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Musik & Medien

Mein Beruf: League-of-Legends-Zocker

Ob auf Smartphone, Konsole oder Computer – zocken gehört für viele zum Alltag. Für den deutschen Christoph Seitz („nRated“ / Titelbild) ist es sogar ein gut bezahlter Vollzeitjob. Mit dem Kölner SK-Gaming-Team ist er weltweit bei League of Legends-Meisterschaften am Start. Bei Wettkämpfen kann er bis zu zehn Millionen US-Dollar gewinnen. Die sind für den Freiburger Marcel Franke unerreichbar: Er ist Hobbyspieler.

 
 

Lichtblitze zucken durch die Kluft der Beschwörer. In einem Wirbel aus fliegenden Dolchen und Energiekugeln werden die Gegner zu Fall gebracht. „Ace!“, raunt die Systemstimme. Die Verteidiger haben keinen Ausweg mehr. Ein letzter Pfeilhagel bringt ihre Basis zum Einsturz. Der Bildschirm verdunkelt sich. „Victory!“ leuchtet wie eine Medaille über dem Schlachtfeld. „GG – good game!“, gratulieren sich die siegreichen Spieler im Chat.


Mit 27 Millionen Spielern pro Tag zählt League of Legends (LoL) zu den beliebtesten Videospielen weltweit. Einer der Zocker ist der gebürtige Kaiserslauterner Christoph Seitz (23). Als „nRated“ hat er sich einen Namen gemacht: Seitz hat rund 16.000 Facebook-Likes und 39.000 Follower auf Twitter. Er hat geschafft, wovon viele träumen: sein Hobby zum Beruf zu machen. Wie das gehen kann? Mit Ehrgeiz und der Lust, sich mit anderen zu messen, sagt Seitz. So feierte er Erfolge und kam in das Kölner SK-Gaming-Team. Mit dem nimmt er an Wettkämpfen der League of Legends Championship Series (LCS) teil, einer europäischen und nordamerikanischen E-Sport-Profiliga.


Zwischen acht und vierzehn Stunden zockt Seitz täglich mit seinen vier Teamkollegen im Gaming-House in Berlin, berichtet er dem f79 im E-Mail-Interview. Zeit zum Telefonieren hat er keine – er muss schließlich zocken. Seitz vergleicht das Leben im Gaming House mit einer internationalen Studenten-WG. Für seine Leistung als Profispieler erhält „nRated“ ein monatliches Gehalt. „Es ist genug, um die Brötchen nach Hause zu bringen“, verrät er. Er könne sogar etwas zur Seite legen. Obwohl sein Umfeld anfangs skeptisch gewesen sei, hätten seine Zielstrebigkeit und die Preisgelder die Gemüter schnell besänftigt.

Pathetisch: League of Legends bietet große Schlachten.

„Es gibt als konstanten Faktor den Leistungsdruck, Stress und die Haltung, dass man die Erwartungen erfüllen muss“, sagt Seitz. Für immer will er nicht in dem Beruf bleiben, denn Hobbys und Beziehungen leiden darunter, sagt nRated. „Es ist ein Traum, dem man eine gewisse Zeit Vorrang in seinem Leben gibt, und versucht damit möglichst viel zu erreichen. Ich sehe es aber eher als eine Sprosse auf der beruflichen Leiter“, betont Seitz. Von seinen Ersparnissen plant er ein Studium in Richtung Medienwissenschaften. Beruflich möchte er später im Bereich E-Sport bleiben.

Im E-Sport sieht er großes Potential. Das sei eine neue Möglichkeit, auf einer anderen Ebene in Wettbewerb zu treten. Seitz erhofft sich mehr „Mainstream-Akzeptanz“ und Ansehen für seinen Sport. Ob er ein verstrahlter Nerd ist? Er wiegelt ab, das treffe nur selten zu: „Die meisten professionellen Spieler sind normale Menschen.“

Normal zeigt sich auch der Freiburger Hobbyspieler Marcel Franke. Der 19-jährige VWL-Student zockt täglich – mal mehr, mal weniger. Ein Leben als Profi kann er sich nicht vorstellen: „Das wäre mir zu anstrengend, auch zu stumpf. Das Spiel würde für mich an Emotion verlieren. Ich spiele nur zum Spaß.“ Trotzdem verbinden ihn, Seitz und die restlichen 27 Millionen die Faszination an LoL. Das Erfolgsgeheimnis des Spiels ist für Profi Seitz und Amateur Franke die Vielseitigkeit. „Jedes Spiel, in dem man als ‚Underdog‘ gegen Favoriten ins Feld zieht, ist ein emotionsgeladener Moment“, schwärmt Seitz. „Jedes Spiel ist einzigartig und fordert daher Anpassungsfähigkeit, strategisches Denken und Koordination“, sagt Franke.

„Defeat!“ flackert über den Bildschirm. „BG – bad game!“, klagen die Verlierer enttäuscht. Es hagelt Vorwürfe und Kritik im Chat. Während manche ihren Frust an den Mitspielern auslassen, akzeptieren andere die Niederlage und gestehen ihre Fehler ein. Franke nimmt Niederlagen gelassen: „Man kann ganz viel für sich selber lernen: den Umgang mit anderen Mitspielern und mit Kritik. Das geht aber nur, wenn man die Fähigkeit zur Reflexion hat.“ Für Seitz geht’s um viel mehr: „E-Sport hat die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen. Man wird sehr schell sehr hoch gehoben und genauso schnell fällt man eben auf den harten Boden der Realität."

Hobbyspieler: Der Freiburger Marcel Franke will gar kein Profi werden.

Info


League of Legends (LoL) ist ein Multiplayer-Online-Battle-Arena-Spiel. Zwei Teams mit je fünf Leuten stehen sich dabei gegenüber. Jeder sucht sich einen der mehr als 100 LoL-Champions aus – egal ob Magier, Monster oder Krieger. Eine Partie dauert circa 20 bis 45 Minuten. Das Spiel ist gewonnen, wenn die gegnerische Basis zerstört ist.

 
 

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