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GRAFFITI – zwischen Street-Art und Schmiererei

Anfang der 80er Jahre sprühte sich eine neue Untergrund-Bewegung wild und bunt ins Hamburger Stadtbild - OZ und King Zack waren zwei der ersten Sprayer, die in Hamburg zur Sprühdose griffen. Ausgelöst hatte den Graffi ti-Boom der Film „Wild Style“. Während der Normalbürger Graffiti als rücksichtslose Schmiererei und Sachbeschädigung empfand, wollten (und wollen) viele Sprayer, dass ihre „Bilder“ etwas ausdrücken. Heute wird Graffi ti zunehmend als Kunst verstanden. Als Street-Art, die immer öfter auch als Auftragsarbeit für Werbekampagnen umgesetzt wird, nicht als wildes Wände-Besprühen. Während der Recherchen stieß h20 auf das Kürzel DAIM und hatte das Glück, ein Interview mit dem „Phantom“ zu bekommen.

 
 
h20: Wie sind Sie zum Sprayen gekommen?
DAIM: Als 15-Jähriger fi ng ich an, Hip-Hop Musik zu hören, erste Graffi tis in der Stadt wahrzunehmen, die ersten Styles zu zeichnen und dann, zwei Jahre später, das erste Mal eine Sprühdose in die Hand zu nehmen, das war 1989.
Man fühlte sich als etwas Besonderes. Nie kam mir am Anfang der Gedanke, dass ich Kunst machen würde, ich gar ein Künstler wäre. Aber da ich in kurzer Zeit viel gezeichnet und gesprüht habe, ist mir doch sehr schnell klar geworden, dass dies auch eine Perspektive für mein weiteres Leben sein würde.
h20: Was haben Sie schon alles besprüht?
DAIM: Das Schöne an der Sprühdose ist, dass man sehr vielseitig mit ihr arbeiten kann.
Fast jeder Untergrund kann mit ihr „bearbeitet“ werden. Ob das nun eine Wand, Autos, Skulpturen oder Leinwände sind, ist egal, jeder Un tergrund hat seine Besonderheiten.
h20: Warum malen Sie 3D?
DAIM: Es gibt sicherlich zwei wichtige Gründe für die Entwicklung meines 3D-Styles. Erstens war ich als einer aus der 89er-Generation nicht so stark von der amerikanischen Szene, sondern vielmehr von den Arbeiten aus Hamburg, München und Paris geprägt. Mein erstes Graffi ti-Buch war „Graffi ti Live“, erst danach kam „Subway-Art“, „Spraycan-Art“ und Filme wie „Wild Style“. Der zweite Grund war sicherlich die frühe Begeisterung für das Zeichnen. Wenn man mit dem Bleistift fi gürlich zeichnet und sich nicht von Comics inspirieren lässt, entsteht ganz automatisch ein Bedürfnis, die Motive durch Licht und Schatten zu defi nieren. Der Schritt, dies dann auch an meinen Styles umzusetzen, war besonders Anfang der 90er naheliegend. Durch den immer stärker werdenden Einfl uss des Computers wurden Darstellungen in Film oder Werbung immer drei dimensionaler.
h20: Hatten Sie früher schon mal Ärger wegen der Sprüherei?
DAIM: Durch die nächtliche Arbeit lernt man Dinge, die man sonst als (Graffi ti-)-Künstler niemals erleben würde. Natürlich bleibt es da nicht aus, dass man Ärger mit der Polizei bekommt. Ich wurde bereits nach kurzer Zeit das erste Mal erwischt und musste meine gesamten Sommerferien im Paketpostamt arbeiten, um die
Schulden abzuzahlen. Ohne die Wurzeln in der Illegalität zu haben, würde meine Arbeit nicht den
Ausdruck haben, den sie hat. Dies bedeutet aber nicht, dass ich den nächtlichen Adrenalin-Schub
immer noch benötige. Auf der Suche nach neuen Wegen und Formen meine Ideen zu realisieren,
bekomme ich diesen heutzutage durch anderes.
h20: Welche Strafen erwarten Jugendliche?
DAIM: Wenn man das erste Mal erwischt wird, muss man meistens „nur“ Schadensersatz zahlen, aber auch das kann schon schnell eine recht große Summe werden. Wenn man dann weitersprüht und wieder erwischt wird, kommt oft
noch eine Strafe dazu.
h20: Gibt es in Hamburg ein Museum oder eine Galerie, die sich für Graffi ti interessiert?
DAIM: In Hamburg gab es im Altonaer Museum mit der Ausstellung „Narrenhände“ bereits 1991 eine erste Graffi ti-Ausstellung. Heute gibt es noch verschiedene Galerien, die Ausstellungen zum Thema machen, zum Beispiel
die „Vicious Gallery“ oder „ReinkingProjekte“.
h20: Wodurch haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht?
DAIM: Ich habe bereits sehr früh erste kleine Auftragsarbeiten gemacht, um mir die Sprühdosen für meine eigenen freien Wandbilder zu verdienen. Dies ging damals recht schnell und einfach, so dass ich bereits vom Graffiti-Sprühen leben konnte, als ich mit 19 Jahren mein Abitur abgeschlossen hatte.
h20: Woher bekommen Sie Ihre Aufträge und Ideen?
DAIM: Mein Bestreben besteht darin, neue Facetten von Graffiti aufzuzeigen. Es wird immer welche geben, die illegal sprühen, aber eben auch zunehmend solche, die andere Medien und Stile nutzen. So kommen neue Ideen hinzu, ohne dass die alten verschwinden. Graffiti kann sich unterschiedlich gestalten. Für mich ist es viel
wichtiger, Neues auszuprobieren und dabei den Grundgedanken nicht zu verlieren. Auch wenn Werbung, Comics und Kunstrichtungen wie beispielsweise Pop-Art nach wie vor Einfluss auf Graffiti nehmen - und umgekehrt - so dass sie in einen neuen Kontext gebracht werden, beginnt einfach alles mit der Natur. Alle erdenklichen
Formen, Farbgebungen, Muster ... man brauchtnur die Augen offen zu halten!
 

 

Mehr Info:

www.daim.org

 
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