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Schule & Projekte

Kurioses aus dem Klassenbuch: Ex-Lehrer veröffentlicht Anekdoten

Manfred Voßler war Lehrer, Schulleiter und Schulamtsdirektor. Jetzt ist der 69-Jährige in Rente – aber nicht untätig. Der Emmendinger hat aus den besten Anekdoten seiner Dienstzeit ein Buch gemacht: voller kurioser Entschuldigungen, Elternbriefe und Rüffeleien. Die Nachfrage hat den 69-Jährigen selbst überrascht.

 
 

„Mein Sohn wurde gezwungen, seine 50 Pfennig Taschengeld herauszugeben. Da ich weiß, dass Lehrer immer nur gut und verständnisvoll zureden (...), werde ich die Sache selbst in die Hand nehmen.“ Solche und andere Anekdoten findet man in „Tschuldigung, Herr Lehrer“. Ein Pauker außer Dienst öffnet damit seine Dokumentensammlung aus über vier Jahrzehnten Schulzeit. Er erzählt zusammengefasst auf knapp 100 Seiten Amüsantes und Nachdenkliches aus südbadischen Klassenzimmern.

Eigentlich wollte Voßler die Geschichten nur aufbewahren. Schließlich seien sie aber so kurios, „dass mir das sonst sowieso niemand glaubt“, erzählt er dem chilli. Die Sammlung veröffentlichte er schließlich auch, um seiner Mutter zu zeigen: Der Lehrerjob ist kein leichter. Schließlich sei man nicht immer nur die „Respektsperson im Dorf“, sagt Voßler. Seine Mutter habe das geglaubt.

Den Anstoß zum Buch gab ein Vater aus Riegel. „Er kam auf dem Elternabend zu mir und sagte: „Herr Voßler, i ka net schwetza, des isch net mi Ding. Aber ich schrieb Ihna alles, was mir auf dr Seele liegt.“ Gemeint sind phantasievolle Entschuldigungsbriefe für die eigene Tochter. Die Geschichten, die der Vater daraufhin verschickte, fand der Pensionär so toll, dass er sich sagte: „So und das wird jetzt meine Leidenschaft.“

Voßler brachten die Gespräche mit den Eltern seiner Schüler zum Nachdenken – gerade in Punkto Bestrafungen. „Am Ende gab es bei mir weder Arrest noch Klassenbucheinträge mehr“, berichtet er. Ohnehin sind für den Pauker die schönsten Erinnerungen jene, die wenig mit dem Schulalltag zu tun haben. So hatte er die größte Freude im Landschulheim, oder bei Wettbewerben außerhalb des Klassenzimmers.

In seinen mehr als 40 Jahren Dienstzeit habe sich nicht viel geändert, sagt Voßler. „Es war deftig, es war höflich, es war nett, es war humorvoll“, erinnert sich der ehemalige Sport-, Deutsch- und evangelische Religionslehrer. Gewandelt hat sich allerdings sein Umgang mit den Briefen: „Ich habe irgendwann gespürt, dass darin viel mehr steckt, als dass einfache Sanktionen helfen würden.“ Seine Folgerung: Man muss die Leute einladen und mit ihnen reden.

Um richtig schwelgen zu können, sieht „Tschuldigung, Herr Lehrer“ aus wie ein Klassenbuch. Die Idee dazu sei der Druckerin gekommen, berichtet er. Sie selbst habe als Schülerin große Angst vor dem Klassenbuch gehabt. In der Tat folgen auf roten Einband und goldene Lettern folgen nicht nur angenehme Anekdoten: Auch der Autor hat in den ersten Jahren seiner eigenen Schulzeit etwa zehn schmerzhafte Einträge bekommen. „Dieses verdammte Klassenbuch hat Generationen Angst haben lassen“, sagt Voßler und lacht.

So zeigt seine Sammlung auch die Schattenseiten des Schulbetriebes. Etwa die Konfrontation mit sozialen Problemen oder Armut: „Ich habe viel darüber gelernt, was diese Briefe oder Beschwerden und Entschuldigungen aussagen“, sagt Voßler. Die Schriften können ein Hinweis darauf sein, dass zu Hause etwas nicht gut läuft. Manchmal sogar so sehr, dass die Polizei oder das Jugendamt eingeschaltet werden mussten. In solchen Fällen hat sich Voßler gegen eine Veröffentlichung entschieden.

„Solche Vorfälle“, berichtet der Pensionär, „gehören zu den schlimmsten Erlebnissen, die ich als Lehrer hatte.“ Nicht weniger schmerzvoll war für ihn die Abschiebung einer Schülerin. „Das hat mich innerlich beim Schreiben zerrissen.“


Die Nachfrage nach seinem Buch ist groß. Die erste Auflage war nach kurzer Zeit vergriffen. Eine zweite war ebenfalls nach wenigen Tagen in großen Teilen vorbestellt. Voßler überrascht das, er freut sich jedoch über den Erfolg. Was er gern über sich selbst in einem Klassenbuch gelesen hätte? Er zögert, denkt nach. Dann sagt er bedacht: „Er ist ein sehr sozialer Schüler.“

Info

„Tschuldigung“ Herr Lehrer wurde von Voßler selbst veröffentlicht. Bestellbar ist es unter der E-Mailadresse vossler@gmx.net.

 

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