Drucken

Leute & Leben

Buch-Tipp: Schüler stellen gewagte Fragen zu Armut

Armut und Reichtum in der Öffentlichkeit anzusprechen, ist ein gewagtes Vorhaben. Jutta Bauer bricht das Schweigen und lässt in ihrem Buch „Armut - Schüler fragen nach“ Gymnasialschüler unverblümt und direkt Fragen an die Reichen und Armen stellen.

 
 

Die Kinder- und Jugendbuchautorin Jutta Bauer gibt mit Hilfe der Illustratorin Katharina J. Haines 2017 das Buch „Armut - Schüler fragen nach“ heraus. Bei dem Frage-Antwort-Format dreht sich alles ums Geld: Was ist eigentlich Armut? Wieso gibt es sie? Wie fühlen sich die Armen?

Die Autorin sammelt direkte und ehrliche Fragen der Schüler des Goethe-Gymnasiums und der Heinrich-Wolgast-Schule in Hamburg. Hauptakteure sind arme und reiche Menschen der Gesellschaft, Politiker, Wissenschaftler, Geistliche und Prominente. Sie stehen den Jugendlichen Rede nud Antwort.

Der erste Teil widmet sich der Armut und deren Definition, Herkunft und Auswirkung. Was bedeutet sie für uns? Wer wird als arm bezeichnet und warum? Was machen Politiker gegen Armut? Gerade solche faktenbezogenen Fragen werden meist von Wirtschaftswissenschaftlern, Politikern oder Sozialarbeitern beantwortet. Philosophischere Antworten sind hingegen von Geistlichen verfasst. Wie kommt es zu Armut? Wie kann sie verhindert werden? Sind Arme selbst schuld?

Dann werden die Reichen gefragt: Sind Sie schon als Kind reich gewesen? Wie fühlt es sich an, reich zu sein? Was denken Sie, wenn Sie Arme sehen? Der letzte Teil befasst sich schließlich mit der anderen Seite. Obdachlose oder Straßenzeitungs-Verkäufer erzählen vom Leben und den Gründen ihrer Misere.

Jutta Bauer versucht die bestmöglichen Antworten auf die Fragen der Jugendlichen zu geben. Dabei wählt sie viele unterschiedliche Perspektiven aus, um einen möglichst großen Einblick zu gewinnen und viele Meinungen aufzuzeigen. Reiche antworten leider mit großer Vorsicht. Die Auswahl ist kaum repräsentativ. Die, die Auskunft geben, sind großzügige Menschen, die sich den bedürftigen Mitmenschen annehmen. Sie sind verständnis- und rücksichtsvoll. So auch der Unternehmer Michael Horbach, der von dem Erlös seiner verkauften Firma in Afghanistan Brunnen bauen lässt.

Der zweite Teil ist jedoch stilistisch ein Bruch. Bei Straßenzeitungs-Verkäufern und armen Menschen wird der Ton rauer, die Antworten sind direkter. Ob Sonny Freunde hat? „Nö! Ich hab keine. Alle sind tot von der Sauferei und Drogen.“ Antworten wie diese scheinen ehrlich und geradehraus zu sein. Man hätte sich mehr davon gewünscht.

Jutta Bauers Buch „Armut“ zeigt lebhaft die Aktualität des Themas in der heutigen Gesellschaft. So leben wir in einer Welt, in der es trotz des materiellen und finanziellen Überflusses, immer noch zu viele arme Menschen gibt. Sie schenkt gerade diesen Menschen ein Gesicht und verleiht ihnen eine Stimme.

 

Mehr dazu

 

 
Kommentar(e) (0)
 

Kalender

May 2018:

Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31
 

Schlagwörter