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FREIeBÜRGER - Wie ein Freiburger Zeitungs-Projekt um sein Überleben und einen guten Ruf kämpft
„Zeitungen verkaufen ist die moderne Art des Bettelns“, erzählt Stefan, der seit sechs Jahren als Verkäufer der Straßenzeitung FREIeBÜRGER ein wenig Geld dazu verdient. Wenig später räumt er allerdings ein, dass es doch ein wenig angesehener ist, als der Versuch, ganz ohne Arbeit an Geld zu kommen: „Die Menschen akzeptieren uns mehr, wenn sie wissen, dass man etwas hat, das man anbieten kann und nicht einfach nur schnorrt.“ Stefan macht die Arbeit Spaß. Er findet, dass man beim Verkaufen viele nette Leute kennen lernt. Aus einer solchen Bekanntschaft hat sich sogar eine Beziehung entwickelt - mit Manuela war er fünf Jahre zusammen.
„Es ist immer schmerzhaft, ignoriert zu werden“, sagt Andreas, der seit vier Jahren die FREIeBÜRGER verkauft, „doch mit der Zeit gewöhnt man sich dran.“ Viele Menschen laufen mit einem herabwürdigen Blick an den Straßenverkäufern vorbei.
Den Machern und Verkäufern der Zeitung ist wichtig, dass sie nicht als asozial angesehen werden. FREIeBÜRGER ist eine professionelle Organisation, bei der jeder Verkäufer einen Verkaufsausweis besitzt und bei der „unanständige Verkäufer“, die während ihrer Arbeitszeit trinken oder Drogennehmen ein langjähriges Verkaufsverbot bekommen. Stefan und Andreas haben beide eine Wohnung und sind somit nicht einmal obdachlos – auch wenn das oft Leute vermuten, wenn sie Verkäufer von Straßenzeitungen an einer Ecke stehen sehen. Beide beziehen Sozialhilfe, und „da man viel Zeit hat“, wie Andreas bezeugt, „kann man sich so ein wenig Geld dazuverdienen.“
Andreas erzählt, dass es in Freiburg trotz vieler ignoranter Personen angenehm ist, die FREIeBÜRGER zu verkaufen: „In anderen Städten wird extra nur eine bestimmte Anzahl Zeitungen gedruckt damit die Verkäufer nicht zu viel einnehmen können.“
In den Sommerferien herrscht ein schlechteres Geschäft, da zu dieser Zeit viele Touristen in Freiburg sind. Andreas erläutert: „Von 500 Touristen kauft vielleicht einer einen FREIeBÜRGER.“
Stefan und Andreas haben beide ein Ziel. Sie nutzen die Zeit um Geld zu sparen, denn beide wollen sich weiterbilden und somit wird wohl noch ein Vorurteil vernichtet: Uninteressiert oder gar dumm sind Menschen, die einmal auf der Straße gelebt haben, nämlich auch nicht. „Viele Menschen die an uns vorbei laufen, während wir Zeitungen verkaufen, sagen vor sich hin, dass wir lieber richtig arbeiten sollten“, erzählt Stefan, „ich denke mir dann nur, dass dies nicht so einfach ist, aber ich arbeite daran, um mich weiterzubilden, um irgendwann richtig arbeiten zu können.“
„Viele Verkäufer haben selten eine Chance etwas anderes zu machen“, bestätigt auch Carina Prillwitz, „sie finden keine Stelle auf dem Arbeitsmarkt oder sind gesundheitlich verhindert. Die Zeitung bietet daher eine Nische für Menschen mit Problemen, die sich schwer integrieren können. Sie haben durch die Zeitung einen Rückhalt und eine Sicherheit. Zudem können sie sich mit der Zeitung inhaltlich identifizieren.“ Carina Prillwitz erzählt auch, dass die Zeitung ein Sprachrohr für die Betroffnen sei, und eine „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Es gibt ungefähr 20 bis 30 Verkäufer in Freiburg und Umland, die durch den Verkauf der Zeitung finanzielle Unterstützung bekommen können und die auf diese Weise eine andere Basis zu ihrer Kundschaft aufbauen können.
Es gibt positive Resonanz: „Viele Stammkunden, Firmen und sogar die Stadt Freiburg sind überzeugt“, erzählt Carina, „doch es können noch mehr werden. Wie gesagt stand FREIeBÜRGER letztes Jahr so gut wie vor dem Aus.“
Carina Prillwitz fragt sich „warum so wenig junge Menschen, Schüler und Studenten den FREIeBÜRGER unterstützen. Ich denke keinesfalls, dass die Jugend von heute nicht politisch interessiert ist, aber sie suchen sich wahrscheinlich ihre Informationen aus dem Internet heraus. Trotzdem können wir nicht verstehen, dass so wenige junge die Zeitung kaufen, da wir über sehr aktuelle und interessante Themen berichten.“ Hiermit appelliert sie an alle, das Projekt zu unterstützen und bei dem nächsten Einkaufsbummel, einfach mal eine Zeitung mitzunehmen. Ganz nach dem Motto: Jeden Tag eine gute Tat.
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