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Sport & Freizeit

Der Zauber der Kugeln

Vom 1. bis zum 5. Februar fanden im Berliner Tempodrom die „German Masters“, ein Snookerweltranglistenturnier statt. Teilweise bis zu 2500 Zuschauer ließen sich von diesem Sport begeistern, der hierzulande immer beliebter wird. Worum geht es genau beim Snooker und was macht die Faszination aus? Der Artikel „Der Zauber der Kugeln“ versucht diese Fragen zu klären und nähert sich einer vielseitigen Sportart.

 
 

Auch in diesem Jahr kämpfte wieder die Elite der Snookerprofis bei den „German Masters“ um wertvolle Weltranglistenpunkte und bot an jedem Turniertag sehr guten Snooker. Der Sport erfreut sich in Deutschland einer wachsenden Beliebtheit und begeistert das Publikum. Doch was macht diese Faszination aus und worum geht es eigentlich genau?

Worum es geht

Snooker ist ganz allgemein eine Variante des Billards. Auffallend im Vergleich zu den hier bekannteren Pooltischen ist, dass die Tische wesentlich größer und breiter (ca. 3,56 m x 1,78m) sind und die Taschen enger und abgerundet, was das beherrschen des Spiels deutlich erschwert. Auf dem Tisch liegen zunächst 15 rote und 6 andersfarbige Kugeln, sowie eine weiße. Abwechselnd versucht ein Spieler erst eine rote Kugel und dann eine Farbe zu lochen, wofür er Punkte erhält. Die Roten bleiben dabei vom Tisch, während die Farben wieder auf bestimmte Punkte des Tisches zurückgelegt werden. Dies geht solange, bis keine roten mehr auf den Tisch liegen, dann werden am Schluss in einer festgelegten Reihenfolge die Farben gelocht, die jetzt jedoch nicht wieder aufgelegt werden. Der Spieler mit den meisten Punkten, gewinnt eins von zu meisten mehreren Spielen, im Snooker „Frame“ genannt. Dies ist vereinfachend dargestellt das Prinzip. In alle speziellen und erweiterten Regeln einzusteigen würde hier den Rahmen sprengen, jedoch erschließen sich diese dem aufmerksamen Zuschauer nach einer gewissen Einstiegszeit. Der Name „Snooker“ bedeutet ungefähr so viel wie „unangenehme, bedrängende Lage“ und beschreibt eine Situation, in der ein Spieler die Kugel, die er zuerst treffen müsste, höchstens über Bande treffen kann, da andere Kugeln die Wege blockieren.

Vielseitigkeit und hohe Anforderungen

Das Beherrschen des Spiels und der Kugeln, was bei den Profis so erschreckend leicht und einfach wirkt, ist es in der Praxis ganz und gar nicht. Es kommt auf viele Dinge an im Snooker, allen voran Technik und Präzision. Aber unter anderem sind auch Taktik, Spielverständnis und mentale Härte gefordert, um ganz oben mithalten zu können. In dieser Vielseitigkeit liegt eine der Ursachen der Faszination. Ein Snookerspieler ist im Idealfall ein ausdauernder Präzisionsarbeiter auf höchstem Niveau, ein abwägender Schachspieler und ein Mensch mit Nerven aus Drahtseilen zugleich. Eine solche Vielseitigkeit ist ungewöhnlich und macht Snooker zu einer der schwersten Sportarten überhaupt (von Extremsportarten einmal abgesehen), wenn man zu den Besten der Welt gehören möchte. Es erfordert sehr viel und intensives Training um letztlich Automatismen inne zu haben, die im Ablauf einem Schweizer Uhrwerk möglichst nahe kommen sollten.


Charaktere prägen das Spiel

So unterschiedlich die Anforderungen sind, die das Spiel stellt, so unterschiedlich können auch die einzelnen Spieler sein. Klar jeder Mensch ist unterschiedlich, aber nirgendwo kann man die einzelnen Spieler und deren Charakterzüge so genau erfassen und prägen sie den Spielstil in so hohem Maße, wie beim Snooker. Von aggressiveren, offensiven Spielern, die auch gelegentlich ihre Emotionen zeigen, bis zu den gewieften Taktikern die keine Miene verziehen oder den systematisch, ruhig agierenden Spielern ist alles dabei. Auch dies führt wieder zu einer erhöhten Vielseitigkeit. Im Laufe eines Spiels lassen sich oft Gemütslagen, wie beispielsweise Selbstvertrauen, Mut, Konzentration oder auch Nervosität und Unruhe erkennen, welche sich ständig ändern können. Auf mentale Stärke kommt es dabei wesentlich an, um enge Situationen zu überstehen und eine zu Chance haben, um um Weltranglistenturniere zu gewinnen. Das liegt daran, dass im Spiel oft Drucksituationen entstehen, die die Spieler überstehen müssen. Vermeintlich einfache Dinge, die im Training immer klappen würden, können dann zu einer persönlichen Mount Everest Besteigung mutieren. Die eigenen Emotionen im Griff haben und sich selbst über einen langen Zeitraum in Kontrolle und Konzentration halten – das ist die hohe Kunst. Auch dieser Teil des Spiels trägt enorm zur Faszination bei.

Langweilig? – Von wegen!

Das Spiel, welches von außen vermeintlich ruhig und eventuell wenig spektakulär aussehen mag, ist dabei alles andere als langweilig. Das liegt einerseits daran, dass mittlerweile die Weltspitze sehr ausgeglichen ist und, unter den Top 16 der Welt, jeder jeden schlagen kann. Und auch Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Ein Beispiel dafür ist, das es in den letzten 10 Jahren alleine 7 verschiedene Weltmeister gab. Andererseits können sich in den Partien auch ganz eigene Dramen abspielen. Wenn es beispielsweise nur noch auf die letzte schwarze Kugel in einem Entscheidungsframe ankommt und der Spieler, der sie locht, anschließend unter dem Jubel der Zuschauer die Faust ballt, dann ist auch hier ein hohes Maß an Emotion, Enthusiasmus, Begeisterung und Spannung vorhanden. Natürlich herrscht keine Atmosphäre wie in einem Fußballstadion, aber gerade die Ruhe und die Spannung beim Snooker erzeugen gleichzeitig eine ganz eigene und faszinierende Stimmung. Alleine der Klang der aufeinandertreffenden oder von gelochten Kugeln kann etwas Meditatives haben. Daher gibt es beim Snooker ein differenziertes Bild. Spieler, die vor dem Spiel zu Musik in die Arenen einlaufen und teilweise ihre Emotionen zeigen, stehen für einen mitreißenden und packenden Sport. Die möglichst gute Kontrolle der eigenen Nerven und die Ruhe im Spiel verkörpern hingegen die Eleganten, ästhetischen und fast schon meditativen Seiten.

Der Zauber

Von eben jenem beschriebenen Spiel lassen sich die Zuschauer faszinieren und sich in seinen Bann ziehen. Wenn die Spannung in den Arenen greifbar ist und die Akteure in einem spannenden Match einen guten Stoß nach dem anderen zeigen, dann kann man genau in diesen Momenten den Zauber der Kugeln fühlen und ihn für sich entdecken.

Wessen Interesse geweckt worden ist,
der kann demnächst die „Welsh Open“ (13.-19. Februar) im Fernsehen mit umfangreichen Berichterstattungen verfolgen. Selbst zum Queue greifen und sich versuchen ist außerdem in den meisten Großstädten inzwischen möglich. Das kann am Anfang zu ein paar Frustmomenten führen, Spaß macht es aber trotzdem und es lässt sich selbst die beeindruckende Leistung der Topspieler noch besser ermessen. Es ließe sich noch eine Menge mehr zu diesem Spiel sagen und die unterschiedlichen Aspekte und Dimensionen könnten Bücherregale füllen. Jeder kann selbst entscheiden, ob diese Welt auch für ihn eine faszinierende ist und es sich lohnt sich tiefer in sie hineinzubegeben.

 

 

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