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Musik & Medien

Freiburger Jungunternehmer schafft Proberäume für 70 Bands

Ein 34-Jähriger schafft, was das Rathaus nicht hinbekommt: Der Freiburger Hobbymusiker Michael Simon findet ungenutzte Flächen, richtet sie als Proberaum her und vermietet sie an Bands. 70 Gruppen kommen mittlerweile in seinen Räumen unter. Jazz- und Rockschulen-Chef Christian Pertschy ist voll des Lobes.

 
 

„Er ist derzeit der Einzige, der in Freiburg für Proberäume wirklich was bewegt“, sagt Pertschy. Michael Simon reagiert bescheiden: „Ich will Kultur fördern.“ Die Notlage vieler Bands kennt er bestens. Vor etwa fünf Jahren flog der Schlagzeuger von „The Rehats“ aus seinem Proberaum am Güterbahnhof. Wie viele andere Gruppen. Im Zuge der Neugestaltung dort wurde vieles abgerissen.

 

Der 34-Jährige hat ein ungewöhnliches Geschäftsmodell entwickelt: Er lebt davon, Proberäume zu vermieten. Tageweise. Etwa 90 Euro zahlen Bands dafür, einen Wochentag in seinen Räumen zu üben. Dafür stellt Simon ihnen eine Anlage, ein Piano und ein Schlagzeug. Etwa 40 Freiburger Bands zocken in seinen Lokalitäten. Vier weitere Proberäume hat er in Konstanz, einen in Karlsruhe. Insgesamt 70 Bands sind Kunden.

 

Simon hat drei Räume im Industriegebiet Nord, einen auf der Haid, einen in der Sundgauallee. „Wenn man sucht, findet man“, so seine Erfahrung. Da kann selbst die Stadtspitze nicht mithalten: „Ich wäre froh, wenn unverhofft etwas um die Ecke kommt“, sagt Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Dem chilli hatte er vor eineinhalb Jahren eine Lösung für Ende 2015 in Aussicht gestellt. Passiert ist nichts. „Meine Zuversicht wurde getrübt“, sagt der Bürgermeister. Das Thema Proberäume will er demnächst im Kulturausschuss ansprechen.

 

Von Kirchbach lobt die Arbeit von Michael Simon. Der promovierte Volkswissenschaftler bietet freie Plätze über die Facebookseite MeinProberaum an. Einer seiner Kunden ist Jens Heuserer. Der 32-jährige Bassist probt mit der Band „Knives in a Gunfight“ im Autohaus Ehret in der Tullastraße 57. Seit mehr als zwei Jahren spielen die vier Musiker montags im Konferenzraum des Toyota-Verkäufers.

 

 

„Der Saal wurde zwar gebaut, aber nie genutzt“, berichtet Heuserer. Fast 50 Quadratmeter groß sei er, sechs oder sieben Bands probten dort abwechselnd. „Das funktioniert ganz gut, man kann auch mal hin- und hertauschen“, sagt der Bassist. Einziges Manko dieser Vereinbarung: Erst ab 17 Uhr darf Krach gemacht werden. Wenn die Autohausmitarbeiter im Feierabend sind.

 

Ein Proberaum ist trotzdem weiter Luxus. „Ich höre von vielen, dass sie Probleme haben“, sagt Heuserer. Er probte einst am Güterbahnhof: „Der Wegfall war tödlich.“ Seine Band habe ein halbes Jahr gesucht. Auch Grischka Brand von der Musikerinitiative Multicore sieht die Lage weiter kritisch: „Es sieht nicht wirklich gut aus.“ Auf seiner Warteliste stehen etwa 50 bis 60 Bands. Zwei bis drei weitere Anfragen bekäme er wöchentlich. Es habe Pläne gegeben, Kellerräume der Stadthalle zu bekommen. Das hat sich aber zerschlagen (siehe chilli-Ausgabe November, Seite 12).

 

Michael Simon möchte sein Angebot ausbauen. Auf dem Real-Parkplatz in Zähringen wollte er eine Halle für neun Proberäume bauen lassen. Ein Investor stand bereit. Doch der Bauträger bekam kein Grundstück. Gleiches gilt für das Ikea-Areal. Nach einer neuen Fläche hält er weiter Ausschau. Der Investor stehe bereit.

 

 

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