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Schule & Projekte

Kirchzartener Regenmacher gewinnt Jugendvideopreis

Simon Schneckenburger (Titelbild, Mitte) hat mit dem Kurzfilm „Den Regen im Blick“ den Hauptpreis des Deutschen Jugendvideopreises 2016 abgeräumt. Mit seinen 25 Jahren fällt der Jungregisseur aus Kirchzarten gerade noch in die Kategorie der 21- bis 25-Jährigen. „Auf den letzten Metern sozusagen“, sagt der Offenburger Student und grinst. Der Streifen wäre beinahe sprichwörtlich ins Wasser gefallen.

 
 

„Erst hab ich das Drehbuch liegen lassen. Einen Film, in dem es nonstop regnet, das ist doch der völlige Wahnsinn“, erzählt Simon Schneckenburger beim f79-Interview. Dann war er vier Wochen mit dem Zelt in Norwegen unterwegs. „Es hat nur geregnet. Da hat’s Klick gemacht“, erinnert er sich.

Sein Film, 28 Minuten lang und schwarz-weiß, begleitet den Anfang 20-jährigen Felix für einen Tag und eine Nacht. Felix lebt in den Tag hinein. Er ist orientierungslos, auf der Suche nach, ja, nach was eigentlich? „Er sucht ein bisschen Selbsterfüllung“, erklärt Simon. „Viele sagen, das steht für meine Generation. Mich nervt das Generationengelaber, jeder kennt solche Phasen.“ Der Jungregisseur will, dass sich möglichst viele Zuschauer in bestimmten Szenen wiederfinden können. „Das ist es doch, was berührt.“ Der Film ist eine melancholische Momentaufnahme. Es wird wenig gesprochen. Nur der Regen plätschert, trommelt, tröpfelt pausenlos und ist Felix treuer Begleiter.

Das hat die Jury überzeugt. Beim dreitägigen Bundes.Festival.Film vom 17. bis 19. Juni hat sie in der Malakoff Passage in Mainz ihre Auswahl verkündet. Simon war mit dabei. Die Jury begründete zuerst ihre Wahl und nannte dann den Titel des Films. Als das Wort „melancholisch“ fiel, wusste Simon Bescheid. „Mein Team und ich hätten nie mit dem 1. Preis gerechnet“, berichtet er. Die Freude war riesengroß.

20 Tage lang haben sie gedreht; nur an einem Tag hat es geregnet. „Das ist Freiburg, außer in diesem Sommer“, meint Simon. Also Gartenschläuche raus und Sprinkleranlage an. In Blumenläden haben sie um Restwasser gebettelt. Ein YouTube-Tutorial hat den Jungs außerdem gezeigt, wie man virtuellen Regen zaubert. „Poplig“, flüstert Simon und weg ist der Zauber.

 

Preisgekrönt: Simon Schneckenburger beim Interview im Café Pow.

 

1.000 Euro bringt der Preis. Das Geld steckt der Regisseur in sein aktuelles Projekt. Simon studiert im 9. Semester „medien. gestaltung und produktion“ (m.pg) an der Hochschule Offenburg. In zwei Wochen dreht er seinen Abschlussfilm – im Heimatort Kirchzarten. Hinter den Kulissen steht dasselbe Team. Mit dem Kameramann und Studienkollegen, Markus Haffner, hat Simon bereits seinen ersten Film auf dem elterlichen Dachboden gedreht: „Die Rückkehr der Kung Fu-Ritter“. Simon lacht: „Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Klamauk zu meinem Beruf werden könnte.“

Sein Abschlussfilm kommt ohne Kung Fu aus, er heißt „Am Tag die Sterne“. Seit Wochen hängt Simon am Telefon, bequatscht Agenturen, schreibt Mails, wirbt um Sponsoren, organisiert Betten für die Schauspieler und Catering für die Crew. „Vor Drehbeginn mache ich nur Orga-Kram.“ Simon kommt in diesen Phasen wenig raus aus seinen vier Wänden. Doch für ihn ist das „der schönste Stress für die schönste Sache“. Sein Traum: nach dem Bachelor in Ludwigsburg oder Wien Filmregie studieren und irgendwann davon leben können. Simon weiß, das Filmbusiness ist brutal. Angst vor der Zukunft? Immer. Aber momentan überwiegen Motivation, Ehrgeiz und Hoffnung.

 

Verträumt: Protagonist Felix hat "Den Regen im Blick". Ausschnitte daraus gibt's hier.

 

Mehr zu Simon Schneckenburger gibt's auf seiner Homepage: simon-schneckenburger.de

 

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