Drucken

Leute & Leben

Laura und Emilia: die Staub-Poetinnen

Von wegen Flusen im Kopf: 730 Texte zum Thema „Staub“ sind für den „THEO – Berlin-Brandenburgischer Preis für Junge Literatur“ eingereicht worden. Gleich zwei Freiburgerinnen waren im April unter den zwölf Finalisten: Emilia Hummel (links, 15) und Laura Bärtle (17). f79-Autorin Jule Fröhlich hat die beiden zum Interview getroffen. Sie erzählen von Laptopabstürzen, Inspiration und warum sie gerne mal ein Fisch oder ein Zug sein wollen.

 
 

f79: Laura, wie kamst du zum Schreiben?

Laura: Ich habe jetzt nicht den einen Zeitpunkt gehabt, an dem ich dachte, ich schreibe ein Buch. Ich habe schon immer gerne Aufsätze geschrieben und Bücher gelesen. Irgendwann haben mir die Bücher nicht mehr so gut gefallen. Dann dachte ich mir, mach' ich es besser (lacht). Ich weiß nicht, ob es klappt, aber seither schreibe ich eben gerne.



f79: Emilia, gibt es Dinge über die du am liebsten schreibt?

Emilia: Ich schreibe gerne über außergewöhnliche Menschen. Menschen mit besonderen Eigenschaften, die etwas abgedreht sind.



f79: Habt ihr einen Plan, bevor ihr anfangt zu schreiben?

Emilia: Ich schreibe sehr impulsiv. Also weder geplant, noch anderweitig strukturiert. Ich fange an, bin dann nach ungefähr einer halben Stunde fertig, lese es dann nochmal durch und das war’s.

Laura: Pläne kommen eh immer anders, als man sie plant. Deshalb hab’ ich es aufgegeben.

 

Smog-Alarm: Hat etwa der Staub in Bangkok die Theopreis-Texter inspiriert?



f79: Wie kamt ihr zum Theo-Preis?

Laura: Es gibt die Seite www.autorenwelt.de, auf der sind ganz viele Wettbewerbe aufgelistet. Manchmal habe ich so Schübe, da will ich unbedingt irgendwo mitmachen. Dann bewerbe ich mich bei so fünf, sechs Sachen und manchmal klappt es.

 


f79: Wann schreibt ihr Eure Texte?

Laura: Ich bekomme oft um 11 Uhr abends eine Schreibattacke. Da muss man nirgendwo mehr hin und kann schön schreiben.

Emilia: Das variiert bei mir. Im Unterricht, manchmal auch nachts.



f79: Was ist denn schwierig beim Schreiben?

Emilia: Beim Schreiben meines Theo-Textes war das Problem beispielsweise mein Laptop, er ist abgestürzt.

Laura: Ich glaube, vor allem das Lesen danach bremst, wenn man merkt, dass das was man geschrieben hat, totaler Quatsch ist.



f79: Laura, woher nimmst du deine Inspiration?

Laura: Meistens von Dingen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Etwas bringt mich dazu, darüber zu schreiben, wenn es mich nicht mehr loslässt. Das kann ein seltsames Gespräch in der Bahn sein, ein interessanter Gedanke, eine Frage, eine Geschichte, ein aufgeschnappter Satz oder eine bestimmte Atmosphäre. Das Schreiben ist eine intensivere Auseinandersetzung mit alldem.



f79: Emilia, wie viel deiner Geschichten ist autobiografisch?

Emilia: Eigentlich alles. Über irgendwas, das ich nicht kenne, will ich nicht schreiben. Also es kommt schon alles so von mir.



f79: Wenn ich im Deutschunterricht die Texte interpretieren muss, frage ich mich oft, ob die Autoren selber auf die Stilmittel geachtet haben. Emilia, machst du das?

Emilia: Das ist eine sehr interessante Frage. Ich achte darauf, nicht darauf zu achten. Damit die Interpretation im Auge des Betrachters liegt.

 

Vertieft: Emilia und Laua in der Bibliothek des Historischen Seminars der Uni Freiburg



f79: Würde euch negative Kritik etwas ausmachen?

Emilia: Nein ich glaube nicht. Texte sind so persönlich und auch die Meinungen sind so persönlich, das darf jeder für sich entscheiden. Meinen Eltern zeige ich die Texte nicht.

Laura: Ich auch nicht. Das wäre mir unangenehm.



f79: Wollt ihr später Autorin werden?

Laura: Das ist schwierig. Ich weiß ja nicht, ob schreiben noch mein Hobby sein kann, wenn es mein Job ist. Aber ich würde es schon gerne zum Beruf machen. Ich habe jetzt auch keinen Alternativplan.

Emilia: Ich möchte Sprache an sich in meinen Beruf involvieren. Das muss nicht unbedingt Deutsch sein, es muss auch nicht kreatives Schreiben sein.



f79: Würdet ihr gerne mal ein ganzes Buch schreiben?

Emilia: Ich glaube, das würde keiner lesen wollen. Es ist unglaublich schwer, eine Handlung zu finden, die spannend und gut aufgezogen bleibt.



f79: Wenn ihr einen Tag lang eine Figur aus einem Buch sein könntet, welche wäre es?

Emilia: Ich bin kein großer Harry-Potter-Fan, aber ich wäre gerne der Zug, der nach Hogwarts fährt. Ich wollte schon immer mal ein Zug sein.

Laura: Ich wäre gerne mal ein Fisch. Wie „Nemo“ aus „Findet Nemo“. Ich finde diese Disney-Unterwasserwelt so schön.

INFO

Emilias Text trägt den Titel „Staub“. Er handelt vom Staub der Resignation und den Drogen als Gegenmittel. Ihr könnt ihn hier auf f79.de lesen.

Lauras nominierter Text heißt „Ein sehr gewöhnungsbedürftiges Grün“. Sie hat ihn beim Projekt „Das Haus“ im Literaturbüro Freiburg geschrieben. Auch Lauras Text könnt ihr hier auf f79.de lesen.

 

 

Das Haus
Zwölf junge Autorinnen schreiben bei „Das Haus“ über mehrere Monate Texte zu einem von den Teilnehmerinnen imaginierten 
Haus und seinen Bewohnern. Die Ergebnisse werden am 17. Juli bei einer szenisch-literarischen Präsentation im Theater im Marienbad präsentiert. Das Projekt wird von der Baden-Württemberg Stiftung finanziert.

Projektleiterin Marie T. Martin über Laura Bärtle: Ich kenne Laura auch schon aus der Schreibcouch 14 plus, an der sie engagiert teilgenommen hat und in der schon sehr schöne Texte entstanden sind. Der jetzige Wettbewerbstext entstand in der Auseinandersetzung mit dem von Laura erfundenen Hausbewohner, der auf einem grünen Sofa wohnt und immer auf der Suche nach Arbeit ist. Zu diesem Bewohner sind schon mehrere sehr gelungene Texte entstanden und er hat ein Eigenleben entwickelt - wie das im besten Falle mit literarischen Figuren so ist! Schon die Nominierung ist eine Auszeichnung.

 

Mehr dazu

 

 
Kommentar(e) (0)
 

Kalender

May 2017:

Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
 

Schlagwörter