mir meine Kollegin kurz vorher ab. Da ich sehr kontaktfreudig bin und kaum Leute in der neuen Stadt kannte, beschloss ich, alleine in die Disko zu gehen.

Am späten Abend war die Disko noch relativ leer. Ich bestellte mein erstes Getränk, als mich ein gut aussehender Mann ansprach. Er war so Mitte 30. Wir kamen schnell ins Gespräch. Er erzählte mir, dass er hier ein Haus für sich und seine beiden fünfjährigen Zwillinge suche. Seine Frau sei bei der Geburt gestorben.

Dass er zu dem Zeitpunkt verheiratet und Vater von vier Kindern war, sollte ich erst später herausfinden. Ich bekam schnell Mitleid; während er erzählte, gab er mir ein alkoholisches Getränk nach dem anderen aus. Wir redeten und lachten viel, er wurde mir immer sympathischer. Als ich aufs Klo ging, ließ ich mein volles Glas auf dem Tresen stehen. Als ich wiederkam, erzählte er weiter – ab da weiß ich nicht mehr viel.

Als ich wieder einigermaßen zu Sinnen kam, lag ich im Bett eines Hotelzimmers. Plötzlich war der Mann über mir. Erst da registrierte ich, dass ich nackt war. Ich versuchte ihn von mir herunter zu drücken. Ich strampelte mit den Beinen, aber er warf sich immer wieder mit aller Gewalt auf mich. Das kam mir ewig vor, die Schmerzen im Unterleib wurden stärker. Er wurde aggressiver, ich bekam Todesangst und drohte zu schreien. Er lachte nur: „Das
wird eh keiner hören.“

Aus irgendeinem Grund glaubte ich ihm. Hier komme ich lebend nicht mehr raus, dachte ich mir. Irgendwann schaffte ich es aber, das Bett zu verlassen. Ich flüchtete mit meiner Handtasche auf die Toilette. Ich versuchte meine Kollegin zu erreichen, bei der ging nur die Mailbox ran. Er hämmerte an die Tür, er drohte mit schlimmen Sachen, wenn ich die Polizei anrufe. Ich war zu benommen, um auf die Idee zu kommen.

Ich verließ die Toilette, das Martyrium auf dem Bett begann erneut. Aber auch er war alkoholisiert, schließlich konnte ich mich aus dem Bett rollen. Ich zog schnell Shorts und T-Shirt an. Er versperrte die Tür. Ich bettelte, er forderte 500 Euro – sonst würde er mich umbringen.

Als ich ihn fragte, was er für ein Vater sei, machte er Platz, ich stürmte aus dem Zimmer. Ein Taxifahrer fuhr mich direkt ins Krankenhaus.
Der Täter wurde noch im Hotel gefasst.

Eineinhalb Jahre arbeitete ich weiter in meinem Beruf. Dann brach ich zusammen, kam in die Psychiatrie. Dort blieb ich ein Jahr. Auch danach war ich psychisch nicht stabil genug, um wieder zu arbeiten. Deswegen befinde ich mich jetzt seit knapp zwei Jahren in einer rehabilitativen Einrichtung zur Wiedereingliederung in das alltägliche und berufliche Leben. Momentan geht es mir besser. Aber ich hätte mir nie im Leben vorstellen können, dass eine Nacht mein Leben so verändern kann.

*Name von der Redaktion geändert.

 

 

Tipps: Schütze dich vor dem K.O.

 

Nimm keine offenen Getränke von Fremden an. Lass dein Getränk nicht unbeaufsichtigt. Nimm keine Getränke von Leuten an, deren Weg du nicht vom
Tresen an verfolgt hast. Im Zweifelsfall: Verzichte auf das Getränk. Wenn du mit Freunden ausgehst, passt gegenseitig auf eure Getränke auf.

Achtung, K.O. Tropfen sind farblos und geschmacksneutral. Man sieht und schmeckt sie nicht.

Der beste Schutz ist, nicht allein unterwegs zu sein. Bespreche mit deinen Freunden, dass ihr gemeinsam aufeinander achtet. Geht gemeinsam nach Hause. Sagt Bescheid, wenn jemand von euch früher geht. Hört auf euren Instinkt. Wenn ihr euch in einem Club oder einer Party unwohl fühlt, geht lieber.

Wenn dir plötzlich schwindlig oder schlecht wird, oder du auf einmal enthemmt oder euphorisiert bist, bitte andere um Hilfe. Kümmere dich um deine Freundin, wenn es ihr plötzlich schlecht geht oder ihr schwindlig wird. Lass sie nicht alleine.

Eine Überdosis K.O.-Tropfen kann gefährlich werden: im Mix mit Alkohol, Drogen, oder Medikamenten sogar tödlich.

 

 

 

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