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Leute & Leben

Bei „Dance aWay“ erzählen junge Geflüchtete mit Hip Hop ihre Geschichte

„Tanzen ist Medizin.“ Da ist sich Islam Seddiki sicher. Deshalb trainiert der 25-Jährige ehrenamtlich mit jungen Geflüchteten. Momentan sogar fünfmal die Woche. Denn die Jugendlichen haben ein Ziel: Im März werden sie im E-Werk auftreten. Mit einer Mischung aus Hip Hop und Artistik, Schauspiel und zeitgenössischem Tanz. Herzstück der Show sind aufgezeichnete Interviews, in denen die Jugendlichen von ihrer Flucht und ihrem Leben in Freiburg erzählen.

 
 

Der Bass dröhnt aus den Lautsprechern des kleinen Übungsraums im Kepler Gymnasium. Sieben Jugendliche und zwei junge Breakdancer stützen sich mit Händen und Kopf auf dem Boden ab, die Beine seitlich in die Luft gestreckt. Seddiki steht vor der Gruppe und klatscht: „Das sah gut aus. Kurze Pause.“

Die Jugendlichen dehnen sich, üben nochmal einen Move, lachen und scherzen. „Am Anfang war das noch ganz anders“, erzählt Seddiki. „Sie waren so schüchtern, hatten keinerlei Selbstvertrauen.“ Der Trainer weiß aus eigener Erfahrung, was Tanz bewirken kann. Mit fünf Jahren kam er aus Algerien nach Deutschland. Eine schwere Zeit für den Jungen. Als Jugendlicher fing er an, sich per Youtube erste Hip-Hop-Schritte beizubringen. „Durch Tanzen habe ich meinen inneren Frieden gefunden“, sagt er heute.



Mit ganzem Herzen dabei: Die drei „Dance aWay“-Macher Nino Böhm, Arnold Nuss und Islam Seddiki (von links nach rechts).


Über den Tanz kam er auch zum Verein „HipHop 4 Hope“, der Jugendliche in den Slums der Philippinen mit Tanz von Straßengewalt, Drogen und Alkohol abbringen will. „Als immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war uns aber schnell klar, dass wir auch hier etwas tun müssen“, sagt Seddiki.

Zu seinem ersten Training mit Geflüchteten kamen 68 Kinder und Jugendliche: „Wir konnten uns kaum bewegen.“ Mittlerweile hat sich ein Kern aus sechs Tänzern herausgebildet. Ihre ersten Auftritte hatten sie im vergangenen Jahr im E-Werk. Nun wollen sie mit „Dance aWay“ nochmal einen drauflegen.

Dafür gab es gerade vom Kulturamt Freiburg eine Förderung von 4000 Euro. „Die Show wird um einiges professioneller“, sagt Seddiki. Unterstützt wird er von den beiden Breakdance-Profis Arnold Nuss und Nino Böhm, die nicht nur die Choreografie mitgestaltet haben, sondern auch selbst mittanzen.

Auch die Interviewsequenzen seien nun „viel intensiver“, da die Jugendlichen mittlerweile gut Deutsch sprechen. Es geht dabei um ihre Flucht, aber auch um ihr tägliches Leben in Freiburg: Wie sie von Mitschülern ignoriert werden. Wie man in der Straßenbahn über sie tuschelt. Wie schwer es für sie ist, Freunde zu finden. Einmal sei einer der Jugendlichen mit blauem Auge bei der Probe aufgetaucht: Er hatte einer älteren Dame in der Straßenbahn keinen Platz gemacht. Daraufhin wurde er von Mitfahrern verprügelt.

„Am Anfang habe ich jede Woche solche Geschichten gehört“, erzählt Seddiki, „mittlerweile ist es viel besser.“ Oft seien die Jugendlichen in Tränen ausgebrochen, aus dem Raum gerannt. „Wir haben dann aufgehört zu reden und einfach getanzt“, erinnert sich der junge Tanzlehrer. „Das hat geholfen, die Gefühle rauszulassen.“

 

INFOS

Tanztheater
Dance aWay – Flucht zum Frieden?
22. bis 24. März, E-Werk Freiburg

 

 

 

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