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Leute & Leben

Gemüseglück: Zwei Freiburger leben fleischlos

In Deutschland wird deutlich mehr Fleisch produziert als nötig. Im Jahr 2013 lebten und starben rund 839 Millionen Tiere in Massentierhaltung. Die Freiburger Schüler Lionel (17) und Lena (15) machen dabei nicht mehr mit. Sie leben seit sechs Wochen vegetarisch und berichten, wie das für sie ist.

 
 

Was uns überzeugt hat


Lena und Lionel: Wir haben uns dafür entschieden, kein Fleisch mehr zu essen, wobei wir Menschen, die es tun, nicht grundsätzlich verurteilen. Die grausame Behandlung von Tieren wollen wir nicht weiter unterstützen. Das enorme Leid, das Tiere aus Massentierhaltung erleben, wird durch nichts gerechtfertigt. Konsumenten haben außerdem kaum Einsicht in die Hintergründe dessen, was im Laden verkauft wird. Da Menschen ihr Verlangen nach Fleisch zurückstellen können, ist der Tod vieler Tiere vermeidbar. Uns ist es wichtiger, moralisch zu handeln als unseren kulinarischen Bedürfnissen nachzugehen.

Was uns schwerfiel


Lena: Als jemand, der nie viel Fleisch gegessen hat, schien der Umstieg nicht allzu schwer. Trotzdem war ich einige Male kurz davor, abzubrechen. Hatte ich dann aber widerstanden, fühlte ich mich umso besser. Ich habe mir immer ins Gedächtnis gerufen, wieso ich es überhaupt mache, was mir den Appetit verdorben hat. Kein Fleisch mehr zu essen hat mir Selbstdisziplin und viel Achtsamkeit abverlangt.

Lionel: Für mich als leidenschaftlicher Fleischesser war es kaum vorstellbar, auf meine heißgeliebten Steaks zu verzichten. Anfangs musste ich mir bei jeder Mahlzeit bewusst machen, dass ich jetzt Vegetarier bin, da Fleisch für mich alltäglich war. Auch heute noch ruft der Geruch Appetit in mir hervor. Außerdem fehlt mir der Geschmack. Unangenehm war es, wenn ich bei anderen gegessen habe. Man möchte keine Umstände machen, weil man kein Fleisch isst.

Das Schöne daran


Lena: Es fühlt sich richtig gut an zu wissen, dass man nicht weiter die grausame Behandlung von Tieren unterstützt. Da bei uns zu Hause generell kein Fleisch gegessen wird, ist es mir dort sehr leicht gefallen. Sonst hätte ich wohl größere Probleme gehabt. Nach einer Weile denkt man nicht mehr darüber nach. Vegetarisch zu essen wird zu etwas Selbstverständlichem. Außerdem gibt es eine ganze Reihe Lebensmittel, die Fleisch ersetzen sollen und die mir persönlich sehr gut schmecken. Zum Beispiel Tofuwürstchen.

Lionel: Mahlzeiten ohne Fleisch zu finden ist in der heutigen Lebensmittellandschaft kein Problem. Fleischersatzprodukte kommen für mich zwar überhaupt nicht an den Geschmack von Fleisch heran, trotzdem war es für mich einfacher als gedacht. Mir ist aufgefallen, wie unbewusst Fleisch in Massen konsumiert wird und wie wenige Menschen sich für dessen Herkunft interessieren.

Wie das Umfeld reagiert


Lena: Meine Mutter, die selber Vegetarierin ist, hat positiv reagiert und mich unterstützt. Meine Freunde, von denen mehrere auch Vegetarier sind, haben mich nicht darauf angesprochen. Ich hatte es ihnen nicht erzählt, um den Druck für mich nicht zu erhöhen. Sie würden mich aber sicher ebenfalls unterstützen.


Lionel: Von Freunden wurde ich wenig unterstützt, da die meisten Vegetarismus eher ablehnen. Meine Mutter konnte die Entscheidung gut nachvollziehen. Sie hat mir geholfen, indem sie demensprechend eingekauft hat. Vereinzelt gab es auch Leute mit ähnlichen Ansichten. Sie finden meinen Fleischverzicht gut und respektieren mich für den Entschluss.

Wie es weitergeht


Lena und Lionel: Wir wollen uns weiter fleischlos ernähren. Veganismus kommt für uns zur Zeit aber nicht in Frage. Auch Tiere, die zum Beispiel für Milch und Eier gehalten werden, leben zwar oft in Schmerzen und unter schlechten Bedingungen. Es ist jedoch deutlich aufwendiger, Veganer zu sein. Falls wir nicht durchhalten und doch einmal wieder Fleisch essen, werden wir auf artgerechte Haltung der Tiere und Herkunft des gekauften Fleischs achten. Das ist das Mindeste, was man tun kann.

 

Info

Fakten zur Fleischindustrie

Anzahl der geschlachteten Tiere in Deutschland (2014)

Hühner:    638 Mio.
Schweine:    58,7 Mio.
Rinder:    3,5  Mio.
Schafe:    986 000

Durchschnittlicher Fleischkonsum pro Jahr/Kopf (2009)

Deutschland:    88 kg
Weltweit:     42 kg
In Indien:    4,4 kg

Quellen: Statistisches Bundesamt/ Welt­ernährungs­organisation FAO

Probleme der Massentierhaltung

In Massentierhaltung werden Grundbedürfnisse der Tiere ignoriert. Sie haben kaum Platz, wodurch sie sich oft verletzen oder wunde Stellen bekommen. Laut der Albert Schweitzer Stiftung werden Tiere gewaltsam an die Käfige angepasst. Ihnen werden ohne Betäubung zum Beispiel Hörner oder Schnabel gestutzt oder abgetrennt. Es kann aufgrund dieser Lebensweise zu Verhaltensstörungen kommen. Im Übrigen verbreiten  Krankheiten sich schneller auf engem Raum. Man verabreicht den Tieren deswegen Antibiotika. Der Verzehr dieses Fleischs kann bei Menschen zu einer Antibiotika-Resistenz führen.

 
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