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f79 zu Besuch im Tempel des Weltfussballs
Die Metro ist vollgestopft mit Kindern, Jugend- lichen und Erwachsenen. Die meisten tragen ein weißes Trikot mit dem königlichen Wappen von Real Madrid und haben dasselbe Ziel: Das Stadion Santiago Bernabéu – von Fans auch als „Tempel des Weltfußballs“ bezeichnet. Als sich die Türen öffnen, drängt die Menge hinaus und wird eins mit dem weißen Meer aus Fahnen und erwartungsvollen Fans. Obwohl der Termin des traditionellen Clubturniers mitten in die Sommerferien fällt, ist es erstaunlich, wie viele Menschen sich zum heutigen Spiel gegen CA Peñarol de Montevideo eingefunden haben. Vor 50 Jahren hatte Real Madrid gegen den Club aus Montevideo seinen ersten Weltpokal gewonnen.
Während sich die sogenannten „Peñas“ in den nahen Bars euphorisch bei Bier und Tapas austauschen, kaufen die Real-Fans, darunter viele Touristen aus aller Welt, im offiziellen Fanshop, aber auch an den zahlreichen Ständen rund um das Stadion fleißig ein. Die spanische Polizei patrouilliert hoch zu Ross durch die erwartungsvolle Menge, eine gelb-schwarz gekleidete Fangruppe von Peñarol sorgt mit Gejohle, Sprechgesängen, Fahnen und Trommeln für Stimmung – südländische Fußball-atmosphäre pur. Ich dränge mich durch die Masse zur „Puerta 55“ und werde vorbei an der wartenden Menge durch den Presse-Eingang ins Innere des Stadions gelotst. Obwohl ich schriftlich um eine Akkreditierung gebeten hatte, kommen mir plötzlich Zweifel, ob mir tatsächlich Einlass in eine der größten und berühmtesten Fußballarenen weltweit gewährt wird. An einem Schalter zeige ich meinen Jugend-Presseausweis vor und tatsächlich: Die f79-Reporterin steht auf der Liste! Ein Liftboy fährt mich und andere Journalisten nach oben in den Pressebereich.
Der ganz in königlichem Weiß gehaltene Eingangsbereich ist mit einer stattlichen Bar ausgestattet und bietet Zugang zur Pressetribüne. Als ich die Türe öffne, stockt mir der Atem und ich kann mir ein freudiges Grinsen nicht verkneifen. Das Santiago Bernabéu ist wie ein riesiger Kessel gebaut, auf dessen steilen Tribünen 80.354 Fans Platz finden. Die Pressetribüne liegt im dritten Rang direkt auf Höhe der Mittellinie, knapp 30 Meter vom Spielfeld entfernt. Hier oben sind lange Sitzreihen mit Tischen, und an jedem zweiten Platz ist ein Bildschirm angebracht, damit die Medienvertreter in aller Ruhe strittige Spielszenen und Tore noch einmal anschauen können.
Heute werden die sechs Neuzugänge von Real – Ricardo Carvalho, Sergio Canales, Pedro León und Angel Di Maria sowie die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira – offiziell den Fans vorgestellt. Von tosendem Applaus begleitet, betreten die frisch gebackenen Madridistas im weißen Trikot den Rasen. Dann ist Anpfiff: Peñarol will das Spiel auf keinen Fall verlieren und gibt gleich eine harte Gangart vor. Nach wenigen Minuten humpelt Madrids Argentinier Fernando Gago verletzt vom Platz. Madrid hat mehrere Großchancen durch Xabi Alonso und Christiano Ronaldo, aber zur Pause steht es immer noch 0:0.
In der Halbzeit hacken die Online-Journalisten gnadenlos in die Tastatur ihrer McBooks, und selbst auf der Damentoilette kann die italienische Kollegin ihr BlackBerry nicht aus der Hand legen. Während an ihrem Arm die überfüllte Gucci-Tasche baumelt und das Gewicht ihres Mantels sie nach unten zieht, versucht sie, sich mit zwischen Schulter und Ohr eingeklemmtem Handy die Hände zu waschen – Business as usual. Vor der Bar drängelt sich inzwischen eine gestresste Journalisten-Horde, die versucht, sich ein Erfrischungsgetränk zu schnappen. Andere lassen sich in allen erdenklichen Sprachen durch ihre Smartphones letzte Anweisungen ihrer Redaktions-Chefs durchgeben.
In der zweiten Halbzeit zeigt Di Maria dann seine Klasse: Nach einem Slalom im Strafraum, bei dem er mehrere Verteidiger aussteigen lässt, erzielt er mit der Pieke das 1:0 ins kurze Eck. Kurz vor Schluss schießt Van der Vart per Elfmeter sein letztes Tor für Madrid – wenige Tage später wird er zu den Totthenham Hotspurs nach London verkauft.
Nach der Siegerehrung fahre ich wieder mit dem Aufzug ins Erdgeschoss. Nachdem ich mich erneut ausgewiesen habe, gehe ich in die Mixed-Zone, doch die Spieler sind noch beim Duschen, also folge ich den anderen Reportern zur Pressekonferenz. In dem mit hellem Holz ausgelegten Saal warten Medienvertreter aus Spanien, England, Italien, Frankreich und Asien in gepolsterten Sitzen auf die Trainer. Als Reals neuer Star-Couch José Mourinho den Raum betritt, hagelt ein Blitzlichtgewitter auf ihn nieder. Wer eine Frage stellen möchte, meldet sich. Wenn der Pressechef den blonden Helferinnen ein Zeichen gibt, reichen sie dem jeweiligen Journalisten ein Mikrofon. Mourinho ist nicht unzufrieden, obwohl es kein großes Spiel war. „Dafür aber ein gutes Training“, sagt er, „denn so defensiv wie die Südamerikaner werden viele Mannschaften gegen uns spielen.“
Nach 15 Minuten ist die Pressekonferenz beendet. Inzwischen ist es kurz vor ein Uhr nachts. In der Mixed-Zone kann ich gerade noch ein paar Sätze vom brasilianischen Linksverteidiger Marcelo aufschnappen, der allerdings an diesem Abend bereits der letzte Spieler von Real Madrid ist, der vor die Medien tritt.
Meine Hoffnung, Özil und Khedira nach ihrem Debüt zu befragen, wird enttäuscht. Offensichtlich haben sich die beiden Deutschen genau wie Christiano Ronaldo, Iker Casillas, Sergio Ramos und Co. durch einen Hinterausgang zu ihren Luxuskarossen begeben. Das ist schade, aber das nächste Mal werden sie um ein paar Fragen fürs f79 wohl nicht herumkommen.
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