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Schule & Projekte

Aktiv bei Greenpeace - Interview mit zwei jungen Aktivistinnen

Lulu und Laura, beide 16 Jahre alt, sind während ihrer Freizeit aktiv bei Greenpeace tätig. Sie wollen damit erreichen, dass die Leute auf viele andere Dinge in ihrer Umgebung aufmerksam werden - egal ob auf Fischsorten, die kurz vor der Ausrottung stehen, oder auf Energiesparen im Haushalt. Beide wollen einfach nur etwas Sinnvolles tun und schrecken dabei auch vor großen Herausforderungen nicht zurück.

 
 

Was macht ihr konkret als Umweltaktivisten?

Lulu: Am Samstag war ich z.B. bei einer Greenpeace-Aktion und habe dort abwechselnd verschiedene Sachen gemacht. Einmal war ich kurz ein Koch mit einer Pfanne voller (Papp-)Fische und Passanten sollten dann die Fischsorten erraten. Wer sie erraten hatte, konnte was gewinnen. Die meiste Zeit habe ich aber versucht, die Leute anzusprechen, ob sie gerne Fisch essen. Dann haben sie einen Fischführer bekommen. Auf dem Fischführer stehen die verschiedenen Fischarten drauf und verschiedene Kategorien. Da gibt es "akzeptabel", "kritisch" bis "katastrophal". Unter "katastrophal" stehen die Sorten, die total überfischt sind und vor der Ausrottung stehen. Am besten ist es dann noch, die "akzeptablen" Fische zu kaufen. Genau! Und darüber habe ich eben versucht, die Leute zu informieren. Wer wollte, hat am Stand dann noch mehr Infos bekommen. Manche waren nicht so interessiert oder haben gesagt, sie müssen gleich wieder weg, aber nehmen gerne einen Fischführer mit. Andere haben wieder gemeint: "Nee mich interessiert das alles nicht". Die Aktion lief eigentlich ganz gut. Irgendwann haben wir dann abgebaut und aufgeräumt.
Laura: Meistens fängt es eigentlich so an, dass wir uns im Aktionsbüro treffen und alles vorbereiten, Infomaterialien bestellen etc. Und an dem Tag, an dem die Aktion dann stattfindet, versammeln wir uns morgens, packen unsern Kram auf einen Kehricht und ziehen in die Stadt. Das ist dann erst mal ein riesen Aufwand, bis man alles sortiert hat. Ja, und ich finde auch, bei den Aktionen gibt es viele Leute, die einfach wegrennen. Die ignorieren einen und sagen, "das kenn' ich schon, das hab' ich schon". Meistens ist es halt doch nicht so; manchmal ist es dann etwas demotivierend. Aber es gibt auch viele Leute, die das sehr interessant finden, zu einem kommen. Das macht Spaß.

Wie lange seid ihr schon dabei und was hält euch bei der Stange?

Lulu: Also ich bin jetzt seit einem Jahr dabei. Ich bin dabei, weil ich denke, dass es wichtig ist, was zu tun. Ich stehe vielleicht nicht ganz hinter der Organisation Greenpeace als solche, aber die Ziele sind die richtigen. Es ist wichtig, die Umwelt zu schützen und die Leute darauf aufmerksam zu machen, dass das für unser Leben wichtig ist und eben kein Zuckerschlecken.
Laura: Ich bin seit zweieinhalb Jahren dabei. Und bei mir ist es eigentlich genauso. Ich finde es halt wichtig, etwas Sinnvolles zu machen, Hauptsache irgendetwas. Und am besten ist es eigentlich, wenn man bei sich zu Hause anfängt. Das ist oft am schwersten. Mit "was machen" meine ich, was für die Umwelt. Mit "zu Hause" zum Beispiel Strom sparen oder darauf zu achten, was man kauft. Dass man zum Beispiel irgendwelche Firmen nicht unterstützt, die genmanipuliertes Soja benutzen, um ihre Kühe zu füttern. Wenn ich dann auch noch andere Leute darauf aufmerksam machen kann, dass man eben auch zu Hause anfangen kann und nicht irgendwie große Sachen machen muss...

Was war bisher eure größte Herausforderung?

Lulu: Eine Herausforderung ist für mich jedes Mal wieder, auf die Leute zuzugehen, obwohl viele einfach vorbeirennen, sagen, sie wollen nichts hören oder denken, dass wir ihre Zeit klauen. Das ist eigentlich jedes Mal wieder eine Überwindung, aber dann geht es wieder auch.
Laura: Für mich war die größte Herausforderung bislang bei einem regionalen Treffen von Greenpeacegruppen als ein Mann kam, der angefangen hat, gegen uns Greenpeaceler rumzubrüllen und rumzuschreien. Er hat alles niedergemacht, hat uns als Hitlerjugend bezeichnet und so Sachen. Es ging um erneuerbare Energien. Und er war dafür, dass man unterirdische Atomkraftwerke bauen soll. Mit solchen Leuten umzugehen, sie irgendwie zu beruhigen, das war hart!

Andere gehen in der Zeit jobben oder treffen sich mit Freunden. Warum engagiert ihr euch ehrenamtlich? Spielt Geld keine Rolle?

Lulu: Ich bin jetzt auch schon ewig bei den Pfadfindern, und für mich ist es gar nicht selbstverständlich, dass man Geld für etwas kriegt. Mir macht es ja auch selber Spaß. Und ich finde, dass es mich auch weiter bringt. Auch bin ich da ja nicht ständig, so dass ich deswegen keine Zeit mehr für meine Freunde oder zum Jobben hätte. Bei Greenpeace treffe ich ja auch wieder nette Leute. Ich fühle mich dadurch überhaupt nicht eingeschränkt.
Laura: Schon als ich klein war, wollte ich unbedingt etwas mit Greenpeace machen. Ich glaube das liegt daran, dass meine Mutter sehr umweltbewusst ist, und ich dann schon immer so'n bisschen so'n Schubs gekriegt habe. Und als ich von den JAGs (Jugendgruppe) erfahren hab, fand ich das eine tolle Gelegenheit. Es macht einfach Spaß, man trifft Freunde und erlebt witzige, spannende Sachen. Da spielt Geld gar keine Rolle.

Glaubt ihr von euren Erfahrungen später bei der Jobsuche profitieren zu können?

Lulu: Ohje, das kommt voll darauf an, was für einen Job ich suche. Ich weiß noch nicht so genau...  Da ich mir schon gut vorstellen kann, in Richtung Umweltschutz zu arbeiten, auf jeden Fall. Allein durch dieses Auf-Leute-Zugehen auf der Straße habe ich da schon wahnsinnig viel gelernt.
Laura: Ich glaube eigentlich schon. Vor allem wenn es ein Job ist, der mit Umwelt zu tun hat. Wir lernen auch ein bisschen, wie man Aktionen organisiert und Presseerklärungen schreibt. Die werden meistens zwar noch an einen Erwachsenen weitergegeben, der es dann an die Presse weiterleitet, aber wir bekommen da schon einiges mit. Ich hab mir schon mal überlegt, nach dem Abi für ein Jahr zu Greenpeace Kanada zu gehen.

Was haltet ihr von einem verpflichtenden sozialen Jahr für alle nach der Schule?

Lulu: Ich denke, das soziale Jahr ist schon eine coole Sache. Es gibt auch ein freiwilliges ökologisches Jahr. Freunde von mir machen das. Aber ich fände es ziemlich bescheuert, wenn es verpflichtend wäre. Das schreckt bloß ab. Es sollte aber mehr publiziert werden, dass man so etwas machen kann, dass klarer gemacht wird, dass das nicht nur was für total alternative Ökos ist, sondern jeden weiter bringt. Ich wollte mein FSJ nach der zehnten Klasse machen, das ging wegen Schule und Eltern nicht, aber ich werde es auf jeden Fall machen. Das weiß ich. Ich hab letztes Jahr etwas gesehen bei einem Hof mit Tieren, zu dem Kinder kommen, die ihre Angst vor Tieren abbauen wollen.
Laura: Also ich finde die Idee vom sozialen Jahr gut. Ich habe zum Beispiel von der Schule aus eine freiwillige soziale Woche gehabt. Man lernt einfach total viele Sachen, auch über andere Menschen. Ich bin dadurch in eine ganz andere Welt gekommen. Ich habe mich um Flüchtlinge gekümmert, und die haben einfach in einer ganz anderen Welt gelebt. Aber, wenn es jetzt verpflichtend wäre, ich glaube, viele würden dann einfach mit so einer "Null-Bock"-Einstellung hingehen, und dann würde es auch nix bringen.

Steckbrief Lulu:

Hobbys: Pfadfinder, Lesen, Jonglieren, Musik
Lieblingsgericht: Salat von Oma, Buchstabensuppe
Beste Band: Manu Chao, Tryo
Fan von: Brauselutscher
Traumberuf: etwas, was mir Zeit zum Leben lässt; Straßenkünstlerin

Steckbrief Laura:

Hobbys: Fotografieren, Theater, Jonglieren, Zeichnen, Lesen, Reiten, Musik, Filmen
Lieblingsgericht: Tomaten-Quiche, Suppen und Semmelknödel von Oma
Beste Band: Clueso, Manu Chao, viele Bands...
Fan von: Schokolade
Traumberuf: noch keine Vorstellung, vielleicht etwas Künstlerische...

 
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