Drucken

Schule & Projekte

Über den Ausfall der Abistreiche an zwei Freiburger Schulen

Schluss mit lustig: Die ersten Schüler beerdigen ihren Abistreich. Auch an zwei Freiburger Schulen, dem Montessori Zentrum Angell und dem Rotteck-Gymnasium, hat es dieses Jahr keinen Abistreich gegeben. Die Schüler sind verärgert über die Einschränkungen. Die Schulleiter sagen: Die Abiturienten sind selbst schuld.

 
 

Ein Trauermarsch an einer Schule in der Nähe von München. Die Schüler des Olchinger Gymnasiums beerdigen den Abistreich in einem schwarzen Sarg. Er war zuvor an ihrer Schule komplett verboten worden. Selbes Szenario in Konstanz, wie der Landesschülerbeirat berichtet. Auch dort beerdigen Abiturienten ihren verbotenen Abistreich. Einzelfälle, könnte man meinen. Falsch: Auch in Freiburg werden Abistreiche seltener.

In diesem Sommer sind zwei Streiche ausgefallen: am Angell und am Rotteck. Schüler wie der Rotteck-Abiturient Mischa Homlicher (18)
 sind verärgert: „Ich bin der Meinung, dass wir uns den Abistreich nach dem vielen Aufwand des Abiturs verdient haben. Es ist schade, dass uns unser Schulleiter da nicht entgegenkommt.“ Dieser sieht die Situation anders: Die Schüler hätten das Gespräch viel zu spät gesucht und seien erst zwei Tage vor der mündlichen Prüfung zu ihm gekommen – obwohl er schon ein Dreivierteljahr vorher mit ihnen gesprochen habe, sagt Eberhard Fugmann.

Seine Abiturienten hätten zwei Tage für den Abistreich vorgeschlagen, die nicht möglich waren. Denn an diesen Tagen seien viele Klassenarbeiten angesetzt gewesen. Zudem seien die Schüler nach ihren Prüfungen offiziell nicht mehr an der Schule und damit „Fremde“. „Wir können die Tage nicht durch einen Abistreich kaputtmachen,“ sagt Fugmann dem f79.

R.I.P.: Am Olchinger Gymnasium in Bayern haben Schüler den Abistreich beerdigt.

Der Schulleiter schlug den Schülern vor, am 24. Juli beim Schulfest eine witzige Aktion zu machen. Das sei abgelehnt worden. Benjamin Wasmer (18) vom Schülerrat Freiburg weiß warum: „Ende Juli ist eh keine Sau mehr da. Die Abiturienten sind da in aller Welt zerstreut.“ Mischa erzählt dem f79 von Gerüchten, dass Fugmann für den Tag des Abistreichs Security angefordert hätte, um eine ungeplante Aktion zu verhindern. Das streitet Fugmann ab: „Ich habe einen Schließdienst, der ist ganz regulär. Den habe ich an einem Sonntag kommen lassen. Von Polizei kann also keine Rede sein, das war eine präventive Maßnahme.“


Auch im Angell Gymnasium war es nach der mündlichen Prüfung ungewöhnlich still. Die Schüler hatten beschlossen, den diesjährigen Abistreich ausfallen zu lassen. „Die Schulleitung hat Restriktionen ohne Ende aufgesetzt“, berichtet Benjamin vom Schülerrat, dem das so berichtet wurde. Jeder Vorschlag der Abiturienten sei abgelehnt worden, der Abistreich hätte ohne Wasser und nur für die fünfte bis siebte Klasse stattfinden dürfen.

Warum aber der komplette Ausfall? Alexander Hochsprung, Schulleiter des Angells, argumentiert wie Fugmann: Der Ausfall liegt an der fehlenden Organisation der Schüler. Es sei keiner wegen des Abistreichs zu ihm gekommen, sagt Hochsprung. Er habe den Abiturienten vorher gewisse Bedingungen mitgeteilt. Würden diese eingehalten, unterstütze die Schulleitung den Abistreich gerne. Den diesjährigen Abi-Jahrgang hält Hochsprung für gut, jedoch schlecht organisiert: „Beim Abiball haben sie die Abizeitung blanko für zehn Euro verkauft, der Abiball war auch schlecht organisiert. Und der Abistreich ist dann einfach hinten runtergefallen.“

Zugekleistert: Dieses Klassenzimmer in Baiersbronn wurde "geschmückt".

An beiden Schulen gelten drei Regeln: kein Wasser, kein Alkohol und kein Farbspray, sagen Fugmann und Hochsprung. Der Angell-Schulleiter ist vor allem gegen Wasserschlachten: „Schulen stehen unter Wasser, kleine Schüler sind nass und frieren – das ist dann auch für die Eltern ein Problem.“ Fugmann begründet die Einschränkungen auch mit der Vermeidung von Sachschäden. „Die Kultur des Feierns ist ok. Ich muss mich aber auch um unseren Ruf in der Nachbarschaft bemühen.“ Diese war im Februar in Aufruhr, als Rotteckschüler auf das Angell-Gelände stürmten und die Polizei gerufen wurde, wie man in der Badischen Zeitung lesen konnte.

Fugmann sagt zu dem Abistreichausfall: „Ich finde es nicht schade, dass es keinen Abistreich gab. Ich werbe dafür, dass die Energie für den Abistreich besser in den Ball investiert wird.“ Auch Hochsprung ist nicht traurig über den Ausfall: „ Ein gut gemachter Abistreich ist etwas Schönes, aber bevor er mit heißen Nadeln gestrickt wird, sollte er lieber ausfallen.“

Rebellische Schüler könnten den Abistreich trotzdem machen. Aber haben sie ein Recht darauf? Nein, sagt die Vorsitzende des Landesschülerbeirats, Johanna Lohrer. „Der Schulleiter genießt auf dem Schulgelände das Hausrecht und hat dementsprechend solche Veranstaltungen zu genehmigen.“ Jedoch sollte der pädagogische Aspekt des Abistreiches nicht unter den Tisch fallen. Der Abistreich sei ein wesentliches Ritual, sagt Lohrer. Deswegen hält sie ein generelles Verbot für falsch. Sie ist der Meinung, dass „stets das Gespräch zwischen Abiturienten und Schulleiter gesucht werden sollte, um einen Konsens zu finden“.

Die Sorgen der Schulleiter sind jedoch nicht unbegründet: Hochsprung verweist auf ein Unglück in Kirchzarten am Vortag eines Abischerzes. Dort fiel 2013 ein Abiturient bei der Vorbereitung des Abistreiches acht Meter durch die Decke der Sporthalle, nachdem ein Oberlicht eingebrochen war. Er kam mit leichten Verletzungen davon. Benjamin Wasmer erzählt von seiner Schulzeit auf dem Kolleg St. Sebastian in Stegen: „Bei uns haben sie beim Abistreich einmal fast eine Ziege mit einem Feuerlöscher umgebracht. Das fand die Schulleitung dann nicht so witzig. Da kam dann auch dreimal die Polizei.“

Ausgelassen: So wild wie hier geht es bei Abischerzen immer seltener zu.

Info

Dieser Artikel ist in der Septemberausgabe des f79 erschienen. Das ganze Heft online lesen könnt ihr hier: f79 September

Ein Interview zum Ausfall der Abistreiche mit der Vorsitzenden des Landesschülerbeirats, Johanna Lohrer, lest ihr hier: Schülerbeirat: Abistreichverbot ist "falsch"

Die f79-Autorin des Jule Fröhlich hat den Artikel kommentiert. Den Beitrag lest ihr hier: Was denkt ihr von uns?

 
Kommentar(e) (0)
 

Kalender

June 2017:

Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat
1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30
 

Schlagwörter