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Sport & Freizeit

Eishockey-Crack Philip Rießle: Tut gut, abends loszufeuern

Der mit dem Bart: Philip Rießle ist Kapitän der Freiburger Eishockeymannschaft. Mit dem EHC spielt er in der zweiten Liga. Im Interview mit f79-Redaktionsleiter Till Neumann erzählt er von seinem Lieblingslehrer, von Zweikämpfen auf dem Eis und von seinem Doppelleben zwischen Glashandel und Leistungssport.

 
 

f79 // Philip, du bist Kapitän der Wölfe. Warst du in der Schule auch schon Klassensprecher?

Philip Rießle // Nein, damals habe ich mich noch schön zurückgehalten. Das war irgendwie nicht so mein Fall. Wir haben andere vorgeschickt. Ich glaube jetzt so mit meinem Werdegang wäre ich wahrscheinlich Klassensprecher.

f79 // Warst du eher so der Stille?

Philip Rießle // Ja, schon ein bisschen. Ich habe viel Spaß gehabt in der Schule und geschaut, dass die Stimmung gut ist. Ich wollte lieber versuchen den Stoff mitzunehmen als negativ aufzufallen.

f79 // Beim Eishockey geht’s ruppig zu. Hast du in der Schule auch schon Bodychecks verteilt?

Philip Rießle // Nein, ich habe schon mit fünf Jahren angefangen Eishockey zu spielen. Ausgepowert habe ich mich auf dem Eis, nicht in der Schule. Ich bin mittags heimgekommen, habe Hausaufgaben gemacht. Dann musste ich von Müllheim mit dem Zug hier herfahren. Erst abends um 9 Uhr war ich zu Hause. So sahen meine Tage aus.

f79 // Sind Eishockeyspieler die ausgeglicheneren Menschen?

Philip Rießle // Schwer zu sagen. Es gibt solche und solche. Mir tut es echt gut, abends loszufeuern, um die Energie rauszuhauen. Für mich ist das ein Ausgleich.

 

 

f79 // Aber man muss auf dem Eis schon hart im Nehmen sein.

Philip Rießle // Es gibt schön öfters mal auf die Knochen. Gerade auch mit dem Puck. Wenn man den abbekommt, muss man auf die Zähne beißen. Auch die Checks können wehtun, wenn da einer mit 90, 100 Kilo kommt und dich voll erwischt. Es gibt Situationen, wo es richtig schmerzhaft wird.

f79 // Trainiert ihr so harte Zweikämpfe?

Philip Rießle // Klar, das Training ist intensiv. Man fährt sich nicht über den Haufen wie im Spiel, aber man spielt schon auch Körper. Wichtig ist, dass man gerade im Sommer viel Krafttraining macht, um sich vor Verletzungen zu schützen. Die Gelenke et cetera.

f79 // Manche sehen es gerne, wenn’s kracht. Ihr Spieler auch?

Philip Rießle // Viele, die nicht so mit Eishockey konform sind, denken, die prügeln sich einfach. Sie denken, das sei ein primitiver Sport. Aber es gehört nun mal dazu. Und manchmal braucht man das auch. Wenn es nicht so läuft im Spiel, kann durch so eine Aktion oder durch eine Schlägerei das Momentum zurückkommen. So kann ein ganzes Spiel kippen.

f79 // Was ist das Härteste, das zu erlebt hast?

Philip Rießle // Früher im Nachwuchs gab es öfter mal Massenschlägereien. Gerade in der Schweiz sind auch mal alle übereinander hergefallen. Als Kind prügelt man sich aber anders als ein Mann. Einen Fight hatte ich mal. Ich habe ehrlich gesagt verloren, aber das war nix Besonderes.

 

 

f79 // Was können Schullehrer vom EHC-Coach Leos Sulak lernen?

Philip Rießle // Wahrscheinlich die Geduld mit uns (lacht). Manchmal rauben wir ihm bestimmt den letzten Nerv, aber das gehört wohl oder übel dazu. Es ist viel Wert wie er auf die Spieler eingeht. Das ist auch in der Schule wichtig. Man kann als Lehrer nicht einfach sagen: Der Schüler hat schlechte Noten, der kann nix. Es steckt oftmals ein tiefgreifenderes Problem dahinter – so ist es auch im Sport.

f79 // Was ist härter: Die Vorbereitung auf ein Bundesligaspiel oder auf eine Matheprüfung?

Philip Rießle // Also wenn ich überlege: Die Vorbereitung für mein Matheabi war definitiv ekliger als eine Spielvorbereitung. Mir ist das mental deutlich mehr an die Substanz gegangen (lacht).

f79 // Auf dem Eis bist du Allrounder. Warst du als Schüler auch ein Alleskönner?

Philip Rießle // Ja. Ich war in keinem Fach überragend, aber nirgendwo total schlecht. In den Leistungskursen wurde es kritischer. Ich frage mich heute noch, warum ich damals Physik gewählt habe. Als Leistungskurse hatte ich Erdkunde und Physik. Ich hätte lieber Biologie und Sport nehmen sollen. Aber ich habe das Abi geschafft und von dem her alles richtig gemacht.

f79 // Welcher Lehrer ist dir besonders in Erinnerung?

Philip Rießle // Mein ehemaliger Deutschlehrer Herr Schoch. Ziemlich streng, aber immer fair. Man hat von ihm viel fürs Leben gelernt. Disziplin, Ordnung, Heftführung waren ihm wichtig. Der ist mir heute noch in bester Erinnerung. Ich kam eigentlich mit allen Lehrern gut aus, musste nicht einmal nachsitzen.

f79 // Kommen wir zum deinem Vollbart. Den hast du seit den Playoffs 2015...

Philip Rießle // Ja, letztes Jahr ist er gewachsen in den Playoffs. Ich habe ihn im Sommer dann nochmal komplett kahlrasiert. Aber komplett ohne Bart sieht das doch ein bisschen komisch aus. Seit letztem Jahr im Sommer wächst er wieder. Ich bin jetzt regelmäßig im Barbershop.

f79 // Ist das beim Spielen ein Hindernis?

Philip Rießle // Gar nicht, nein. Die Sicht ist ja frei. Ich bin deswegen ja nicht schwerer. In den kalten Jahreszeiten ist es sogar angenehm auf dem Eis, weil es nicht so kalt ist im Gesicht.

f79 // Die Gegner haben mehr jetzt Respekt?

Philip Rießle // Das glaube ich nicht. Respekt haben sie allgemein vor jedem. Das muss man beim Sport. Aber dass sie jetzt Angst haben oder so... das wäre schön (lacht). Dann würde ich ihn noch länger wachsen lassen. Aber klar: Es gibt schon viele, die sagen, dass es ein cooler Bart ist.

f79 // Du arbeitest neben dem Eishockey in Vollzeit. Außer dir macht das beim EHC nur Dennis Mayer. Wie gut klappt das?

Philip Rießle // Ich arbeite im Glashandel in Hugstetten. Mein Chef ist super, er war Nachwuchsleiter beim EHC, ist sehr eishockeyaffin. So habe ich volle Rückendeckung. Ich brauche Urlaubstage für die weiten Strecken, gerade wenn wir nach Dresden fahren. Da hat er mir noch nie Steine in den Weg gelegt.

f79 // Warum machst du beides?

Philip Rießle // Ich war nach dem Abi vier Jahre in Bayern, 2011 kam ich zurück. Damals war die Wölfe GmbH pleite und der EHC hat in der vierten Liga neu angefangen. Ich habe mir einen Job gesucht und wollte dem EHC beim Wiederaufbau mithelfen. Dann sind wir peu à peu aufgestiegen. Der Job macht mir weiterhin mega Spaß macht. Und du weißt nie, wie lange das Eishockey geht. Es kann eine schwere Verletzung sein und dann ist es vorbei. Deswegen ist ein zweites Standbein gut.

f79 // Angenommen ihr schafft es in die Playoffs, gibt’s dann den Bart 2.0?

Philip Rießle // Haha. Da macht der Chef nicht mit, da ich viel im Außendienst bin. Wenn ich mit einem blau-weiß-roten Bart komme oder so was, könnte ich mir wohl ordentlich was anhören (grinst).


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