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Sport & Freizeit

Champions Boxing: Kämpfen statt prügeln

Auspowern beim Boxen statt prügeln auf der Straße – Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen lernen beim Champions Boxing Disziplin und Respekt. Vier ehrenamtliche Trainer leiten das kostenlose Training in Littenweiler. Auch Flüchtlinge sind dabei. Doch so mancher ist schon rausgeflogen.

 
 

„Immer in der Deckung bleiben“, ruft Boxtrainer Michael Becker seinen Schützlingen zu. Sein Ton ist bestimmt, es geht ordentlich zur Sache: Die 15 Jungs in der Sporthalle der Reinhold-Schneider-Schule in Littenweiler bearbeiten sich mit ihren Fäusten. Patsch, patsch, patsch. Dann blutet eine Nase.

"Das kommt selten vor“, beschwichtigt Trainer Christoph Brand. Er ist einer von vier Coaches beim Champions Boxing, dem wohl einzigen kostenlosen Boxtraining für junge Freiburger, viele davon aus schwierigen Verhältnissen. Zwischen 12 und 20 Jahren sind die Teilnehmer. Manche von ihnen könnten mit ihren gestählten Körpern glatt als Profiboxer durchgehen.

So auch Dulijan Kurtic. Der Bizeps des 18-Jährigen spannt unter dem grünen Shirt. Hochkonzentriert beackert er seinen deutlich kleineren Gegner mit leichten Schlägen. „Ich habe das Boxen von meinem Vater geerbt. Vladimir Klitschko, Muhammed Ali und Mike Tyson, das sind meine Vorbilder“, schwärmt der Schüler.

Ehrgeizig: Dulijan Kurtic ist mittlerweile ist Co-Trainer beim Champions Boxing.


Doch Ohren beißt hier keiner ab. Disziplin und Respekt stehen im Vordergrund. „Was die Jungs hier lernen, lässt sich super in den Alltag übertragen: Haltung bewahren, durchbeißen, das Respektding ist sehr wichtig“, sagt Trainer Jonas Pagel (27). „Schlag nicht voll zu, schlagt so, dass man ausweichen kann“, ruft sein Kollege Becker den Boxern zu.

Dulijan tänzelt grinsend vor seinem Gegner und streckt die Arme nach oben – wie einst Muhammed Ali. 2008 kam er mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Freiburg. Freunde nahmen ihn mit zum Champions Boxing, er fing Feuer. Heute ist er selbst Co-Trainer. „Wenn ich sehe, dass junge Menschen einen Traum haben, packe ich gerne mit an.“ Dulijan hat auch einen: „Ich will Boxer werden, oder zumindest Trainer.“

Nicht alle sind so diszipliniert. „Wir haben hier schon welche rausgeworfen“, berichtet Michael Becker. Der 33-Jährige ist seit vier Jahren ehrenamtlich Trainer. Die Verantwortung sei riesig: „Wenn sich die Jungs außerhalb des Trainings boxen, geht das gar nicht!“ Ihnen das Handwerk für Schlägereien zu beizubringen, will er nicht. Das Training sei der erste Schritt, um nicht auf die schiefe Bahn zu kommen. „Ein guter Boxer ist ein Gentleman und kann sich beherrschen“, sagt der Hobbyboxer.

Champions Boxing gibt es seit 2009. Anfangs machte der Verein mit seinen Boxern einen Deal: Wer zur Nachhilfe geht, bekommt kostenloses Boxtraining – ein deutschlandweit einzigartiges Konzept. Nach den ersten Jahren ließ das Interesse nach. „Irgendwann hatten wir nur noch zwei Teilnehmer“, erinnert sich Brand. Das ist jetzt Geschichte. Der Andrang ist so groß, dass zwei Mal die Woche trainiert wird. Auch Flüchtlinge aus dem Wohnheim an der Hammerschmiedstraße mischen mit. Der Kontakt dahin entstand durch den Verein Stadtpiraten Freiburg, der sich um junge Flüchtlinge in Freiburg kümmert. An diesen ist Champions Boxing mittlerweile angedockt.

Nach 90 Minuten riecht die Halle mächtig nach Schweiß. Alle schnaufen, als Coach Becker zum letzten Durchgang anfeuert. „Es bringt nix, wenn ihr nur ein, zwei Runden durchhaltet. Dann habt ihr verloren.“ Das braucht er Dulijan nicht zwei Mal sagen. Früher hatte er Aggressionsprobleme, beim Boxen lernte er, sich zu beherrschen. So auch heute. Nach dem Training klatscht er mit allen ab. Dann geht’s nach Hause. Erschöpft, aber entspannt.

Schweißtreibend: Beim Training in Littelweiler powern sich alle aus.

 

Mehr Fotos gibt es in der Bildergalerie bei den Kollegen vom Stadtmagazin chilli.

 

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