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Job & Karriere

Abbruch, Auszeit, Ausbildung: Fabians spätes Glück

Die Qual der Berufswahl: Jeder vierte Bachelorstudent bricht sein Studium ab. Auch der Gundelfinger Fabian (Titelbild) hat zweimal sein Studium geschmissen. Ute Benninghofen von der Zentralen Studienberatung der Universität Freiburg (ZSB) kennt viele solcher Fälle – und weiß, was man dagegen tun kann.

 
 

Zweimal hat Fabian ein Studium begonnen, zweimal hat der 28-Jährige es wieder abgebrochen. Wenn er heute zurückblickt, merkt er: Von Anfang hat er an der Studienwahl gezweifelt.

Aber von vorne: Im Sommer 2007 macht Fabian Abitur, dann Zivildienst. Im Wintersemester 2009 entscheidet er sich kurzerhand für das Studium „Medien- und Kommunikationstechnik“ in Kaiserslautern. Nach vier Semestern bricht er unmotiviert ab. Der Druck steigt, die Eltern nicht zu enttäuschen.

Im Sommersemester 2012 schreibt sich der 28-Jährige für ein Studium als Grundschullehrer an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg ein. Wieder bricht er ab. „Ich konnte mich nicht in dem Beruf sehen. Und mit dem Studium konnte ich mich sowieso nicht anfreunden“, sagt Fabian. Immerhin weiß er jetzt: Er studiert einfach nicht gerne.

Er flüchtet sich in einen Nebenjob als Kellner in einem Freiburger Restaurant. Eines Tages bietet seine Chefin ihm eine Ausbildung zum Restaurantfachmann an. Er nimmt das Angebot an. „Ich mache jetzt etwas, das von den Qualifikationen her unter meinem Niveau liegt“, gibt Fabian zu, „aber das macht mich glücklicher als alles andere, was mich bisher mehr gefordert hat.“

 

Erfahren: Ute Benninghofen von der Uni Freiburg berät eine Studentin.

 

Solch ein Fall ist nicht selten, sagt Ute Benninghofen von der Zentralen Studienberatung der Universität Freiburg. Die Vorstandsvorsitzende des Berufsverbands für Studien- und Laufbahnberatung, Orientierung und Information an Hochschulen in Baden-Württemberg (BS) und ihre Kollegen würden sich allerdings freuen, wenn sich Ratsuchende nicht erst melden, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist: „Man darf auch schon kommen, wenn man merkt, man fühlt sich nicht wohl im gewählten Studium, irgendetwas stimmt nicht.“

Ein Grund für die vielen Studienabbrecher ist für Benninghofen die Umstellung auf Bachelor und Master: Die Zahl der Studienoptionen habe zugenommen. Alleine das in den Schulen ausgegebene Buch „Studien- und Berufswahl“ von A bis Z durchzublättern und auf eine Erleuchtung zu warten, sei da ein falscher Ansatz. In Deutschland gebe es rund 19.000 Studiengänge.

Benninghofen empfiehlt, in sich hineinzuhorchen. Sie rät zur Frage: „Was bin ich für ein Mensch, was passt zu mir?“ Hat man sich doch verwählt, müsse man souverän mit einem Abbruch umgehen. „Keine Entscheidung ist unumkehrbar, und eine vermeintlich falsche Entscheidung ist nicht nur negativ“, macht Benninghofen Mut.

Fabian bereut seinen Weg nicht, auch wenn er viel Zeit gekostet habe. Sein Tipp an Ratsuchende: Manchmal kann es von Vorteil sein, in unterschiedliche Bereiche reinzuschnuppern. „Man muss unbedingt von diesem unbewussten Stress wegkommen“, sagt Fabian. Es anderen gleichzutun und nach Schema F „So machen es alle“ zu gehen, sei falsch.

 

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