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Schule & Projekte

„Über den Tellerrand hinausblicken“ / KFZ-Azubis starten Austausch mit Israelischen Kollegen

In einer Ausbildung betreten Jugendliche nahezu täglich Neuland. 14 Azubis aus dem handwerklichen Bereich haben das im vergangenen Mai nicht nur im übertragenen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes getan. Sie nahmen an einem neuen Austauschprojekt der Handwerkskammer teil und reisten für drei Wochen nach Israel, wo sie auf dortige Azubis trafen. Wochen später besuchten auch die Israelis Freiburg.

 
 

„Über den Tellerrand hinausblicken.“ Manfred Hug, Serviceleiter bei der Firma Schmolck in Emmendingen, fasst treffend zusammen, um was es in diesem erstmalig ausgeführten Projekt der Handwerkskammer geht. Auszubildenden im handwerklichen Bereich soll etwas geboten werden, das ihnen nicht nur für ihre Arbeit, sondern auch für ihre persönliche Entwicklung neue Impulse liefert. Erleben, wie dieselbe Ausbildung in einem anderen Land aussieht, wo die Unterschiede liegen und wie ihre ausländischen Kollegen so drauf sind. Dazu sollen Impulse zur Weiterentwicklung der Berufsbildung auf unterschiedlichen Ebenen gegeben werden und das Programm will einen Beitrag dazu leisten, dass Israel und Deutschland auch zukünftig vielfältig kooperieren. Daher eröffnet es Fach- und Führungskräften die Möglichkeit, die jeweils fremde Alltagsrealität zu erfahren, das Verständnis füreinander zu vertiefen und fachlich voneinander zu lernen. Das Deutsch-Israelische Programm zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung wird getragen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und dem israelischen Ministerium für Industrie, Handel und Arbeit.

Mit Janine Speier und Dominik Mundinger haben auch zwei Lehrlinge der Firma Schmolck teilgenommen. Die 17- und der 18-Jährige sind jeweils im ersten Lehrjahr zum Kraftfahrzeugsmechatroniker und profitierten davon, dass die eigentlich dafür vorgesehen Azubis aus dem zweiten Lehrjahr aufgrund von Prüfungsterminen die Reise nicht starten konnten. „Für uns war das natürlich eine große Überraschung“, erzählt Janine. „Wir haben uns natürlich gefreut“, fügt Dominik an. So ging von Frankfurt aus der Flieger und dreieinhalb Stunden später waren sie in Tel Aviv. Zur Reisegruppe gehörte auch Leonid Fester, der in bei der Freiburger Firma Ernst & König ebenfalls eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker absolviert. „Ich war super neugierig. Bis dahin kannte ich Israel ja nur aus den Nachrichten. Es hat mich interessiert, wie die Menschen dort leben und arbeiten“, so der 24-Jährige.


In den drei Wochen Aufenthalt sollten neben Land und Leuten vor allem fachliche Eindrücke den Tagesablauf prägen. Theorieunterricht in den Berufsschulen wurde mit praktischen Erfahrungen durch Betriebsbesuche ergänzt. Immer vor Ort: die Sprachbarriere. „Die meisten Israelis konnten kein Englisch sprechen“, erzählt Janine. „Wir haben uns dann immer mit Händen und Füßen unterhalten“, fügt Dominik an. Die zentrale Erkenntnis war auch so zu erkennen: „In Israel wird vor Ort an den Autos mehr repariert als bei uns, wo meistens das Getriebe gleich ausgetauscht oder zurück ins Werk geschickt wird.“ Leonid hatte zuvor andere Vorstellungen und wunderte sich hernach: „Ich bin davon ausgegangen, dass dort alles noch ein bisschen rückständiger ist. Es hat mich dann überrascht, wie gering die Unterschiede tatsächlich sind und wie viele neue Autos dort auf den Straßen unterwegs sind“, so der Freiburger Azubi.

Der Eindruck in Israel, der mit vielen Busfahrten durchs Land gespickt war, hat Eindruck hinterlassen. „Die Gastfreundschaft war extrem. Uns wurden Essen und Trinken beinahe hinterher getragen“, erzählt Leonid. Auch Janine zeigte sich nach den drei Wochen begeistert: „Ich kann solch eine Erfahrung nur jedem Azubi wünschen und empfehlen. Ich würde immer wieder mitmachen. Auch die anfänglichen Sorgen der Eltern waren am Ende unbegründet.“ Leonid pflichtet ihr bei: „Es sollte auch für Auszubildende im Handwerk normal werden, für eine gewisse Zeit ins Ausland gehen zu können.“


Das sieht auch Manfred Hug so. „Mein Eindruck von unseren beiden Auszubildenden nach ihrer Rückkehr war der, dass sie etwas für sich mitgenommen haben und auch persönlich weiter gereift sind“, so der Ausbildungsleiter. In Zukunft möchte die Firma mehr Möglichkeiten zu solch einem internationalen Austausch in die Ausbildung integrieren. Es sei zwar im Vergleich zu einem Studium, bei dem ein Auslandssemester Standard sei nicht so einfach, denn einem Ausbilder fehlt der einzelne Azubi mehr als dem Professor der Student im vollen Hörsaal. „Solch ein Angebot hilft sicherlich auch bei der Anwerbung von zukünftigen Azubis“, so Hug weiter. In diesem Jahr war es vor allem eine Anerkennung der Leistungen der drei (beziehungsweise insgesamt vierzehn) Auszubildenden, von der am Ende alle profitiert haben.

Wenige Wochen später besuchten dann auch israelische Auszubildende aus dem KFZ-Gewerbe Deutschland - genauer gesagt Freiburg. Dr. Ellen Breckwoldt, Mitglied des Stadtparlaments, begrüßte die 15 israelischen Jugendlichen sowie drei Lehrer und eine Dolmetscherin. Für Die Gäste standen auch hier zahlreiche Stationen auf dem Programm: Dazu gehörten praxisnahe Trainingseinheiten an Motorensteuerung und can-Bustechnologie an der Richard Fehrenbach Gewerbeschule und Betriebsbesichtigungen wie etwa auch bei der Firma Schmolck. Ein Seminar und Besichtigungen zum Thema Green City Freiburg und eine Führung durch die Produktion des PSA Konzerns (Peugeot, Citroen) gewährten den israelischen Gästen Einblicke in die wirtschaftlichen und umweltpolitischen Prozesse in Deutschland. Zum kulturellen Programm gehörten eine Exkursion in das französische Nationalmuseum in Mulhouse und - für viele Teilnehmer ein emotionaler Höhepunkt zum Abschluss - der Besuch der jüdischen Gemeinde Freiburg. Ein Grillabend in einem Gewölbe der Hochburg Emmendingen und das Public Viewing zur Fußballeuropameisterschaft rundeten das Programm ab und sorgten so für den Freizeitspaß. Organisiert und betreut hatte den Freiburg-Aufenthalt die Handwerkskammer Freiburg mit tatkräftiger Unterstützung der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule und der KFZ-Innung Freiburg. Kammerpräsident Paul Baier machte in seinem Grußwort deutlich, wie wichtig in Zeiten der Globalisierung und Internationalisierung des Arbeits- und Wirtschaftsleben solche Austausche für die Attraktivität der dualen handwerklichen Ausbildung und die umfassende Kompetenzentwicklung der jungen Menschen sind. „Das Handwerk in der Region wird seine Bemühungen hierfür zukünftig noch verstärken“, so Baier.


 
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