Drucken

Leute & Leben

Mode für FAIRbraucher // Ethisch korrekt produzierte Klamotten können auch gut aussehen

Wir kaufen oft neue Kleider ein. Und jeder kennt das Gefühl, wenn man in einem Geschäft steht und ein schönes, neues und günstiges Teil entdeckt. Dabei denken wir so gut wie nie daran, unter welchen Bedingungen diese Sachen produziert wurden. Offenbar glauben die meisten, dass fair produzierte Kleidung zu teuer oder nicht schön sei. Lilith Kuhn, weiß hingegen genau, dass solche Klamotten cool und gerecht zugleich sein können. Sie weiß aber auch, wie die Kleider mit dem guten Gewissen entstehen und wo sie herkommen. Die 24-Jährige arbeitet beim Freiburger Unternehmen „Zündstoff“, welches fair produzierte und optisch ansprechende Bekleidung verkauft. Aber auch das junge Freiburger Label „fairjeans“, für welches Walter Blauth abreitet, zeigt mit seinen Hosen, dass Mode auch nachhaltig sein kann.

 
 

„Die faire Produktion von allem ist wichtig“, unterstreicht Lilith Kuhn, dass Menschlichkeit für sie allerdings nicht bei der Klamottenherstellung aufhört. „Faire Produktion“ – das beinhaltet unter anderem faire Arbeitsbedingungen für alle Angestellten, die bei der Herstellung beteiligt sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Baumwollpflücker, Näher oder Verkäufer handelt. Für die Hersteller von Fair-Trade-Waren ist es wichtig, dass die Arbeiter eine gerechte Vergütung, angemessene Arbeitszeiten, gute und sichere Arbeitsplätze, wie auch gegebenenfalls Schutzkleidung erhalten. Ferner ist Kinderarbeit bei einer fairen Produktion ein absolutes Tabu.

 


Was zudem viele nicht wissen: Faire Produktion ist auch gut für die Umwelt. Gerade Pestizide, welche beim Anbau von Baumwolle zum Einsatz kommen, sind nicht nur schädlich für die Arbeiter auf den Feldern, sondern auch für die Natur. Zudem werden beispielsweise beim Bedrucken von T-Shirts viele Chemikalien verwendet, welche die Umwelt ebenfalls belasten. „Es gibt bei unserer fairen Jeans keine Bleichung und keine chemische Behandlung“, so Blauth vom Freiburger Label fairjeans, „dadurch wird unglaublich viel Wasser verschmutzt.“


Auch der Transportweg, den ein Produkt und seine Bestandteile zurücklegen, ist entscheidend: Werden Stoffe über tausende Kilometer angekarrt, entsteht dabei ein hoher CO2-Ausstoß. Wie man dem entgegenwirken kann weiß der fairjeans-Mitarbeiter genau: „Unsere Produktionsstandorte befinden sich in Europa, dadurch legen unsere Waren nur einen kurzen Weg zurück.“

 


Ein weiterer Aspekt ist der Tierschutz.
„Nach unserem Verständnis gehört es zum Umweltschutz dazu, dass man auch mit Tieren gut umgeht“, meint Kuhn von Zündstoff, „Es gibt viele Leute die sagen, dass sie nichts kaufen oder konsumieren wollen, wofür Tiere sterben. Gerade bei Schuhen wird ja viel Leder benötigt. Deshalb versuchen wir immer, dass wir auch ein paar vegane Teile als Alternative anbieten können.“

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser


Da man nicht immer davon ausgehen kann, dass die Unternehmen, welche angeben fair zu produzieren, auch wirklich alle Bedingungen einhalten, sind allerdings Kontrollen notwendig. Diese werden von unabhängigen Organisationen durchgeführt, welche keine kommerziellen Ziele verfolgen. Beispiele dafür sind die Fair Wear Foundation (FWF) und die World Fair Trade Organization (WFO). Diese Organisationen setzen Standards, wie zum Beispiel den Global Organic Textile Standard (GOTS), welche die Unternehmen einhalten müssen, um die Siegel und Zertifikationen zu erhalten. Auch Lilith Kuhn glaubt, dass Kontrolle wichtig ist: „Allgemein ist es einfach so, dass wir mit den jeweiligen Gründern der einzelnen Labels viel im Kontakt stehen und man sich auch immer wieder bei den Fashion Weeks sieht. Dann wird immer nachgefragt und wir verlangen die Siegel.“

 


Aber auch Besichtigungen vor Ort sind aufschlussreich um sich über die Produktion zu informieren. So erzählt die Zündstoff-Mitarbeiterin, wie die Gründer der Firma vor Ort in Nicaragua waren und sich die Herstellung einer hauseigenen Marke genauer angesehen haben. Aber auch das Freiburger Unternehmen fairjeans setzt auf eine Kontrolle vor Ort wie Blauth zu berichten weiß: „Wir haben die Produktionsstandorte in Europa besucht und uns alles angeschaut. Die Näherinnen haben genug Platz, der Raum ist belüftet, die Bezahlung ist angemessen. Es ist fantastisch.“

Fair-Trade als Zukunftsmodell


Am Ende der Fair-Trade-Kette stehen dann die Verbraucher aus der ersten Welt. „Hauptsächlich kommen jüngere Leute zu uns, aber wir haben tatsächlich Kunden aus allen Altersbereichen“, beschreibt Lilith Kuhn die Personengruppen, die man häufig im Laden in der Moltkestraße antreffen kann. Ob sich die Fair-Trade Mode auch in Zukunft durchsetzen wird, hänge vor allem von den Käufern ab: „Die Konsumenten müssen für sich entscheiden, ob ihnen Menschlichkeit wichtiger ist als der niedrigste Preis. Der Großteil der Firmen wird sich nicht freiwillig mehr Stress und mehr Arbeit machen“, beurteilt die 24-Jährige die Chancen der fairen Kleidung. „Im Gegensatz zu anderen Marken sind wir außerdem gar nicht so teuer“, entgegnet Kuhn kritischen Stimmen, welche behaupten, das fair produzierte Klamotten zu teuer sind. Für Blauth ist die Sache hingegen klarer: „Die Bio-Mode ist auf jeden Fall ein Zukunftsmodell. Die Leute wollen wissen, was sie tragen.“

 
Kommentar(e) (0)
 

Kalender

June 2017:

Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat
1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30
 

Schlagwörter