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Schule & Projekte

Klassenarbeit 2.0: Lehrer setzt auf Online

Nächtelange Korrekturen sind der Albtraum vieler Lehrer. Auch den Freiburger Ioannis E. Konstas quälte das. Der Albtraum ist jetzt vorbei: Der 47-jährige Lehrer der Freien Christlichen Schule lässt mittlerweile fast ausschließlich Online-Klassenarbeiten schreiben. Korrigieren muss er fast gar nicht mehr. Seine Schüler sind begeistert. Obwohl Abschreiben fast unmöglich geworden ist.

 
 

Amelia Gumbert sitzt an ihrer Klassenarbeit, fleißig tippt sie auf der Tastatur ihres Macbooks. Zettel und Stift braucht sie nicht, die Klausur schreibt die 17-Jährige online. Ihr Lehrer Ioannis E. Konstas steht hinter ihr. So kann er Amelia und ihren Klassenkameraden der Freien Christlichen Schule (FCS) in Freiburg-Landwasser über die Schulter schauen.

Konstas steht bei Online-Klausuren immer hinten. So sieht der studierte Physiker, was auf den Bildschirmen passiert. Die Schüler beantworten dort Multiple-Choice-Fragen oder tippen Antworten in ein Textfeld. Klassenarbeit 2.0. Ein seltenes Phänomen. Das Kultusministerium kennt keinen Lehrer im Land, der Vergleichbares macht. Auch Konstas nicht.

Der Physiker kam 2011 an die FCS. Er unterrichtet Informatik, Physik, anfangs noch Religion. „Ich musste mich als Quereinsteiger enorm einarbeiten. Ich saß bis um zwei Uhr nachts am Schreibtisch, auch um Arbeiten zu korrigieren“, erinnert er sich. Konstas hatte zudem Schwierigkeiten, die Handschrift der Schüler zu lesen. Er findet: „Korrigieren ist der einzige Nachteil des Lehrerberufs.“ So kam ihm die Idee, Klausuren am Rechner schreiben zu lassen.

Im Netz stieß er auf die US-Software ClassMarker. Ein Programm zum Erstellen benutzerdefinierter Prüfungen. Konstas sagt: „Das ist die ideale Lösung.“

Mit Online-Klausuren spart Konstas viel Zeit. Die Multiple-Choice-Fragen werden vom Computer automatisch ausgewertet. So bekommen die Schüler ihre Note schneller als bisher. Teilweise sogar direkt nach der Klausur. Konstas findet die Online-Prüfungen auch fairer. Denn unleserliche Antworten sind Geschichte: „Alle haben gleiche Chancen.“ Doch Konstas sieht auch Grenzen: „Online-Klassenarbeiten sind kein Allheilmittel.“ In Fächern wie Deutsch passe die Methode weniger.

Klassenarbeit 2.0: Die US-Software Classmarker macht es möglich.

Bei den Schülern der FCS kommen die Online-Arbeiten an. „Ich finde das sehr gut“, sagt Alexander Ratzing. Fast alle im Unterricht besprochenen Themen kämen dran. „Nicht nur einzelne Sachen wie in anderen Fächern.“ Außerdem sei spicken schwieriger. Konstas sehe sofort, wenn jemand eine unerlaubte Seite öffne. Zumal bei jedem Schüler Fragen und Antworten in zufälliger Reihenfolge angezeigt werden.

„Man bekommt meist recht schnell nach Abgabe die Endnote“, sagt die Schülerin Amelia Gumbert. Bei anderen Lehrern dauerten die Korrekturen teilweise Wochen. Doch Gumbert sieht auch einen Nachteil: „Nicht ganz so gut ist, dass man weniger Teilpunkte bekommt.“ Denn in der Regel gebe man keine Notizen ab. So zähle nur das angekreuzte Ergebnis, nicht aber der Rechenweg.

Der Knackpunkt ist eine stabile Internetverbindung. „Wir brauchen deswegen einen Plan B“, sagt Konstas. Die ausgedruckten Klausuren hat er immer in der Tasche. Auch einen Plan C will er demnächst testen: Klausuren schreiben auf dem Smartphone.

 

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Text: Till Neumann / Fotos: © tln, MockaMockups

 
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