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Sport & Freizeit

Karim Guédé will mit der Slowakei zur EM

Neben dem Albaner Amir Abrashi fährt vielleicht noch ein Freiburger zur EM nach Frankreich: Karim Guédé. Der gebürtige Hamburger steht im erweiterten Kader der Slowakei. Dem f79 hat der 31-Jährige erzählt, wie viel Slowakei in ihm steckt, wie er mit Terrorismus umgeht und was sein Team stark macht. Das hat immerhin schon einen Favoriten vom Platz gefegt.

 
 

Um ein Haar wäre Karim Guédé Nationalspieler für Togo geworden. Der Sohn einer Togolesin und eines Franzosen war 2006 im WM-Kader des westafrikanischen Landes. Doch kurz vor dem Sommermärchen in Deutschland verletzte er sich – und wurde vom Trainer aussortiert. Obwohl Guédé nach eigenem Bekunden fit war. „Die Enttäuschung war riesengroß“, sagt der in Deutschland groß gewordene Kicker.

Jetzt blickt er umso hoffnungsvoller Richtung EM: Er steht im erweiterten Kader der Slowakei. Die Chancen, in Frankreich dabei zu sein, schätzt er auf 60-40. 14 Spiele hat er für seine „zweite Heimat“ gemacht. Dreimal durfte er in der Qualifikation ran, einmal von Beginn an. Erstmalig hat sich die Slowakei jetzt für eine EM qualifiziert. Und in der Qualifikation sogar Spanien geschlagen. „Für mich ist das der beste Kader, den die Slowakei je hatte“, schwärmt Guédé.

Den größten Erfolg feierte sein Team bei der WM 2010 in Südafrika. Damals ging’s bis ins Achtelfinale. Am 10. Juni startet das zweite große Turnier. „Kampfeswille zeichnet uns aus. Und die Defensive“, sagt Guédé. Er könnte da als bulliger Sechser gut reinpassen. Ein Kämpfer unter Kämpfern.

Der Zufall führte ihn einst in das Fünf-Millionen-Einwohner-Land. Von den Amateuren des Hamburger SV wechselte er 2006 nach Bratislava, heuerte dort beim FC Petrzalka Akademia an. Schon nach einem Jahr bekam er das Angebot, für die Nationalmannschaft zu spielen. „Sie brauchten einen Spieler für die Sechs (defensives Mittelfeld)“, erinnert sich der kantige Kicker. Zum Land habe er damals keinen großen Bezug gehabt. „Ich konnte noch nicht einmal die Sprache.“

 

 

Sechs Jahre lebte er dort, schloss Freundschaften, verliebte sich. Es sei ein logischer Schritt gewesen, das Angebot anzunehmen. Das Debüt im Nationalteam gab er 2011. Auch die Sprache beherrscht er mittlerweile, seine Lebensgefährtin ist Slowakin. Das Land ist neben Deutschland seine zweite Heimat geworden. Nach der Karriere will Guédé dort leben.

Seit 2012 tanzt der einstige HipHop-Tänzer in Freiburg Gegner aus. Der Publikumsliebling fühlt sich mittlerweile pudelwohl. Bei der Aufstiegsfeier Ende April feierten die Fans ihn mal wieder mit Sprechchören. Doch zum Trubel kommen auch Sorgenfalten. Schließlich ist die Terrorgefahr im EM-Land groß. „Die Gedanken daran kommen schon mal. Man sieht, wie Notfälle geprobt werden, Frankreich ist ja nicht weit weg.“ Er hofft auf gute Polizeiarbeit.

Bis zum 31. Mai muss sich sein Trainer Ján Kozák auf 23 Spieler festlegen. Zwei Tage vorher könnte Karim Guédé auf großer Bühne glänzen: Am 29. Mai trifft die Slowakei in Augsburg auf Deutschland. Das Freundschaftsspiel wäre die perfekte Bühne für den Mann mit deutschem und slowakischem Pass. Das Turnier bedeutet ihm viel: „Ich würde mich tierisch freuen, bei der EM dabei zu sein, jetzt fast zum Ende der Karriere noch mal ein großes Turnier zu spielen“, sagt Guédé.

Wie wahrscheinlich i
st es, dass Karim Guédé sein Land am 10. Juli zum EM-Sieg schießt? „Man muss realistisch sein“, sagt er und lacht. „Wir dürfen alles erreichen, haben keinen Druck“, sagt er aber auch. Im Fußball soll ja alles möglich sein. Oder hätte jemand 2004 auf Griechenland getippt?

 

 

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