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Schule & Projekte

Kann ich aufs Klo? Was Lehrer nicht dürfen

Du kannst beim Klassenarbeitstermin nicht teilnehmen. Der Lehrer legt den Nachholtermin auf einen Samstag. Darf er das? Eine Antwort darauf gibt das Buch von Thomas Böhm „»Nein, du gehst jetzt nicht aufs Klo!« Was Lehrer dürfen“. Auch Fragen bezüglich Pinkelpausen, Essen im Unterricht und das Wegnehmen des Handys werden beantwortet.

 
 

Ein Lehrer darf einem Schüler grundsätzlich nicht verbieten, aufs Klo zu gehen. Tut er es doch, kann er wegen Nötigung und Körperverletzung angezeigt werden. Es wäre schließlich ein Verstoß gegen die Menschenwürde, informiert das Buch. Allerdings muss sich der Schüler die Erlaubnis des Lehrers einholen, wenn er den Unterricht verlassen möchte. Endet der Unterricht in wenigen Minuten, kann der Lehrer das Aufs-Klo-Gehen verweigern.

Thomas Böhm kennt sich in der Rechtsprechung in Schulen aus. Er ist Dozent für Schulrecht und Rechtskunde in Essen-Werden, Autor und Gründungsherausgeber der Zeitschrift SchulRecht. Sein Buch „Was Lehrer dürfen“ soll Lehrern helfen, auf rechtlicher Grundlage begründen können, was sie dürfen. Denn da ist für Böhm Nachholbedarf: Er bemängelt die fehlende Vermittlung von Rechten in der Lehrerausbildung.

Das Buch ist aber auch für Schüler und Eltern gedacht. Es beschreibt Regeln, die Egoismus, Macht und Willkür begrenzen. So darf ein Lehrer den Nachholtermin einer Klassenarbeit auf einen Samstag legen – auch wenn Wochenende ist. Er darf jedoch einer Schülerin nicht verbieten, ein islamisches Kopftuch zu tragen. Wohingegen Kappen oder Mützen im Unterricht nicht geduldet werden müssen. Denn diese widersprechen dem üblichen sozialen Verhalten innerhalb eines geschlossenen Raumes. Auch Eltern haben Schulregeln, die sie einhalten müssen: Sie dürfen zum Beispiel ihr Kind an einem für sie wichtigen Feiertag nicht einfach von der Schule befreien, sofern dieser im entsprechenden Bundesland nicht als unterrichtsfreier Feiertag gilt.

„Was Lehrer dürfen“ zeigt auf, welche Rechte und Pflichten Lehrer im Interesse der Eltern und Schüler haben. Die Lehrer agieren im öffentlichen Bildungsauftrag, weshalb individuelle Wünsche der Schüler nur schwer berücksichtigt werden können, schreibt Böhm. Sie handeln für das allgemeine Wohlbefinden der Schüler. Deshalb muss zum Beispiel das Essen eines Schülers während der Unterrichtszeit nicht geduldet werden, da es die anderen Schüler stören kann. Da das Handy ebenfalls als Störfaktor gilt, darf der Lehrer es für eine gewisse Zeit dem Schüler wegnehmen. Wie lange der Schüler ohne Handy leben muss, ist nicht vorgegeben. Es ist abhängig davon, wie häufig und stark es den Unterricht gestört hat. Klingelt es einmal aus der Tasche eines Schülers, wird dieser nur ermahnt. Geschieht das häufiger und zeigt der Schüler keine Einsicht, kann das Handy bis zum nächsten Tag konfisziert werden.

Böhm möchte mit dem Buch zeigen, wieso den Schülern zugutekommt, wenn Lehrer vieles dürfen. Zur Veranschaulichung werden unterschiedliche Fälle aus dem Schulalltag genannt, die sich tatsächlich ereignet haben. Es wird der Vorfall geschildert und die rechtliche Reaktion darauf. Durch diese erhält der Leser einen besseren Eindruck davon, was die Eltern, Schulkinder oder der Lehrer rechtlich dürfen und was nicht. Die jeweilige Rechtsprechung wird von Thomas Böhm anschaulich erklärt, allerdings in einer etwas komplizierteren Sprache. Als leichte Lektüre für vor dem Schlafengehen ist das Buch nicht geeignet. Als Rüstzeug für den Schulalltag dafür umso mehr.

 

Das Buch

»Nein, du gehst jetzt nicht aufs Klo!« Was Lehrer dürfen.
Der Experte für Schulrecht hilft bei allen kniffligen Lehrerfragen.
mvg Verlag, 2017
192 Seiten
Thomas Böhm

 

 

 

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