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Schule & Projekte

„Hier stellen wir die Lehrer ein“ – Methodos: Freiburger Jugendliche gründen ihre eigene Schule

Schon einmal etwas von Methodos gehört? Immer der gleiche alltägliche Schultrott, ständiges Auswendiglernen, der Einzelne geht im Urwald von Köpfen unter, und bloß keine Kritik an den Lehrern. Ist dieses System wirklich das Beste? Einige Freiburger Schüler hatten im Schuljahr 07/08 die Nase voll von diesem nicht enden wollenden Kreislauf und nahmen ihr Abitur selbst in die Hand. Sie gründeten „Methodos“ – ein Gegenmodell zur „normalen“ Schule, bei dem die Schüler den Schulalltag in die Hand nehmen, eigene Stundenpläne entwerfen, sich die Lehrer aussuchen, sogar die Unterrichtsräume selbst bestimmen und am Ende Abi machen – und das gar nicht mal so schlecht.

 
 

Wie oft regen sich Schüler über Lehrer auf? Fühlen sich benachteiligt, unfair behandelt oder gar falsch benotet? „Der Lehrer ist an meinen schlechten Noten schuld.“ Ein Satz, den man bestimmt nicht nur einmal in seinem Schülerleben hört. Bei Methodos ist diese Aussage ungültig. Man kann dort den Lehrern nicht einfach die Schuld in die Schuhe schieben, dort muss jeder seinen eigenen Zukunftsweg bauen. Ja, es gibt eine Alternative, um sein Abitur auch außerhalb großer Klassen zu bestehen, in kleinen Gruppen, derzeit etwa fünf Jugendliche, wird bei Methodos zusammen auf das Ziel Abitur hingearbeitet. Das Statement „Lehrer gegen Schüler“ ist hier total veraltet.

Lehrer gibt es zwar noch, aber die geben nicht den Ton an und spielen Dompteur, sondern haben vielmehr die Aufgabe von Fachberatern. Neue Lehrer müssen eine Art Aufnahmeprüfung bestehen, bei der entschieden wird, ob sie geeignet sind. Ohne eine Probestunde läuft hier gar nichts. Ein freundschaftliches Verhältnis zwischen dem Lehrer und den Schülern ist eine Faustregel. „Dies ist der Weg, wie ich mir Lernen immer erträumt habe“, sagt Dieter Markert, der derzeitige Mathelehrer der Gruppe, der eigentlich schon in Pension ist, das Projekt aber unterstützen möchte. Er findet das jetzige Schulsystem doof und würde jedem Schüler diese Art des Lernens empfehlen. Markert selbst würde, wenn er die Uhr zurückdrehen könnte, Methodos als alternative Schulform wählen. „Alles bloß eingetrichtert zu bekommen reicht in meinen Augen nicht aus“, spricht er aus Erfahrung. Finanziert wird die Neuidee für Oberstufenschüler, durch Spenden und die Geldbeutel der Schüler – oder deren Eltern.

Teamarbeit und Teamfähigkeit, Eigeninitiative und Eigenverantwortung sind ebenfalls Hauptziele von Methodos, die im weiteren Leben eine wichtige Rolle für Erfolg spielen. „Ich will mein Abitur selbstständig machen und meine Selbstdisziplin fördern“, sagt ein junger Interessent beim Tag der offenen Tür im Januar. Bei Methodos ist er dafür genau richtig. Hier kann jeder sein Glück selbst in die Hand nehmen und seinen Weg bestimmen. „Manchmal zweifelt man schon, ob man den richtigen Weg gewählt hat, man braucht schon ziemlich viel Selbstdisziplin“, berichtet die Methodos-Schülerin Eva Wittkemper, die ihr Abitur 2012 anstrebt.

In dieser Schule bekommen die Schüler keine Hausaufgaben und haben keinen Notenstress – hört sich nach dem reinsten Paradies an. Aber nur reines Vergnügen findet man hier auch nicht. Es gibt viel zu organisieren: Die Lehrer, die Räume, die Sponsoren und den Stundenplan selbst. Dabei handelt es sich nicht nur um einen einzigen Stundenplan. Er ändert sich jede Woche und wird abwechselnd von den Schülern entwickelt. Ohne Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen und Mut ist das „selbst gebastelte Abitur“ kaum zu schaffen. Jeder sollte sich vorher gut überlegen, ob er diese Aufgaben meistern kann, denn es ist kein Lehrer da, der kontrolliert, ob man lernt oder nicht. Kontinuierliches Lernen und Vorausplanen sind ein Muss. Und auch die Tatsache, plötzlich in einer Kleinstgruppe zu arbeiten, ist nicht immer leicht zu verdauen. „Manchmal vermisse ich die vielen Mitschüler um mich herum schon“, meint Eva „und Ungewissheit ist auch ein ständiger Begleiter.“

Der Durchschnitt aller Abiturienten von Methodos ist 2,4. Aber nicht jeder schafft das Abi: Es gab auch Schüler, die das Handtuch geworfen haben. „Klar gibt es auch welche, die abgebrochen haben, aber wo gibt es das nicht?“, fragt Mathelehrer Markert.

Wer Interesse hat, mitzumachen, kann sich unter methodos.ev@gmail.com melden.

www.methodos-ev.de

 
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