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Leute & Leben

„Nummer gegen Kummer“: Sorgentelefon sucht junge Berater

Nicht immer läuft's rund. Eine Anlaufstelle bei Sorgen junger Menschen ist die „Nummer gegen Kummer" des Deutschen Kinderschutzbunds im Kreisverband Freiburg. Zur Zeit sind 15 Berater im KJT-Team. Das Kinder- und Jugendtelefon in Freiburg sucht nun ehrenamtliche Telefonberater. Leiterin Petra Schempp (48) und Berater Paul Weber (64) erklären im Interview mit Clémence Carayol, was ein Berater alles macht.

 
 

f79 // Frau Schempp (Foto rechts), welche Probleme haben die jungen Anrufer?

Schempp // Wie kann man mit der Pubertät umgehen? Viele haben Gesundheits- oder psychische Probleme wie Essstörungen. Selbstverletzungen und Missbräuche kommen leider auch vor. Beziehungsprobleme, Sexualität oder die erste Liebe sind die größten Themen.

f79 // Wann können Sie helfen, wann können Sie es nicht?

Schempp // Unser Ziel ist Angebote zu machen, so dass die jungen Leute selbst ihre nächsten Schritte gehen können. Man kann von Selbsthilfe sprechen. Manchmal wird ein Junge « Mensch, sag doch, was ich tun solle » denken. Aber wir bieten eine Beratung, eine Rückkopplung an. Sie müssen ihren eigenen Weg finden.

f79 // Wie viele wenden sich an die Hotline?

Schempp // Pro Tag kann man das nicht genau sagen. Aber im Jahr 2016 hatten wir insgesamt 3.128 Anrufe. Es ändert sich viel zwischen den Monaten: Im Sommer erhalten wir mehr Anrufe als sonst.

f79 // Um was geht es bei der Ausbildung zum Telefonberater?

Schempp // Sie gehört zum Standard des Dachverbands. Wir bieten alle zwei Jahre einen Ausbildungsgang an. In einer Gruppe gibt es 12 bis 16 Plätze. Start ist im März. Die Ausbildung dauert vier Samstage. Es gibt außerdem zwölf Montagabendtermine.

f79 // Wie viel Zeit sollte man mitbringen?

Schempp // Für den Telefondienst braucht man zwei Stunden in der Woche. Außerdem sollte man Zeit für die Teilnahme an Supervision und Fortbildung einplanen.

f79 // Was muss man für die Ausbildung mitbringen außer guten Nerven?

Schempp // Ein Interesse an der Lebenswelt der Kinder. Man muss auch offen sein, um Themen wie Sexualität diskutieren zu können. Es bedarf einer guten Kommunikationsfähigkeit und die Stärke, sich von Situationen abzugrenzen. Wir müssen anonym und einzigartig in unserer Beratung bleiben. Man muss Respekt haben, cool bleiben, und die Jungen zum Gespräch einladen. Und Achtung; wenn ich den Hörer auflege, kann ich nichts mehr sagen!

Paul Weber (Foto rechts) ist seit Frühjahr 2014 als Telefonberater im Einsatz. Er ist direkt nach seiner Ausbildung eingestiegen. Der 64-jährige Freiwillige erzählt von seiner Erfahrung bei Nummer gegen Kummer.


f79 // Herr Weber, wie beraten Sie die Anrufer?

Weber // Zuerst muss man sie ernst nehmen. Es gibt manchmal keine direkte Lösung. Ein offenes Ohr anzubieten, ist wichtig. Die Probleme, die die Anrufer haben, sind dieselben wie in unserer Jugend damals.

f79 // Was ist der klassische Fall einer Beratung?

Weber // Oft sind das Beziehungskrisen, sogar schlechte Noten sind oft Ursache eines Anrufs. Aber manchmal ist es schlimmer: Dann geht's um Mobbing in der Schule, sexuelle Belästigung, Selbstmordideen... Wenn es sich um Leib und Leben dreht, muss man die Jungen an eine konkrete Beratung weiterleiten. Es gibt einen Katalog davon bundesweit.

f79 // Was sind die heftigsten Sachen, die Sie zu hören bekommen ?

Weber // Wenn ich das Gefühl habe, ein Übergriff findet statt und dass ich nichts machen kann. Wenn ich fühle, dass die Person am Ende der Linie keine Lust mehr zu leben hat. Glücklicherweise geschieht das nicht oft. Das sind die extremen Fälle.

f79 // Wann können Sie nicht helfen ?

Weber // Ich muss ernsthaft zuhören, keine Vorschriften machen. Den Kindern die Angst zu nehmen, hilft sehr viel. Und die Tatsache, dass das Gespräch anonym bleibt, schafft mehr Freiheit für das Kind. Manchmal rufen sie auch einfach nur an, um zu sprechen. Helfen kann ich immer!

Anruf und Ausbildung

Die Nummer gegen Kummer ist kostenlos und anonym erreichbar unter der Telefon 116111. Die Berater sind von Montag bis Samstag, 14 Uhr bis 20 Uhr, verfügbar. Das Kinder- und Jugendtelefon existiert seit 2008, es wird europaweit als Helpline anerkannt. 

Die Ausbildung für neue Telefonberater startet Anfang März in Freiburg. Mitmachen kann jeder von 16 bis 20 Jahren, der zu den Beratungszeiten mitwirken kann. Weitere Informationen gibt es per Mail an info@kinderschutzbund-freiburg.de. Interessenten können sich direkt an Petra Schempp wenden: KJT-Koordinatorin, Kartäuserstraße 49a, 79102 Freiburg, Telefon: 0761-71311, E-Mail: kommunikation@kinderschutzbund-freiburg.de

Info-Abend: 28. Februar, 18.30 Uhr im Kinderschutzbund, Kartäuserstraße 49a

 

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