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Schule & Projekte

Plakatprotest: Straßburgs Straßen werden weiblich

Nur rund zwei Prozent der Straßennamen in Frankreich sind weiblich. Außer in Straßburg. Zumindest für ein paar Tage waren da Frauen präsenter denn je: Eine Studentengruppe hat zum Weltfrauentag spontan Orte der Stadt mit Plakaten umbenannt: Place Gutenberg, Place Kléber und andere Plätze oder Straßen hießen plötzlich Frida-Kahlo-Platz, Marie-Curie-Platz oder Mutter-Teresa-Brücke.

 
 

Das feministische Kollektiv Copines (Freundinnen) prangert damit die Abwesenheit von berühmten Frauen im öffentlichen Raum an. Mit ihrer Plakat-Aktion am 8. März wollten sie ein Zeichen setzen. „Frauen leiden unter Unsichtbarkeit“, betont Léa Staraselski, Sprecherin der Gruppe. Für die 22-jährige Studentin ist Geschichte eine Konstruktion: „Männliche Forscher haben die Geschichte geschrieben, Frauen sind absichtlich vergessen worden.“ Ziel ist, die Rolle wichtiger Frauen hervorzuheben. Beispielsweise die von Künstlerin Frieda Kahlo oder der Wissenschaftlerin Marie Curie.

„Wir haben zuerst eine Ausstellung an der Uni über die vergessenen Frauen gemacht“, berichtet Léa. Dann habe das Kollektiv die Idee gehabt, das in der ganzen Stadt zu verbreiten. Mit der öffentlichen Plakataktion erreiche man ein breiteres Publikum als über Social-Media-Kanäle. 20 Namen von Männern haben die Aktivisten durch Frauennamen ersetzt.

Die Aktivistin Léa studiert auch Politik und Geschichte


Der Plakatprotest ist die zweite Aktion des Kollektivs. Bei der ersten haben die Aktivisten sexistische Bemerkungen eines prominenten Straßburger Uniprofessors auf Wänden der Universität geschrieben. "Der Dozent lehrt noch heute", bedauert die Aktivistin. Die Aktion sorgte für nationales Medieninteresse.

Bewusstsein zu schaffen, ist Léa wichtig: "Der schlimmste Teil des täglichen Lebens einer Frau ist, dass wir darauf konditioniert sind, zu denken, dass wir nichts wagen können. Frauen trauten sich deswegen nicht zu, intelligent zu sein. „Heute sind wir darauf erst konditioniert, Make-up zu tragen", prangert Lea an. Das Kollektiv wurde 2013 gegründet und zählt 60 Mitglieder, darunter eine "überwältigende Mehrheit" von Frauen.

Frida Kahlo aus Mexiko gibt dem Platz ihren Namen

 

Über die jüngste Aktion berichtete unter anderem der öffentlich-rechtliche Lokalsender France 3 Alsace. Die Reaktionen in sozialen Netzwerken waren überwiegend negativ. „Als hätten die Nutzer nicht verstanden, warum wir das gemacht haben", sagt Léa. Sie prangert eine Ignoranz an, "der entgegengewirkt werden muss“.

Auch in Freiburg gab es zuletzt Diskussionen über Straßennamen. Nicht wegen überwiegend männlicher Namen, sondern der teilweise umstrittenen Vergangenheit wichtiger Persönlichkeiten. Im November beschloss der Gemeinderat, drei Straßen umzubenennen: Rennerstraße, Eckerstraße und Ludwig-Heilmeyer-Weg bekamen neue Namen. Das männliche Übergewicht findet sich jedoch auch in der Münsterstadt: Laut f79-Zählungen sind rund 4,5 Prozent der Freiburger Straßennamen männlich besetzt.

 

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