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Musik & Medien

Prinz Pi auf dem ZMF: Melancholie-Festspiele

Viel Nachdenkliches, wenig Rapgehabe: Prinz Pi ist am Donnerstagabend im Zirkuszelt des ZMF aufgetreten. Der Rapper wusste mit ruhigen und schnellen Nummern zu überzeugen. Einmal mehr wurde klar, dass der 36-Jährige andere Werte vermittelt als die meisten seiner Genre-Kollegen. Das Publikum erfuhr unter anderem, dass der Prinz schon mal länger in der Stadt war. Und f79-Autor Anton Moser würde gerne mal ein Bier mit ihm trinken.

 
 

Als Prinz Pi, bürgerlich Friedrich Kautz, auf die Bühne kommt, ist ihm seine intellektuelle Ader kaum anzusehen. Schwarze Ralph-Lauren-Sporthose, graues Polo, rote Schirmmütze. Dazu eine klassische Hornbrille, die seinen Hang zum Hipstertum verdeutlicht. Die Garderobe erinnert mehr an einen Camping-Proll vom Goldstrand in Bulgarien als an den so intelligenten Familienvater. Man soll ja Privates und Geschäftliches trennen.

Prinz Pi bekennt sich direkt zu Beginn zu seiner Verbundenheit gegenüber der Gastgeberstadt. In der Wiehre verbrachte der Herr einst ein paar Monate. Passt wie die Faust aufs Auge. Nachdem er mit dieser Liebesbekundung und Klassikern wie „Kompass ohne Norden“ oder „Du bist“ das Zelt aufheizt, wird es ruhig. Ein Liebessong jagt die nächste Ballade. Für den ein oder anderen Bizepspumper sicherlich etwas zu viel des Guten. Höhepunkt der Melancholie-Festspiele und Gänsehautmoment für viele Fans ist die Erfolgsnummer „Laura“.

„Im Westen nichts Neues“ heißt das neue Prinz-Pi-Album. Er kritisiert darin den westlichen Lebensstil, in dem sich Zufriedenheit nicht selten durch große Häuser, schöne Frauen und neue Autos definiert. Macht das wirklich glücklich? Diese Frage wirft der in Berlin geborene Rapper in den Raum. Ziemlich gesellschaftskritisch und mahnend, geht es im Rap-Genre doch meistens um lila Scheine, Waffen und Drogen.

Manchmal hat man bei seinen Texten das Gefühl, er sei gar kein Rapper, sondern poetisch in anderen Sphären unterwegs. Auf jeden Fall spielt der ehemalige Student und Familienvater in einem separaten Rap-Kosmos, abseits von Haftbefehl und Farid Bang. Zielgruppe Student, so lautet das Vorurteil. Wie viele Studenten auf dem ZMF den Auftritt verfolgen ist der Redaktion nicht bekannt. Weibliche Gäste sind jedenfalls klar in der Überzahl. Und auch die Hipster-Fraktion ist anwesend.

Auf jeden Fall zeigt der Prinz gerne seine gesellschaftskritische Seite. Passend dazu steht auf der Vorderseite des DJ-Pults: „Keine Liebe“, was auch an Amerikas Kapitalisten Nummer eins, Donald Trump, gerichtet ist. An dem lässt Prinz Pi kein gutes Haar: „Ich hoffe, dass mir irgendwann jemand sagt, das ganze mit Trump ist nur ein Witz, der wird kein Präsident.“

Gegen Ende erhöht sich doch noch einmal die Schlagzahl. Man merkt wieder: Eigentlich ist das ja ein Rapkonzert. Dabei sind die Bewegungen von Prinz Pi sehr extrovertiert. Seine Zuckungen machen teils den Anschein, im Schuh des Prinzen sei ein Elektroschocker versteckt, so unharmonisch agieren Arme und Beine. Er springt wie Rumpelstilzchen auf der Bühne umher, das Mikrofonkabel hängt um seinen Hals. Bei die letzten drei Songs heizt sich die Stimmung nach langem Kuschelkurs endlich etwas auf. Leider etwas zu spät.

Prinz Pi ist kein gewöhnlicher Rapper. Weder klebt die Hand im Schritt noch lässt er die Muskeln spielen. Was er auf der Bühne veranstaltet wirkt authentisch. Genau darin liegt sein Geheimnis. Alles, was er von sich gibt, nimmt man ihm ab. In der deutschen Szene keine Selbstverständlichkeit. Friedrich Kautz ist ein Rapper, mit dem man auch mal ein Bier trinken gehen könnte. Vorzugsweise in der Wiehre.

 

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