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Musik & Medien

Jung, laut, hungrig: Fünf Freiburger Nachwuchsbands wollen hoch hinaus

Viele Stile, ein Ziel: Fünf junge Bands aus Freiburg und der Umgebung nehmen aktuell am Förderprogramm Band-Paten(t) teil. Seit März bekommen sie Workshops angeboten und kriegen Tipps ihrer Patenbands, zu denen Größen wie die Freiburger Funkband Fatcat gehören. Das Projekt kennt am Ende nur Gewinner: Alle Musiker rocken am 15. Januar beim Abschlusskonzert das Jazzhaus. f79-Autorin Lisa Hörig hat die Gruppen im Vorfeld unter die Lupe genommen.

 
 

Lisa hat bei ihrer Recherche aufstrebende Musiker verschiedener Genres getroffen: HipHop, Indiepop, Rock und sogar Schlager-Heavymetal sind dabei. Genauso groß ist die Bandbreite in Sachen Erfahrung: Während HandinHand aus Lörrach schon einen Plattenvertrag in der Tasche haben, stehen die Rocker von BadCase noch ohne Hörproben da. Oder wollen sie zumindest nicht rausgeben. Eine Marketingcoup? Spätestens beim Showdown im Jazzhaus Mitte Januar werden die fünf Musiker liefern müssen.

 

Endlessstory (HipHop)

„Die einzigen Freiburger, die modernen Rap machen“

 

1 Mixtape, 2 EPs, 5 Jungs, 35 Auftritte: Die Freiburger bezeichnen ihre Musik als „ehrlichen Rap“. Ihre Musik ist selbstgemacht – egal ob Text, Aufnahme oder Mastering „Das macht uns aus“, sagt Rapper Sebi lässig. Ihr Nachname sei dabei so geheim wie ihr Erfolgsrezept.

Für die Rapcrew ist Musik mehr als ein Hobby, sie beschäftigt die Studenten und Berufstätigen rund um die Uhr. Ins Band-Paten(t) sind Endlessstory „reingerutscht“. Mit ihren Paten, der HipHop-Gruppe „Zweierpasch“, verbindet sie die Motivation, musika­lisch gute Ergebnisse abzuliefern. Nicht bei allen läuft der Austausch so regelmäßig.

Musikalisch haben Endlessstory schon einiges vorzuweisen: Besonders das fast 15.000 Mal geklickte Musikvideo zum Song „MDMA“ hat Ohrwurmpotenzial. Dicke Sprüche gibt’s nicht nur da: „Wir sind die einzigen Freiburger, die modernen Rap machen“, sagen Endlessstory. Wer die Jungs hinter der Musik erleben möchte, darf sie gerne auch privat treffen: „Du wirst es nicht bereuen!“, wie die Jungs lachend im Chor versprechen.

 

HandinHand (Indiepop)

„Authentisch, aussagekräftig, anders“

 

Die fünf Jungs aus Lörrach spielen Indiepop. „Anders“ sind vor allem ihre Texte, die vom Leben erzählen: Die Songs handeln von Liebe, Freundschaft und dass man niemals aufgeben soll, egal was passiert. Dadurch wollen HandinHand ihren Hörern mehr mitgeben als einen bloßen Ohrwurm.

Ihr größtes Vorbild ist Philipp Poisel – lyrisch und musikalisch. Um genauso erfolgreich zu werden, geben sie alles. „Musik ist der zweite Teil von uns“, erklärt Frontsänger Niklas Dunke. Eine Nachwuchsband sind die Lörracher nur noch bedingt: Einen Labeldeal mit Timezone Records haben sie in der Tasche und das Album „Gedankenstrom“ ist veröffentlicht. So sind sie dem Erfolg ein Stück näher gekommen. 2017 möchten HandinHand endgültig durchstarten: „Wir wollen eine Tour machen und auf größeren Bühnen spielen“, sagt Niklas.

 

BadCase (Rock)

„Was mit den Kumpels reißen“

 

Nicht nur Musiker sind die fünf Jungs, sondern auch Freunde. Ihr Ziel: das Hobby zum Beruf machen. Doch nicht ohne Sicherheit: Neben der Musik arbeiten oder studieren die Musiker, die alle 21 Jahre alt sind. „Zur Absicherung“, wie Sänger Tim verrät. Der singt nicht nur, sondern schreibt auch die Lieder der Band: „Wir hatten viele Bandmitgliederwechsel, trotzdem ist unsere Musik gleich geblieben.“ Zwischen Rockballade und härteren Songs sei alles dabei, was das Rockerherz höher schlagen lässt. Online kann man die Musik der Jungs bisher noch nicht hören. Auch fürs f79 gibt’s keine Hörproben.

Fokussieren möchten sie sich in nächster Zeit auf die Suche nach Auftritten. „In Freiburg ist das aber ein bisschen schwieriger“, erzählt Tim. Die Musikrichtung sei kaum vertreten, es gebe wenig gute Nachwuchsbands.

Vorgenommen haben sich die Jungs viel: Sie möchten sich mehr auf Social Media zeigen und ihre Musik veröffentlichen. Ein Videodreh sei geplant. Live spielen die Freunde immer noch am liebsten. Der Wunsch, bald große Bühnen zu rocken, ist groß: „Wir haben Blut geleckt und wollen besser werden“, sagt Tim.

 

Egal (Heavy-Metal-Schlager)

„In erster Linie eine Liveband“

 

Ihre Musik bezeichnen die vier Jungs als „Heavy-Metal-Schlager“. Und der geht sofort ins Blut: Die schnellen Songs stecken die Zuschauer sofort an. Während die vier Freiburger auf der Bühne headbangen und rumspringen, spielen sie fast mühelos ihre Setlist runter. So auch im November beim Auftritt im KTS Freiburg. Obwohl manche Songs noch keinen Namen haben, kommen sie super an. So gut, dass eine zweite EP in Planung ist.

Die deutschen Texte sind meist fiktiv. „Es ist nicht so, dass mich ein Mädchen verlässt und ich dann einen traurigen Song schreibe“, sagt Sänger Kevin schmunzelnd. Beeinflusst habe sie gitarrenlastige Musik. Die hören alle aus der Band am liebsten. „Ansonsten machen wir unser eigenes Ding“, erklärt Kevin. „Würden wir wie Green Day klingen, wären wir eine Coverband.“

Sich in ein Genre einzuordnen sei gerade deshalb schwer. „Unter Heavy-Metal-Schlager kann man sich wenigstens ein bisschen was vorstellen“, sagt Kevin. Was die Zukunft bringt, will er nicht verraten: „Folgt uns am besten auf allen Plattformen, es kommt was auf euch zu!“

 

General Confusion (Rock)

„Ganz nette Buben“

 

Musik von Jugendlichen für Jugendliche: Die Band „General Confusion“ ist gerade mit dem Abi fertig – jetzt wollen sich die 19-Jährigen voll auf die Musik konzentrieren. Ihre Songs richten sich an Gleichaltrige: „Wir machen eigentlich die typischen Jugendthemen“, sagt Jan Fräulin. Und das bereits seit 2013 recht erfolgreich: Ihre EP „Let the silence speak“ haben sie auf der Plattform Soundcloud veröffentlicht. „Weil wir euch lieben“, wie die vier Jungs dazuschrieben. Auffällig an ihrer Musik ist der hohe Instrumentalanteil. So kreieren die Jungs eine melancholische Atmosphäre.

Neue Ziele haben sie in nächster Zeit nicht im Kopf. Sie lassen alles auf sich zukommen. „Die entwickeln sich nebenbei“, erklären sie. Nach dem Abi haben die „netten Buben“ dafür auch mehr als genug Zeit.

 

Band-Paten(t)

Support auf dem Weg nach oben: Seit sieben Jahren bieten die Musikerinitiative Multicore und das Jugendbildungswerk das Förderprogramm Band-Paten(t) für Nachwuchsmusiker an. Musikgruppen aus Freiburg und dem Umland können sich dafür jährlich bewerben. Die Teilnahme ist kostenlos.

Wer aufgenommen wird, bekommt eine erfahrene Patenband aus dem gleichen Genre zugewiesen. Diese ist Ansprechpartner für Fragen und gibt ihre ­Erfahrungen weiter. Das klappt mal ­besser, mal schlechter, berichten die Musiker. „Die Hilfe muss eingefordert werden“, sagt Grischka Brand von Multicore. Auch Workshops sind Teil von Band-Paten(t). In diesem Jahr gibt es Coachings zu Rhythmus mit Bass und Schlagzeug, Gesangs- und Recordingtraining oder Marketingtipps. Einer der Leiter ist Tilo Buchholz, Profi­musiker der Freiburger Band „The Brothers“.

Mitmachen kann jede Band, deren Musiker im Schnitt nicht älter als 21 Jahre sind. Als Krönung gibt’s ein ­Abschlusskonzert, bei dem alle Bands ein 20-minütiges Set spielen können.

Andreas Beh, der bereits 2009 mit seiner damaligen Nachwuchsband „Civil Bang“ beim Band-Paten(t) dabei war, bestätigt: „Ich habe vor allem gelernt, die Band besser zu organisieren und zu strukturieren. Auf gelernte Sachen, wie zum Beispiel die Bewegungen bei der Bühnenpräsenz, achte ich noch bis heute.“

 

Info

Interessenten für das Band-Paten(t) 2017 können sich bei Tilo Fierravanti per Mail an fierravanti@jbw.de bewerben.

 

Gewinnspiel

f79 verlost 2x2 Karten für das Abschlusskonzert des Band-Paten(t)s im Jazzhaus Freiburg am Dienstag, 17. Januar 2017. Schickt bis Sonntag, 9. Januar 2017, eine E-Mail mit dem Stichwort "Bandpatent" an redaktion(at)f79.de. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

 

 

 

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