Drucken

Sport & Freizeit

Ben Leser aus Emmendingen besprüht Schulen und Wände – ganz legal

EKAS versteht seine Dosen und seine Dosen ihn. So wirkt es zumindest, wenn er seine Sprühdosen auspackt. Die passenden Caps und Farben herausgesucht, Atemmaske aufgesetzt – schon zieht er die ersten Linien auf der Wand. Seit etwa drei Jahren malt der 16-jährige Ben Leser alias EKAS (Foto) aus Emmendingen Graffiti. Und das so gut wie täglich. Ob auf Blättern, in sein Zeichenbuch oder auf Wänden. Gerade erst hat der Emmendinger seine Schule verschönert – ganz legal.

 
 

Für die einen ist Graffiti Kunst, für andere Schmiererei. Für Ben ist es eine Art zu leben. Er kennt Sprayer, kann sich mit ihnen unterhalten, hat immer was zu zeigen. „Es ist schön, dass man sich von Bild zu Bild weiterentwickelt“, sagt der Schüler. Abends sprühen zu gehen sei immer abwechslungsreich, ein guter Ausgleich.

Ben malt seit seiner Kindheit. 2013 inspirierte ihn ein Freund zu Graffiti. „Wir sollten ein Plakat über eine Band oder so machen. Mein Kumpel meinte, dass wir die Überschrift in Graffiti malen sollen“, erinnert er sich. Doch aller Anfang ist schwer: „Mein erstes Graffiti war sehr schlecht“, sagt Ben und lacht. Er blieb am Ball, bis der erste Auftrag kam: Er sollte ein Auto besprühen.

Schon mehrfach hat Ben Leser für Auftraggeber gemalt: von Leinwänden als Geschenk für einen Verwandten, über fünf Meter lange Garagentore bis hin zum Bemalen eines Brückenpfeilers für einen Dönerladen in Emmendingen. „Ich hab viele Freunde und Bekannte, die in der Graffitiszene aktiv sind. Ich male fast täglich“, sagt Ben. Allerdings ist er nicht den ganzen Tag mit Stift oder Sprühdose unterwegs. Er hat noch andere Hobbys wie zum Beispiel filmen, fotografieren oder Musik. Ben spielt Posaune, Klavier, Orgel und Querflöte und ist in der Schul-Bigband.

 

Stylisch: Das Goethe-Gymnasium hat Ben gebeten, die Sporthalle zu besprühen.

 

Seinen Künstlernamen EKAS malt er in den verschiedensten Arten und Farben – mal mit Figuren, mal ganz simpel. „Das entwickelt sich über die Zeit. Man hat ja immer wieder neue Ideen und kann Dinge kombinieren und neu designen“, sagt Ben. Wenn man Tag für Tag male, entwickele man ein Gefühl dafür, was wo gut passen könnte. Seien es ausgefallene Effekte oder Figuren, die Buchstaben schmücken. Ben will seinen eigenen Weg gehen: „Es gibt zu viele Graffitis, die gleich oder langweilig aussehen. Deshalb ist es wichtig, was Eigenes, Ausgefallenes zu machen.“

Etwas Ausgefallenes hat Ben auch Ende Juli mit zwei Sprayerfreunden gemalt: Sie besprühten die Sporthalle des Goethe-Gymnasiums in Emmendingen, das Ben selbst besucht. Fast zehn Meter breit ist das Bild. „Die Schulleitung empfindet den neuen Schriftzug als gelungen und große Bereicherung des Schulgeländes“, lobt Schulleiter Christoph Grießhaber. Für die Sprayer erwartet er eine „gewisse Welle der Anerkennung“. Und damit verbunden eine noch bessere Identifikation mit dem Gymnasium.

 

Verschönert: Ben malt legale Kunstwerke und verdient damit sogar etwas Geld.

 

Über so viel Lob kann sich Ben nur freuen. Ärger will er mit seinen Kunstwerken nicht machen – wie andere Sprayer, die Häuserwände oder Züge bemalen. Da Ben vor allem legal malt, hatte er bisher keine Probleme mit der Polizei. „Man hat so einfach mehr Zeit, schönere Sachen zu machen“, sagt Ben. Außerdem kann er so sogar noch ein bisschen Geld verdienen.

Die Einnahmen ermöglichen es ihm weiterzumachen. „Ich habe nicht vor, mit Graffiti aufzuhören“, sagt Ben. Allerdings sei es ziemlich schwer, beruflich etwas in die Richtung zu machen. Es gibt schließlich viele gute Graffitikünstler, die noch besser mit ihren Dosen flüstern. Ben sieht’s gelassen: „Graffiti kann ruhig nur mein Hobby bleiben, ab und zu mache ich ja ein paar Aufträge, daher habe ich auch das Geld für neue Dosen.“

 

Mehr dazu

 

 

 
Kommentar(e) (0)
 

Kalender

May 2017:

Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
 

Schlagwörter